USA gefährden Friedensgespräche in Pakistan

Die Tötung des Chefs der pakistanischen Taliban durch einen US-Drohnenangriff gefährdet Friedensgespräche in Pakistan. Der pakistanische Innenminister wirft den USA vor die Verhandlungen zu «sabotieren». Die pakistanischen Taliban streiten derweil um die neue Führung.

Der pakistanische Innenminister Chaudhry Nisar Ali Khan nannte den Angriff der USA einen Versuch, die laufenden Friedensgespräche der pakistanischen Regierung mit den Taliban zu sabotieren. Der pakistanische Informationsminister Pervaiz Rashid sagte, seine Regierung wolle weiterhin auf Verhandlungen setzen. «Wir hatten alle Hürden zur Eröffnung eines Dialogs beseitigt und werden weiterhin versuchen, darauf aufzubauen.»

Die USA kommentierten den Drohnenangriff, bei dem der bisherige Kommandant der Tehrik-e-Taliban Pakistan (TTP), Hakimullah Mehsud, getötet wurde, nicht.

Zusammenarbeit mit den USA

Laut dem freien Südostasien-Korrespondent Willi Germund sieht die pakistanische Regierung diese Angriffe als Verletzung der nationalen Souveränität – jedenfalls sei dies die Haltung, welche nach aussen getragen werde. «Damit werden vor allem die nationalistischen Gefühle der Bevölkerung befriedet», erklärt Germund. Im Hintergrund arbeite die pakistanische Regierung aber enger mit den USA zusammen.

Ein Kommandant der TTP sagte derweil, es sei noch zu früh um zu sagen, ob die Taliban weiterhin zu Verhandlungen bereit seien. Aus Angst vor Vergeltungsschlägen wurden im ganzen Land die Sicherheitsvorkehrungen massiv erhöht. In Städten an der Grenze zu den Stammesgebieten wurden Soldaten stationiert.

Schwere Führungskrise

Der Tod des Anführers Mehsud hat die Extremisten derweil in eine Führungskrise gestürzt. Ein Rat der Taliban hatte zunächst seinen Stellvertreter Said Sajna zum Nachfolger ernannt. Einige der Gruppen innerhalb der TTP goutierten diesen Ratsbeschluss aber nicht, teilte ein Taliban-Kommandant mit. Die Schura werde nun weiter tagen, bis ein definitiver Entschluss gefasst werden könne.

Laut Germund war Sajna bereits seit einem halben Jahr für eine Einheit von Taliban-Selbstmordattentäter verantwortlich. An den Händen Sajnas klebe viel Blut. «Man kann nicht hoffen, dass er eine gemässigtere Linie einschlagen wird als sein Vorgänger.»