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International USA unterstützen Ausbau der indischen Atomenergie

Indien und die USA haben sich auf eine Kooperation in der zivilen Atomtechnik geeinigt. Die Regierungen sehen den Schritt als Grundlage für eine strategische Partnerschaft und bessere Beziehungen.

Legende: Video Obama zu Besuch in Indien abspielen. Laufzeit 1:04 Minuten.
Aus Tagesschau am Vorabend vom 25.01.2015.

Die Atommächte USA und Indien haben nach jahrelangem Gezerre eine Einigung bei der zivilen Nutzung der Atomkraft gefunden. Beide Länder arbeiteten jetzt an der Umsetzung, sagte US-Präsident Barack Obama zu Beginn eines Staatsbesuchs im indischen Neu Delhi.

Das Nuklearabkommen aus dem Jahr 2008 sei das Herzstück der neu formierten Beziehungen, fügte Indiens Premierminister Narendra Modi hinzu. Die USA buhlen mit Russland um die Belieferung Indiens mit Atomtechnik.

USA oder Russland?

Erst im Dezember hatte der russische Präsident Wladimir Putin in Neu Delhi Abkommen zur Zusammenarbeit bei der Kernenergie unterzeichnet. Dabei sprach er von der Möglichkeit, mehr als 20 Reaktoren zu liefern. Derzeit baut Russland in Indien das Atomkraftwerk Kudankulam mit vier Reaktoren.

Die US-Atomindustrie hat ebenfalls grosses Interesse an Aufträgen aus Indien. Derzeit verfügt Indien über etwa 20 Atommeiler, doch das energiehungrige Land würde gerne weitere bauen.

Ein Import von US-Atomtechnik scheiterte bislang an einem indischen Gesetz aus dem Jahr 2010. Demnach muss der Lieferant haften, wenn seine Ausrüstung zu einem Atomunfall führt. Wie Obama und Modi dieses Problem gelöst haben, ist nicht bekannt.

Premier Modi umarmt Obama
Legende: Das Treffen mit dem indischen Premierminister Modi war von einer freundschaftlichen Stimmung geprägt. Reuters

Beziehungen auf höheres Niveau heben

Beide Staaten wollen mit der Kooperation in der Atomtechnik die Grundlage für eine strategische Partnerschaft legen. Bislang hatten die engen Beziehungen der USA zu Indiens Erzfeind Pakistan das Verhältnis beider Staaten belastet. Der nun erreichte Durchbruch zeige, dass beide Staaten in der Lage seien, ihre Beziehungen auf ein höheres Niveau zu heben, sagte Obama. «Letztlich liegt es jetzt an den Unternehmen voranzugehen. Die beiden Regierungen sind jedenfalls zu einer Verständigung gekommen.»

Es ist das erste Mal, dass ein US-Präsident in seiner Amtszeit gleich zweimal nach Indien fliegt. Obama betonte in seiner Ansprache: «Eine gute Beziehung zu Indien ist entscheidend für Amerikas Erfolg im 21. Jahrhundert.» Modi betonte, dass die beiden grössten Demokratien der Welt die gleichen Werte teilten.

Handelsvolumen verfünffachen

Fortschritte gab es laut Obama auch bei der Zusammenarbeit im Rüstungsbereich und der Bekämpfung des Terrors. Ausserdem wollten die USA bei der Verbesserung der Luft- und Wasserqualität in Indien sowie beim Ausbau des Stromnetzes helfen.

Der bilaterale Handel liegt mit einem Volumen von 100 Milliarden Dollar weit unter den Möglichkeiten. Die USA würden ihn gern verfünffachen.

7 Kommentare

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  • Kommentar von E. Waeden, Kt. Zürich
    Indien zu den BRICS-Staaten zählt, liegt der Verdacht sehr nahe, dass Obama einen Keil in dieses Staaten-Bündnis treiben will. Mitunter ja Grund für die Sanktionen gegen Russland ist. Und er hatte ja kürzlich angetönt, dass er Russland vollkommen isolieren will. Also macht man auf "Liebkind" mit Russlands Verbündeten. Dito Kuba usw. Gott bewahre uns vor Amerika!
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  • Kommentar von Markus Berner, Bülach
    Interessant finde ich, dass wenn der Lieferant des Reaktors bei einem Unfall haften muss, er lieber gar nicht erst liefert. Da sieht man, dass die Reaktorhersteller ganz offemsichtlich selber nicht an die Sicherheit ihrer Anlagen glauben. Oder anders gesagt - wenns funktionert, haben die Hersteller und Betreiber den Profit - wenns schief geht, hat die Befölkerung den Schaden...
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    1. Antwort von Thomas Käppeli, Guatemala Ciudad
      Erinnert an die Chemiekatastrophe von Bhopal am 3. Dez. 1984 bei Union Carbide India Ltd.. Die indische Regierung verlangte damals 3 Mrd. USD Schadensersatz vom Unternehmen. Bezahlt wurde schlussendlich 470 Mio. Dollar (damaliger Jahresumsatz der Firma: 9,5 Milliarden Dollar) an den indischen Staat, der das Geld jedoch nur in geringen Teilen für die Opfer aufwendete. Quelle: Wikipedia. Die letzten beissen die Hunde :-(
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  • Kommentar von peter müller, zürich
    Entscheidend ist was unterzeichnet wird. Bis anhin hört sich das primär nach Absichtserklärungen an. Man kann ja nicht im Dez. Putin 20 Reaktoren versprechen und 3 Monate später Obama nochmal das gleiche. Ganz besonders weil die System komplett inkompatibel sind. Westinghouse ist schon in der Ukraine mit eigenen Nuklearstäben auf die Schnauze gefallen. Sicherheitstechnisch gibt es für die USA NULL Vorteile - da Fukushima ein Westinghouse Reaktor war. (Mit oder ohne Toshiba Beteiligung)
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    1. Antwort von Hans Müller, Zürich
      Fukushima war ein General Electrics Reaktor
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    2. Antwort von u.felber, luzern
      Nun, könnte ja sein, dass Indien sich noch schnell neu Strategisch ausrichtet und merkt, dass mit Putin auf den Lahmen Gaul als Partner gesetzt wurde!
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    3. Antwort von M.Müller, Zürich
      @HM, Wenn Sie einen Unfall von einem Opel sehen, dann schließt das einen andern Unfall mit einem BMW aus? Komische Logik!
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