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US-Wahlen Hillary Clintons Niederlage – eine Watsche für die Frauen

Ihr ganzes Leben hat sie auf diesen Moment hingearbeitet: Hillary Clinton wollte als erste Präsidentin der USA Geschichte schreiben. Am Ende unterliegt sie einem Populisten, einem Sexisten. Eine totale Niederlage für die Frauen? Nein, im Gegenteil.

Eigentlich war Hillary Clinton die logische Präsidentschaftskandidatin. Sie war First Lady, sie war Senatorin, sie war Aussenministerin. Sie hat eine Menge Erfahrung, kennt die richtigen Leute – es hat trotzdem nicht gereicht. Viele wütende weisse Männer haben Donald Trump gewählt, auch einige wütende Frauen. Trump, in vielem das pure Gegenteil von Clinton: Ungehobelt, rassistisch, sexistisch, undifferenziert, wankelmütig.

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«Wir haben nicht erkannt, wie gespalten das Land ist»
Aus News-Clip vom 10.11.2016.
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Das ist eine Watsche für viele Frauen, nicht nur in den USA, auch hierzulande. «Ich bin sehr enttäuscht», sagt Iris Bohnet, erste ordentliche Schweizer Professorin an der Universität Harvard, in der «Rundschau». Auch Publizistin Esther Girsberger sagt: «Es trifft mich als Frau, weil Trump ein Frauenbild hat, das ich nicht nur ziemlich abscheulich finde, sondern er drückt dies auch noch aus.»

War es eine Wahl gegen eine Frau? Ist Amerika nicht reif für eine Chefin im Oval Office? Nein, sagt Bohnet, Clinton wurde nicht in erster Linie abgewählt, weil sie eine Frau ist, sondern weil in den USA laut der Professorin «eine gigantische Wechselstimmung da ist». Weil Clinton als Repräsentantin der Elite steht, des Alten, des Establishments.

In zweiter Linie aber wurde Clinton auch nicht gewählt, weil sie eine Frau war. «Männer können kompetent sein und unbeliebt, und wir wählen sie trotzdem. Aber Frauen, die kompetent und unbeliebt sind, die werden nicht gewählt», so Bohnet. Und weiter: «Es war ein Rückschlag für die Gleichberechtigung, dass Trump sexistische Bemerkungen machen konnte, ohne dass man sein Verhalten sanktionierte.»

So ein Ereignis mobilisiert, wir werden uns der Stereotype und Vorurteile bewusst.
Autor: Iris BohnetSchweizer Professorin, Universität Harvard

11/9 ist aber nicht nur ein schwarzer Tag für die Sache der Frau. Ihre Kandidatur fürs höchste Amt in den USA und ihre Abwahl haben vieles ausgelöst: «So ein Ereignis mobilisiert, wir werden uns der Stereotype und Vorurteile bewusst», sagt Bohnet. Das habe man in der Geschichte immer wieder gesehen. Auf die Nicht-Wahl von Christiane Brunner folgte eine noch nie dagewesene Mobilisierung für die Frauen, heute spricht man vom «Brunner-Effekt».

Die meisten Proteste gab es in der Wahlnacht an der Westküste der USA, wo die Demokratin Clinton besonders viele Anhänger hat.

Die nächsten Demokratinnen sind bereits in den Startlöchern. «Es gibt viele jüngere Frauen, die künftig sehr wohl eine Rolle spielen könnten», sagt USA-Korrespondentin von SRF, Priscilla Imboden. Eine davon ist Kamala Harris, Staatsanwältin von Kalifornien. Sie wurde neu in den Senat gewählt. Ebenso neu im Senat ist Catherine Cortez Masto. Sie ist die erste Latina dort. Es gibt weitere.

«Diese Niederlage schmerzt.» Das sagte Clinton bei der ersten Rede nach der Wahl, um sich gleich danach an die jungen Frauen zu wenden: «Ich weiss, dass wir die höchste, gläserne Decke nicht haben zertrümmern können, aber irgendwann wird es jemand tun.»

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42 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Bernoulli  (H.Bernoulli)
    Clintons Niederlage ist vor allem eine Watsche für Clinton und die Verantwortlichen in der demokratischen Partei, welche alles unternahmen, dass Clinton nominiert wird. Es ist auch eine Watsche für das korrupte System der Clinton-Stiftung und für all diejenigen, welche darin investiert haben. Die Nicht-Wahl Clintons zu einer Frauenfrage hochzustilisieren ist abwägig. Die Frauen sollten ihre Kritik an die Verantwortlichen der Demokraten richten, keine bessere Kandidatin nominiert zu haben.
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  • Kommentar von Cherubina Müller  (Fabrikarbeiterin)
    Man kann doch nicht eine Frau in den Wahlkampf schicken, welche so viele Leichen im Keller hat. Alleine die engen Beziehungen ihrer Stiftung zu den frauenfeindlichsten Ländern dieser Erde (Qatar und Saudi-Arabien sind grosse Geldgeber für die Clinton-Stiftung und finanzieren Terroristen auf der ganzen Welt) machten Clinton für viele Frauen unwählbar.
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  • Kommentar von René Balli  (René Balli)
    Ich denke die Wahl war viel mehr eine Frage des geistigen Niveaus als die von Frau und Mann. Amerikanisches Suburbia ist nicht unbedingt der Ort wo kritisches Hinterfragen und Wahrheit destilliert wird. Viele Leute schauen z.B. Fox TV wo unglaublicher und populistischer Quatsch erzählt und gezeigt wird. Das Märchen von den Jobs, welche die Chinesen gestohlen hätten, die Klimaerwärmung, welche von den Chinesen erfunden sei um Amerika zu schaden...usw. Trump ist die Logik von Missinformationen!
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    1. Antwort von Hans Bernoulli  (H.Bernoulli)
      Es ist eine schwierige Frage: sind die Wähler dem Populisten Trump auf den Leim gekrochen oder haben die Wähler die weniger schlechte Alternative gewählt - wählen müssen aus mangelnder besserer Alternative? Whs. hat beides zum Ergebnis geführt. Eigentlich, wenn alles korrekt verlaufen wäre, hätten die Amerikaner zwischen Sanders und Trump wählen können.
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