USA und Russland: Die Minister geloben Besserung

Snowden, Syrien, Menschenrechte: Diskussionsstoff gibt es zwischen den USA und Russland derzeit genug. Weil das Verhältnis zwischen den beiden Staatsoberhäuptern derzeit angespannt ist, suchten nun ihre Minister nach Gemeinsamkeiten. Mit mässigem Erfolg.

Die Akte Edward Snowden sorgt weiterhin für schlechte Stimmung zwischen Russland und den USA. Barack Obama hat aus diesem Grund ein Treffen mit Wladimir Putin abgesagt. Dafür haben sich nun die Aussenminister beider Länder zu einem klärenden Gespräch in Washington getroffen.

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Einschätzungen von Arthur Honegger in Washington

2:14 min, aus Tagesschau vom 9.8.2013

US-Aussenminister John Kerry sagte, man lege die Streitpunkte auf den Tisch. «Es ist kein Geheimnis, dass wir einige herausfordernde Momente erlebt haben.» Das dürfe aber nicht die Zusammenarbeit in wichtigen aussenpolitischen Fragen verhindern.

«Es ist wichtig für uns, Wege zu finden für Fortschritte bei der Raketenabwehr und anderen strategischen Themen», sagte Kerry. Dazu gehörten der Krieg in Afghanistan, die Reaktionen auf das iranische und das nordkoreanische Atomprogramm sowie der die Nahost-Region destabilisierende Bürgerkrieg in Syrien.

«Wie Erwachsene miteinander arbeiten»

Russlands Aussenminister Sergej Lawrow sagte, beide Länder seien in der Weltpolitik «durch eine gemeinsame Verantwortung vereint». «Wir müssen wie Erwachsene miteinander arbeiten. Und das tun wir.»

Vor dem Treffen hatte das US-Aussenamt angekündigt, Kerry werde von Lawrow erneut die Auslieferung Snowdens an die USA fordern. Dieser soll nach dem Willen Washingtons zu Hause vor ein Gericht gestellt werden. Russland lehnt die Auslieferung ab.

Die russische Delegation erwähnte den Fall vor dem Treffen nicht, sondern sprach allgemein von Meinungsverschiedenheiten. «Wir werden weitere Themen, bei denen wir unterschiedlicher Ansicht sind, ruhig und offen diskutierten», sagte Lawrow. Kerry meinte, dass es in diplomatischen Beziehungen auch mal zu «Kollisionen» kommen könne.

Keine Fortschritte in der Haltung zu Syrien

Eine gemeinsame Linie im Umgang mit dem Syrienkrieg scheint nicht in Sicht. Während Russland das Regime von Präsident Baschar al-Assad unterstützt, beliefern die USA die syrischen Rebellen mit leichten Waffen. Für die von Moskau und Washington in Genf geplanten Friedensverhandlungen gibt es noch keinen Termin. Die Konferenz soll Wege aus dem seit mehr als zwei Jahren tobenden Bürgerkrieg weisen.

Auch im Streit um eine geplante US-Raketenabwehr liegen die beiden Verteidigungsminister Chuck Hagel und Sergej Schoigu weit auseinander. Zudem stiess Obamas Vorschlag einer atomaren Abrüstung in Moskau auf wenig Interesse, weil es andere Länder ausklammert.

Weitere Fragen betrafen das iranische Atomprogramm und Nordkorea. Nicht zuletzt Russlands umstrittener Umgang mit Homosexuellen ist von den USA scharf kritisiert worden.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Angespannte Stimmung zwischen USA und Russland

    Aus 10vor10 vom 9.8.2013

    In einer Pressekonferenz äusserte sich Obama zu seinen geplanten Massnahmen für mehr Transparenz über US-Geheimdienstaktivitäten. Die NSA-Affäre hat nicht nur innenpolitisch für Furore gesorgt, sondern auch die Beziehungen zu Russland merklich abgekühlt. Allerdings waren Putin und Obama nie richtig miteinander warm geworden.

  • Gespräche zwischen den USA und Russland

    Aus Tagesschau vom 9.8.2013

    Wegen der Affäre Snowden hatte Barack Obama ein Treffen mit dem russischen Kollegen Wladimir Putin abgesagt. Und trotzdem hat es heute ein Treffen gegeben zwischen den beiden Ländern, wenn auch auf einer tieferen Ebene. Einschätzungen von USA-Korrespondent Arthur Honegger