USA entsenden Spezialeinheiten ohne Kampfauftrag nach Syrien

Die USA korrigieren ihren bisherigen Kurs im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Präsident Barack Obama hat die Entsendung einer kleinen Zahl bewaffneter Spezialeinheiten in den Norden Syriens bewilligt. Sie sollten Angriffe syrischer und kurdischer Kämpfer gegen den IS koordinieren.

Voll ausgerüstete Soldaten in Afghanistan vor einem Einsatz.

Bildlegende: Für militärische Sondereinsätze setzen die USA ihre Special Operations Forces ein, hier Soldaten in Afghanistan. Reuters

Eine kleine Zahl bewaffneter Spezialeinheiten werden in den kommenden Tagen in den Norden Syriens verlegt. Präsident Barack Obama habe die Strategieänderung bewilligt, teilte das Weisse Haus in Washington mit.

Eingesetzt werden vorerst weniger als 50 Personen der US Special Operations Forces. Sie sollen vor Ort Angriffe syrischer und kurdischer Kämpfer gegen die Terrormiliz IS koordinieren und unterstützen. Es brauche eine politische Transition innerhalb von Syrien und die Spezialkräfte hätten keinen Kampfauftrag, hiess es weiter. Sie seien aber zur Selbstverteidigung ausgerüstet.

Der Präsident ordnete ausserdem eine Verlegung einer nicht genannten Zahl von Kampfflugzeugen des Typs A-10 und F-15 auf den türkischen Luftwaffenstützpunkt Incirlik an.

Unterstützung für Jordanien und Libanon

In Abstimmung mit Iraks Ministerpräsidenten Haidar al-Abadi solle zudem ein Einsatzkommando gebildet werden, um Angriffe auf Anführer der Sunnitenmiliz und ihr Netzwerk zu koordinieren. Auch die Unterstützung für Jordanien und den Libanon in deren Kampf gegen den IS soll verstärkt werden.

Am Ziel, den IS letztlich zu zerstören, habe sich nichts geändert, sagte ein hochrangige US-Regierungsvertreter der dpa. «Wir haben immer klargestellt, dass dies ein Kampf über mehrere Jahre sein wird, und das ist weiterhin der Fall.» Die Extremisten könnten nicht allein militärisch besiegt werden.

Kriegserklärung an IS

Gemeinsam mit 65 Partnerländern müsse weiterhin daran gearbeitet werden, den Strom ausländischer IS-Kämpfer nach Syrien zu stoppen und die Geldquellen des IS auszutrocknen. Zudem müssten die Kommunikationswege der Terrormiliz offengelegt werden.

US-Verteidigungsminister Ashton Carter hatte erst vor wenigen Tagen Bodeneinsätze gegen den IS in Syrien nicht ausgeschlossen. Wenn sich die Gelegenheit zu Angriffen auf die IS-Miliz biete, würden die US-Streitkräfte diese nutzen, «ob aus der Luft oder mit direktem Eingreifen am Boden», sagte Carter.

«US-Soldaten werden Krieg nicht beenden helfen»

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SRF-Korrespondent Pascal Weber aus Beirut

0:30 min, aus Tagesschau vom 30.10.2015

Im Grunde bedeute die Entsendung jedoch, dass die bisherige Strategie von US-Präsident Barack Obama zur Bekämpfung des IS in Syrien und im Irak gescheitert sei, meint SRF-Korrespondent Pascal Weber in der libanesischen Hauptstadt Beirut. «Um den IS erfolgreich zu bekämpfen braucht es mehr, als nur Luftschläge», so Weber.

Und es bedeute wohl auch, dass Obama von der russischen Intervention in Syrien auf dem falschen Fuss erwischt worden sei, sagt Weber: «Diese US-Soldaten im Norden von Syrien werden den Krieg nicht beenden helfen, sie sind höchstens eine politische Botschaft der Schadensbegrenzung.»