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Proteste zeigen Wirkung US-Richter stoppen Hinrichtung von sieben Häftlingen

Krankenbett, das für Hinrichtungen verwendet wird.
Legende: Die Richter im US-Bundesstaat Arkansas haben die Hinrichtungen vorerst gestoppt. SRF

Das Wichtiste in Kürze

  • Sieben Häftlinge im US-Bundesstaat Arkansas sollten innert weniger Tage hingerichtet werden.
  • Die Gerichte haben dieses Vorhaben jetzt gestoppt.
  • Ein Pharmahändler hatte gegen die Hinrichtungen geklagt. Er warf den Behörden vor, diese hätten sein Gift unter der Vorspiegelung falscher Tatsachen bei ihm gekauft.
  • Die Behörden wollten die Häftlinge rasch hinrichten, weil das Haltbarkeitsdatum des Giftes ablief und sie befürchteten, kein neues Gift zu erhalten.
  • Hunderte Menschen hatten gegen die Hinrichtungen protestiert.

Die Proteste scheinen gewirkt zu haben. Gerichte im US-Bundesstaat Arkansas verhindern, dass dort innerhalb weniger Tage sieben Menschen hingerichtet werden. Deren Schicksal bleibt aber ungewiss.

Der Oberste Gerichtshof von Arkansas setzte am Freitag die Hinrichtung von Bruce Ward aus, der wegen Mordes im Gefängnis sitzt. Wenig später untersagte ein Bezirksrichter in sechs anderen Fällen vorläufig den Gebrauch des Medikaments Vecuronium, das Teil der Giftmischung für die Exekutionen ist.

Haltbarkeit läuft Ende Monat ab

Geklagt hatte der Pharmahändler McKesson, der das Mittel für Muskelentspannung an den Bundesstaat verkauft hatte. McKesson machte geltend, getäuscht worden zu sein. Der Bundesstaat habe angegeben, das Medikament zu medizinischen Zwecken benutzen zu wollen, aber nicht für Hinrichtungen.

Arkansas wollte von Ostermontag an binnen elf Tagen sieben Häftlinge hinrichten lassen. Als Grund dafür wurde angegeben, dass Ende des Monats das Haltbarkeitsdatum für noch vorhandene Dosen des Medikaments Midazolam ausläuft, das in dem Giftcocktails für die Exekutionen enthalten ist. Die Behörden äusserten die Sorge, keine neuen Dosen bekommen zu können.

Der Anwalt des Häftlings Ward, Scott Braden, stellte in der Zeitung «Arkansas Times» fest: «Wir sind dankbar, dass der Oberste Gerichtshof von Arkansas die Hinrichtung ausgesetzt hat, so dass man die ernste Fragen zu seinem Geisteszustand berücksichtigen kann.»

Auch Johnny Depp unter den Demonstranten

Gegen die geplante Serie von Hinrichtungen hatte es heftige Proteste gegeben. Mehrere Hundert Menschen demonstrierten in Little Rock, der der Hauptstadt von Arkansas. Darunter war auch der Schauspieler Johnny Depp, der von dem Ex-Häftling Damien Echols begleitet wurde, wie der Lokalsender THV11 berichtete. Echols war mit zwei Freunden 1994 in Arkansas wegen Mordes an drei Jungen verurteilt worden und nach langjähriger Haft 2011 wegen entlastender Beweise wieder freigekommen.

Auch Kirchenvertreter und Menschenrechtsorganisationen wandten sich gegen die Hinrichtungswelle. In Petitionen wurde Gouverneur Asa Hutchinson aufgefordert, die Exekutionen zu stoppen.

11 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Klein (HansKlein)
    Natürlich ist die Todesstrafe ein Relikt aus finstersten barbarischen Zeiten und gehört abgeschafft. Ich würde höchstens noch verstehen, wenn die USA sie kurz vorher noch einmal gegen alle anwenden, die nach den Massstäben des Nürnberger Gerichtshofs von 1945 wegen Kriegsverbrechen zu belangen wären und verurteilt werden. Wie? Das träfe alle US-Regierungsmitglieder seit 1945 und die meisten Senatoren und Kongressabgeordneten? Und sogar europ. Regierungen in GB, FR und DE? Tja, dann sei's drum …
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  • Kommentar von Karl Kirchhoff (Charly)
    Es werden genügend Menschen in Kriegen und durch sonstige Gewalt ermordet. Da muss nicht auch noch ein Staat in Friedenszeiten morden. Das ist einfach nur primitiv!!
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  • Kommentar von Luca Bachofner (Ama et fac quod vis!)
    In den USA ist das Strafrecht Angelegenheit der einzelnen Bundesstaaten, ein Verbot der Todesstrafe ist daher mit hohem Aufwand verbunden. Zudem gibt es nur noch einige wenige Bundesstaaten welche die Todesstrafe noch nutzen, und in fast der Hälfte ist sie sowieso verboten. Für viele Amerikaner ist die Todesstrafe zwar unnötig, aber nicht etwas sehr schlimmes, da Amerikaner Kriminelle zutiefst hassen.
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    1. Antwort von Karl Kirchhoff (Charly)
      Die Todesstrafe abzuschaffen sollte kein grosses Ding sein, wenn man das denn will. Ich denke das Mörder, Kinderschänder und Vergewaltiger im Rest der Welt auch nicht geliebt werden!
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