Clinton kann auch im zweiten TV-Duell gegen Trump punkten

Das war nichts für zarte Gemüter. Dass sich Donald Trump und Hillary Clinton in ihrer zweiten TV-Debatte nichts schenken würden, war zu erwarten. Doch allzu oft ging es in der Nacht um Beleidigungen, Unterstellungen und Nebensächlichkeiten.

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Zweite US-Debatte voller Gehässigkeiten

2:02 min, aus Tagesschau am Mittag vom 10.10.2016

Diese Debatte war nichts für Dünnhäutige. Es ging um Frauen, die Bill Clinton sexueller Übergriffe bezichtigen und natürlich um ein Video aus dem Jahr 2005, das am Wochenende aufgetaucht war und in dem sich Donald Trump sehr vulgär über Frauen äussert.

«Umkleidekabinengespräch», sagte Trump und versuchte das Thema gleich aus der Welt zu schaffen, indem er erklärte, die IS-Terroristen würden sich schütteln vor Lachen, wenn sie sähen, worüber im US-Wahlkampf diskutiert werde. Dann griff er seine Gegnerin Hillary Clinton an, unter und über der Gürtellinie. Er forderte sogar Haft für sie, wegen ihrem Umgang mit den dienstlichen E-Mails.

Trumps alternative Realität

Clinton versuchte immer wieder die Angriffe zu parieren und auf die Sachebene zurückzukehren. Alles, was Trump sage, stimme nicht. Trump lebe in einer alternativen Realtität, erklärte sie.

Die Kandidatin der Demokraten präsentierte sich als Person, die das Land einen wolle und einen könne. Sie musste aber auch Versäumnisse zugeben, etwa bei ihrem Umgang mit ihren E-Mails. Trump seinerseits beanwortete kaum eine der Fragen aus dem Publikum, sondern nutzte seine Redezeit, um Clinton anzugreifen.

Neuer Punktsieg für Clinton

Mit seiner offensiven Haltung konnte Trump bei seiner eigenen Basis punkten. Doch unentschiedene Wähler vermochte er kaum auf seine Seite zu ziehen.

Clinton hat weiterhin die Nase vorn, denn nach ersten Umfragen hat sie auch die zweite Debatte gewonnen. Trump seinerseits war besser als im ersten TV-Duell.

Laut einer Blitzumfrage des Senders CNN gewann Clinton die Debatte mit 57 Prozent. Trump kam auf 34 Prozent. Clinton schnitt damit fünf Prozentpunkte schlechter ab als in der ersten TV-Debatte.

2. TV-Duell Clinton vs. Trump – Bemerkenswertes

Der Handschlag
Anders als beim ersten Mal reichen sich beide zu Beginn nicht die Hände. Am Ende der Debatte holen sie es dann doch noch nach.
Das Überthema
Trump konnte es nicht kleinreden; die sexistischen Äusserungen aus einem alten Video waren ein zentrales Thema des Abends, schon zu Beginn. Das dürfte hängen bleiben.
Die anklagenden Frauen
Trump hatte sie eingeladen: Frauen, die den Ex-Präsidenten Bill Clinton sexueller Übergriffe bezichtigen. Sie sassen im Publikum, aber auch Clintons Tochter Chelsea. Als Bill Clinton den Saal betrat, wirkte sein Blick angespannt.
Trumps Auftritt
Er war besser vorbereitet als beim letzten Mal und bemühte sich sichtlich darum, präsidialer zu erscheinen. Hin und wieder gelang es ihm aber nicht. Zu Beginn schien er nervös, das schüttelte er aber nach und nach ab, als er in die Offensive ging.
Der Tonfall
Beide wurden sehr schnell persönlich, teils aggressiv. Sie bezichtigten sich gegenseitig der Lüge, sprachen sich die Eignung für das Präsidentenamt ab, warfen sich moralisches Versagen vor – vielleicht ein Omen für den Wahlkampfendspurt.
Clintons Schwäche
Die Demokratin hatte ihren Widersacher nicht so eindeutig im Griff wie beim ersten Duell. Hatte sie in Hempstead Trumps Angriffe noch elegant auf Distanz gehalten, ging sie diesmal mit ihm in den Nahkampf. Die Folge: Blessuren für beide.
Das «Town Hall»-Format
St. Louis durften neben den Moderatoren auch die Zuschauer Fragen stellen – sowohl aus dem Saal als auch online. Die letzte Frage, ob die Kandidaten am jeweils anderen auch etwas Positives sehen, schien besonders gelungen. Trump lobte Clintons Kämpferherz, Clinton Trumps Kinder.