USA: «Rakete auf MH17 wurde im Rebellengebiet abgefeuert»

Für den US-Geheimdienst gilt als sicher, dass die pro-russischen Rebellen in der Ostukraine für den Abschuss des Fluges MH17 verantwortlich sind. Unklar bleibt, ob Moskau an der Tragödie direkt mitbeteiligt ist.

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MH17: Niederlande haben Untersuchung übernommen

2:10 min, aus Tagesschau vom 22.7.2014

Der US-Geheimdienst hat nach Regierungsangaben bislang keine Beweise für eine direkte Beteiligung Russlands an dem mutmasslichen Abschuss des malaysischen Passagierflugzeuges in der Ostukraine.

Bisherigen Erkenntnissen zufolge sei die Maschine von den pro-russischen Separatisten mit einer Boden-Luft-Rakete getroffen worden, sagten US-Geheimdienstler gegenüber Medien.

Abschuss ein «Versehen» der Rebellen?

Die Rebellen hätten wohl aber nicht beabsichtigt, die Boeing 777-200 mit 298 Menschen an Bord abzuschiessen. Wahrscheinlich habe eine «schlecht ausgebildete Besatzung» das verwendete Luftabwehrsystem vom Typ Buk nicht richtig beherrscht.

Dem «Wall Street Journal» zufolge präsentierten US-Geheimdienstler ausgewählten Reportern zahlreiche Beweise dafür, dass die Flugabwehrrakete aus dem von Separatisten kontrollierten Gebiet abgefeuert wurde.

Keine Beweise für direkte Beteiligung Moskaus

Eine russische Mitwirkung an dem mutmasslichen Abschuss lasse sich derzeit nicht bestätigen, hiess es weiter. Der stellvertretende US-Sicherheitsberater Ben Rhodes sagte dem TV-Sender CNN jedoch, die USA untersuchten weiter eingehend, ob es eine «direkte Verbindung» zu Russland gebe.

Unabhängig davon trage Moskau eine Verantwortung, weil es die kremltreuen Separatisten in der Ostukraine mit Material und Training unterstütze. Moskau habe durch anhaltende Waffenlieferungen an die prorussischen Rebellen und Trainingsmassnahmen die Bedingungen für diesen Vorfall geschaffen und die instabile Situation in der Ukraine mitverursacht. Auch nach dem Flugzeugunglück habe Russland die Hilfe nicht eingestellt.

Seit Beginn der Kämpfe mit ukrainischen Sicherheitskräften vor mehreren Wochen hätten die Aufständischen bereits «mehr als ein Dutzend» Fluggeräte abgeschossen, zitiert die Zeitung aus der Präsentation.

Funkverkehr prüfen

Der Mitschnitt des Funkverkehrs zwischen den Piloten der abgestürzten Maschine und ukrainischen Fluglotsen befindet sich weiter beim Geheimdienst SBU in Kiew. Es sei unklar, ob und wann die Aufzeichnungen internationalen Experten übergeben würden, sagte ein SBU-Mitarbeiter.

Blackbox unterwegs

Die beiden Flugschreiber sind in Grossbritannien angekommen. Dort werden Experten die Geräte untersuchen. Grundsätzlich bestimmen die Niederländer, was mit den Flugschreibern und den Analysen passiert.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Die EU-Aussenbeauftragte Catherine Ashton in Diskussion mit Teilnehmern der EU-Aussenministerkonferenz in Brüssel.

    Weitere Sanktionen gegen Russland?

    Aus Echo der Zeit vom 22.7.2014

    Aus diplomatischen Kreisen ist bekannt geworden, dass die Aussenminister der EU Russland mit Massnahmen drohen. Moskau müsse «sofort und vollumfänglich» mit den Ermittlern nach dem Absturz des malaysischen Flugzeuges kooperieren.

    Zudem solle Putin seinen Einfluss auf die Separatisten in der Ostukraine geltend machen.

    Veronika Meier, Oliver Washington und Peter Gysling