US-Studenten bieten profitorientierten Hochschulen die Stirn

15 ehemalige Studenten fordern Corinthian Colleges heraus: Sie weigern sich, die Kredite zurückzuzahlen, die sie für ihre Ausbildung bei der Hochschule aufgenommen haben. Ihr Widerstand hat Beispielcharakter: Er hat nichts weniger als eine grundsätzliche Reform des US-Hochschulsystems zum Ziel.

In den USA steigt die Verschuldung für Ausbildung rasant an. Viele Menschen zahlen noch Jahrzehnte nach ihrem Abschuss die Schulden ab. Auch Präsident Barack Obama ist einer von ihnen. Er hat entsprechende Kredite erst vier Jahre vor seiner Wahl als US-Präsident zurückbezahlt.

Die Kritik an diesem System der Hochschulfinanzierung steigt an. Und mit der Kritik wächst auch der Widerstand: Fünfzehn ehemalige Studenten einer profitorientierten Schule sind medienwirksam in den Schuldenstreik getreten.

Zum Beispiel Makenzie Vasquez

Makenzie Vasquez sitzt auf einem alten Sofa im sonst leeren Wohnzimmer eines schäbigen Hauses in Santa Cruz. Eine junge Katze streicht um ihre Beine. Die 22-jährige Serviertochter hat sich für ihre Ausbildung mit 30'000 verschuldet. An eine Rückerstattung des Kredites denkt sie nicht: «Ich werde einen illegitimen Kredit nicht zurückbezahlen, für ein Diplom, das nichts wert ist, für eine Schule, die mich ausgetrickst hat.»

Makenzie Vasquez schrieb sich in die Corinthian Colleges ein, als sie 19jährig war. Sie wollte medizinische Assistentin werden «Die Ausbildung war nicht die, die sie mir versprachen. Die meiste Zeit wurde die Vorlesung von einer Studentin durchgeführt, die nur eine Woche länger da war als ich. Manchmal kam überhaupt kein Lehrer, und wir starrten einfach in die Bildschirme.» Sie sei jetzt viel schlechter dran als vorher, sagt die junge Frau. Und verdeutlicht: «Sie haben mir einen Traum verkauft, und jetzt habe ich einen Alptraum.» Vasquez ist eine von 15 ehemaligen Studenten von Corinthian Colleges, die sich weigern, ihre Studienkredite zurück zu bezahlen.

Corinthian Colleges unter Anklage

Corinthian Colleges war bis letztes Jahr eine der grössten profitorientierten Universitäten der USA. Nun haben Kalifornien sowie die US-Börsenaufsicht SEC Corinthian Colleges angeklagt; wegen Falschwerbung, missbräuchlicher Praktiken bei der Kreditvergabe und geschönter Zahlen über die Berufsaussichten von Schulabgängerinnen und Schulabgänger.

Das war zwar bereits öffentlich bekannt, als sich Makenzie Vasquez für den Studiengang einschrieb. Aber sie gibt die Verantwortung weiter: «Ich gehe doch nicht davon aus, dass eine Schule mein Geld nimmt und ich keine Ausbildung kriege. Das Ministerium für Ausbildung ist doch dafür da, dass sowas nicht passiert. Es hat mich und viele andere mit ihren Schwierigkeiten allein gelassen.»

US-Bildungsministerium in Zwickmühle

Das US-Ministerium für Bildung will die Schule, die zu neunzig Prozent von staatlichen Studentenkrediten finanziert wird, aber nicht in den Bankrott schicken. Denn: Für 70'000 Studentinnen und Studenten könnte dies ungewisse Folgen haben und viel Steuergeld kosten. Die ehemaligen Studentinnen und Studenten haben deshalb, wie es scheint, keine andere Wahl, als ihre Kredite weiterhin zurückbezahlen.

Makenzie Vasquez‘ Erfahrung mit den Corinthian Colleges ist ein extremes Beispiel in der US-Hochschullandschaft. Doch der Sachverhalt sei kein Einzelfall, und er zeige grundsätzliche Mängel am System, sagt Astra Taylor, Mitbegründerin der Organisation «Debt Collective».

Makenzie Vasquez.

Bildlegende: Makenzie Vasquez ist nicht gewillt, einen, wie sie sagt, «illegitimen Kredit» zurückzubezahlen. SRF

Taylor hat den Schuldenstreik mit Vasquez und anderen mitorganisiert. Sie sagt, dass das Geld für höhere Ausbildung in den USA in den letzten Jahren massiv gekürzt worden sei. Als Folge davon hätten Schulen ihre Studiengebühren erhöht, und das habe zu einer Schuldenspirale geführt.

Kostenlose Ausbildung für alle ist das Ziel

So sind die Schulden für Ausbildung in den USA in den letzten zehn Jahren von 250 Milliarden auf 1,3 Billionen Dollar gestiegen. Eine Hochschulausbildung kostet im Schnitt mittlerweile 30'000 Dollar pro Jahr. Dazu Astra Taylor: «Es wäre viel effizienter, wenn wir dieses verrückte System der nationalen Studienkredite ausschalten und die Universitäten direkt finanzieren würden.»

Ziel ihrer Organisation ist es, das Hochschulsystem zu reformieren, hin zu einer kostenlosen Ausbildung für alle. Als ersten Schritt in diese Richtung unterstützt sie die ehemaligen Studierenden der Corinthian Colleges in ihrem Schuldenstreik – mit dem Ziel, dass ihre Schulden erlassen werden.

Das haben diese bitter nötig. Denn die Streikenden verlieren ihre Kreditwürdigkeit und ihre Löhne, oder ihre Altersrente können beschlagnahmt werden. Makenzie Vasqez ist denn auch froh um die Solidarität: «Ich würde lieber gemeinsam kämpfen als mich davor fürchten zu müssen, mein Leben lang verschuldet zu bleiben», sagt sie. Und fasst folgenden Plan: «Wir arbeiten zusammen und sind bereit uns wehren, gegen alles was kommt».