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International USA verlegen erstmals schweres Militärgerät nach Osteuropa

Panzer und Artilleriegeschütze für mehrere tausend Soldaten sollen in die Nato-Staaten im Osten Europas stationiert werden. Das Kriegsgerät der USA soll für «Ausbildung und Übungen» genutzt werden, sagt der US-Verteidigungsminister Ashton Carter.

Legende: Video Pentagon-Chef Ashton Carter zur Waffenstationierung abspielen. Laufzeit 00:30 Minuten.
Aus News-Clip vom 23.06.2015.

Die USA wollen erstmals schweres Militärgerät in die Nato-Staaten Mittel- und Osteuropas verlegen. Geplant sei, dass die USA «vorübergehend Ausrüstungsmaterial und Fahrzeuge für eine Kampfbrigade stationieren», sagte US-Verteidigungsminister Ashton Carter. Er informierte darüber in Estlands Hauptstadt Tallinn an einer Medienkonferenz mit seinen Amtskollegen aus den drei baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen.

«Wir sind uns alle einig, dass wir unsere Verbündeten verteidigen, ohne einen kalten oder heissen Krieg mit Russland anzustreben», betonte Carter und sicherte den östlichen Nato-Mitgliedern die Solidarität von USA und Nato zu.

Zur Ausrüstung gehörten auch Panzer und Artilleriegeschütze für mehrere tausend Soldaten. «Estland, Lettland, Litauen, Bulgarien, Rumänien und Polen haben zugestimmt, die Ausrüstung aufzunehmen, die in der Region an verschiedenen Standorten für Ausbildung und Übungen genutzt werden soll», sagte der Chef des Pentagons.

Wunsch der Nachbarn von Russland

Ein Zeitplan für die Stationierung wurde nicht genannt. Laut dem litauischen Verteidigungsministerium könnten die ersten Waffen Anfang nächsten Jahres in der Region eintreffen.

Estland gehört neben Lettland, Litauen und Polen zu den vier unmittelbaren Nachbarn Russlands, die zur Nato gehören. Alle vier Staaten hatten seit der russischen Annexion der Krim wiederholt die dauerhafte Stationierung von Nato-Truppen auf ihrem Gebiet gefordert.

So verteidigte Estlands Verteidigungsminister Sven Mikser die Ankündigung Carters. «Zusammen mit der vorgelagerten Ausrüstung würde eine beständige Präsenz dieser Grösse eine ausreichend starke Botschaft an jeden potenziellen Aggressor senden», sagte Mikser.

Unterstützung für Nato-Eingreiftruppe VJTF

Der US-Botschafters bei der Nato, Douglas E. Lute kündigte zudem an, was Carter beim Treffen der Verteidigungsminister in Brüssel am Mittwoch vorbringen wolle. Nämlich die Unterstützung der USA für die neue schnelle Eingreiftruppe der Nato (VJTF) in Europa, häufig als «Speerspitze» bezeichnet.

Die USA würden unter anderem Lufttransport-Kapazitäten zur Verfügung stellen. Es bringe wenig, wenn es eine Brigade in Mitteleuropa gebe, diese aber nicht innerhalb kürzester Zeit an den Einsatzort gebracht werden könne, sagte Lute in Anspielung auf die begrenzten Transportkapazitäten der europäischen Nato-Partner.

Nato berät am Mittwoch

Die Verteidigungsminister der Nato-Staaten wollen das neue Abschreckungskonzept des Bündnisses voranbringen. Der Nato-Oberbefehlshaber in Europa soll, Truppen eigenmächtig für Übungen oder den Ernstfall alarmieren können. Erst die Entscheidung, ob die Soldaten wirklich verlegt werden oder zum Einsatz kommen, treffen dann die Mitgliedstaaten.

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128 Kommentare

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  • Kommentar von Werner Christmann, Stein am Rhein
    Und da wundert sich unsereins, dass es im 2015 noch möglich ist die Europäer in einen handfesten Konflikt mit Russland zu manövrieren. Manipulation und Werbung funktioniert immer. Solange es noch genug Colatrinker und Hamburgeresser gibt, die unreflektiert jeden US-Mist bejubeln, haben es die Amerikaner leicht. Statt dessen wäre es angesagt sich mit den unzähligen Kriegsverbrechen der USA mal kritisch auseinanderzusetzen. Aber eben, Wohlstandsverwahrlosung macht denkfaul und träge.
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    1. Antwort von M. Keller, Thurgau
      Die Paralellen zum letzten Weltkrieg sind einfach frappierend. Aufrüstung, Propaganda, Feindmeldungen die sich im Nachhinein als Zeitungsente entpuppen... Ich frag mich wann Merkel, die als erste eine Putschregierung mit WAFFEN unterstützte, in die Kamera "rautet" und sagt "das Zurückschiessen gegen die russischen Invasoren vor Moskau ist seit heute alternativlos", und der Barack in die Kamera grinst, da sich die Stratfor-Analysen bewahrheitet haben...
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    2. Antwort von m.mitulla, wil
      Frau Merkel hatte spätestens zu Beginn dieses Jahres die Gefahr erkannt. Immerhin ist sie, zusammen mit Hollande zu Putin gereist und hat das Abkommen "Minsk 2" gegen den ausdrücklichen Willen der US-Waffenlobby (McCain) und der US-Wirtschaft (Biden) mit ausgehandelt. Allerdings hat Kiew wesentliche Punkte (Gebiete mit Teilautonomien) bis heute nicht umgesetzt. Das ist mitunter einer der Gründe, weshalb der Konflikt immer noch brennt - und am Leben erhalten wird.
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    3. Antwort von Werner Christmann, Stein am Rhein
      m.mitulla: Minsk 2 ist doch ein Witz (wohl gewollt). Poroschenko hat doch alle Narrenfreiheit dieses Abkommen nicht im geringsten umzusetzen. Im Gegensatz dazu wird an der Eskalationsschraube mit Verweis auf "Minsk 2" gegen Russland gedreht. Also offensichtlicher geht es ja gar nicht.
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  • Kommentar von M.Kaiser, Rebstein
    Die Chinesen freuen sich schon heute auf den Stahlschrott der Amis .
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  • Kommentar von Lucy von Sprecher, Zürich
    Gut so, dann könnten die USA auch gleich den Balkan zivilisieren.
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