US-Präsidentschaftswahlen: Iowa gibt die Richtung vor

In weniger als 24 Stunden sind der republikanische und der demokratische Gewinner der US-Vorwahlen in Iowa ausgezählt. Zwar ist der Staat im mittleren Westen der USA verhältnismässig klein; doch ein gutes Abschneiden kann den Anwärtern Rückenwind für die weiteren Vorwahlen geben.

Vorwahlen in Iowa

In einer Schulkantine im Dorf Hubbard erklärt der konservative Republikaner Ted Cruz, dass er an seinem ersten Arbeitstag im Weissen Haus gleich alle Verfügungen Obamas rückgängig machen würde.

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Vorwahlen in Iowa haben begonnen

1:59 min, aus Tagesschau am Mittag vom 1.2.2016

Und das sei notabene bloss der erste Tag. An den weiteren werde er die USA wieder zu ihren christlichen Grundwerten zurückführen. Cruz könnte die Vorwahlen in Iowa bei den Republikanern gewinnen.

Er werde jetzt alle Fragen des Publikums beantworten – oder ihnen ausweichen, witzelt er. Vor allem Letzteres tut er dann, eine Stunde lang. Am Schluss posiert er gutgelaunt für Selfies und gibt Autogramme.

Donald Trump setzt seine Tochter in Szene

In Iowas Hauptstadt Des Moines legt sich derweil Immobilienmogul Donald Trump für Veteranen ins Zeug:

«  Illegale Einwanderer werden besser behandelt als Veteranen. Nicht mit mir als Präsident! »

Donald Trump
Immobilien-Tycoon

Dann geht Trump, der den Politikern vorwirft, sie seien die Marionetten ihrer reichen Wahlspender, mit Geld auf Stimmenfang: 5 Millionen Dollar hätten er und seine reichen Freunde für Veteranen gesammelt.

Und ein bisschen Politiker – mit Hang zur Inszenierung an sich persönlicher Angelegenheiten – ist der Anti-Politiker Trump inzwischen auch geworden. «Steh auf, mein Schatz, und sag Hallo», fordert er sie auf. Ivanka tut’s und winkt in den Saal. Die Menge tobt.

Hillary Clinton steht für Selfies bereit

Im Uni-Städtchen Ames warten die Leute auf Hillary Clinton. Sie ist verspätet – so, wie das sonst nur Präsidenten sind. Die Leute im luftigen Gebäude warten geduldig. «Wir sind Groupies», sagt eine ältere Dame, die von Texas angereist ist, um Clinton zu sehen.

Ein Siebenjähriger hofft auf ein Autogramm. Er habe gerade erst mit Sammeln begonnen. Hillarys Unterschrift wäre die erste! Dann taucht sie auf.

Sie habe in den Gesprächen mit den Leuten von Iowa viel gelernt, sagt Clinton. Sie will die Politik Obamas fortführen. Ihr Programm sei nicht so rückwärtsgewandt wie das der Republikaner, aber es sei auch realistischer als die Ideen, die ihr demokratischer Konkurrent Bernie Sanders habe.

«  Wenn ihr am Montag für mich stimmt, werde ich im Weissen Haus für euch kämpfen! »

Hillary Clinton
US-Aussenministerin

Clintons Auftritt ist perfekt inszeniert, fast zu perfekt. Es gibt keine Autogramme. Dafür ein paar Selfies über die Absperrung hinweg.

Bernie Sanders setzt sich für Studenten ein

In einem Hotel in Cedar Rapids stehen erstaunlich viele junge Menschen in einer langen Schlange an, um Bernie Sanders zu sehen. Was fasziniert sie am 74-jährigen Sozialdemokraten?

Bernie sei ein Politiker, der zu seiner Meinung stehe, sagt ein 26-jähriger. Hilfreich ist sicher auch, dass Sanders den Besuch von öffentlichen Unis gratis machen möchte.

Bernie Sanders kommt im vollbesetzten Saal sofort zur Sache: «Wollen wir, dass alles so bleibt, wie’s jetzt ist?» Oder beginnt hier in Iowa eine Revolution, die die USA von Grund auf verändert?

Sanders will die Reichen stärker besteuern, eine Einheits-Krankenkasse einführen und Grossbanken aufspalten. Anliegen, die am Anfang belächelt wurden – nun liegt er in den Umfragen mit Clinton in Iowa fast gleichauf.

Clinton oder Sanders? Cruz oder Trump? Oder doch ein ganz anderer Kandidat? Am Dienstagmorgen Schweizer Zeit wissen wir, wer bei den Demokraten und den Republikanern die Vorwahlen in Iowa gewonnen hat.