USA: Immer mehr Privatschulen auf Kosten von Steuergeldern

Jede zweite öffentliche Schule in den USA erhält laut Studien die Note «ungenügend». In vielen Bundesstaaten können Eltern darum Subventionen beantragen, um ihre Kinder auf Privatschulen zu schicken. Lehrerorganisationen schlagen Alarm.

Video «Run auf Privatschulen in den USA» abspielen

Run auf Privatschulen in den USA

2:54 min, aus Tagesschau vom 18.5.2013

Eigentlich war Delano Coffee ein aufgeweckter Schüler. In der Mittelstufe aber fiel er zurück: In seiner Klasse in einem Vorort von Indianapolis war er eines von 35 Latino-Kindern. Alle sprachen auch im Unterricht nur spanisch und prügelten sich in der Pause auf dem Schulhof.

4500 Dollar Steuergeld pro Schulkind

Delanos Mutter, eine alleinerziehende Telefonmarketing-Angestellte, hatte schlaflose Nächte, bis sie hörte, dass der Staat Indiana in einem Pilotversuch mit Steuergeld finanzierte Gutscheine für Privatschulen anbietet.

Das war vor zwei Jahren. Seither trägt der 15jährige Delano eine Schuluniform und macht seine Aufgaben mit Hilfe eines Ipads. Seine Noten haben sich merklich gebessert. Auch Delanos jüngere Geschwister besuchen die Privatschule – alles auf Kosten des Staats Indiana. Er subventioniert jedes Kind mit 4500 Dollar pro Jahr.

Bessere öffentliche Schulen dank subventionierter Konkurrenz?

Die ersten Schul-Gutscheine in den USA wurden vor 20 Jahren mit dem Ziel eingeführt, armen meist afroamerikanischen Kindern den Zugang zu besseren Schulen zu ermöglichen.

Unterdessen aber wurden die Programme vielerorts auf die Mittelklasse ausgeweitet. So auch in Indiana, wo ab diesem Herbst rund die Hälfte aller Schülerinnen und Schüler für die Privatschul-Gutscheine qualifiziert sind. Kostenpunkt: rund 60 Millionen Dollar. Indianas Gouverneur glaubt, durch die staatlich subventionierte Konkurrenz die öffentlichen Schulen zu besseren Leistungen antreiben zu können.

Budgets der öffentlichen Schulen schrumpfen

Die betroffenen Lehrer aber reagieren empört: «Das Privatschulprogramm raubt dem öffentlichen Schulwesen Geld und fügt ihm Schaden zu», sagt Teresa Meredith, Vizepräsidentin der Lehrergewerkschaft Indiana, zur «Tagesschau». In den letzten Jahren wurde Indianas Schulbudget bereits um 300 Millionen gekürzt. Es ist ein Teufelskreis: Je mehr Geld abfliesst, umso schlechter werden die Schulen.

Privatschulen lehren Kreationismus

Es waren republikanische Mehrheiten, die den staatlich subventionierten Privatschulen in 17 Bundesstaaten zum Durchbruch verholfen haben. Die Gegner kritisieren, dass die meisten dieser Schule evangelikal sind. Auch in Delanos Schule wird im Biologieunterricht nicht die Evolution, sondern der Kreationismus gelehrt. Er besagt, dass alle Lebewesen von Gott abstammen.

Wie umstritten die staatlich finanzierten Privatschulen sind, zeigt ein Urteil aus dem Bundesstaat Louisiana: Dort hat der oberste Gerichtshof das Programm letzte Woche für verfassungswidrig erklärt.