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International Varoufakis: «Unser Hauptproblem ist nicht das Sparen»

Griechenland geht in die nächste Sparrunde, um weitere Hilfsmilliarden zu erhalten. In einem Exklusivinterview mit SRF kritisiert Yanis Varoufakis die Sparauflagen der Gläubiger scharf.

Legende: Video Yanis Varoufakis zur griechischen Schuldenkrise abspielen. Laufzeit 03:11 Minuten.
Aus News-Clip vom 11.05.2016.

Tiefere Renten, höhere Steuern, neue Steuern – erneut hat das griechische Parlament in der Nacht auf Sonntag einem Sparpaket zugestimmt. Wieder geht es darum, den Staatsbankrott Griechenland abzuwenden. Mit den beschlossenen Sparmassnahmen will sich der Mittelmeerstaat weitere Hilfszahlungen der internationalen Geldgeber sichern.

Gegenüber SRF kritisiert Yanis Varoufakis, ehemaliger Finanzminister Griechenlands, die Sparauflagen der Gläubiger:

Unser Hauptproblem ist nicht das Sparen, sondern dass wir unsere Schulden nicht zurückbezahlen können. Unsere Schulden sind nicht tragbar.
Autor: Yanis Varoufakisehemaliger Finanzminister Griechenlands

Schuldenschnitt statt Sparauflagen

Die Lösung seien ein Schuldenschnitt, eine «Bad Bank», welche die faulen Kredite abwickelt, und eine Entwicklungsbank, die in Zusammenarbeit mit der europäischen Investment Bank (EIB) Investitionen in Griechenland fördert. So liessen sich die Probleme innert kurzer Zeit lösen, so Yanis Varoufakis

Bereits als Finanzminister hatte Varoufakis auf eine komplette Neustrukturierung der Staatsschulden gepokert und war überzeugt, dass das auch jeder Insolvenz-Anwalt an der Wall Street so gemacht hätte. Die radikale Haltung hat ihn den Job gekostet.

Uneinige Gläubiger

Auch heute finden Varoufakis' Forderungen wenig Gehör. An der Sondersitzung zum Hilfsprogramm für Griechenland am Montag sprachen die Euro-Finanzminister gerade mal über mögliche Schuldenerleichterungen für Griechenland. Ein nominaler Schuldenschnitt wird dagegen von einigen Euro-Ländern, insbesondere Deutschland, kategorisch abgelehnt.

Stattdessen pochen einige EU-Finanzminister auf staatliche Mehreinnahmen von 3,5 Prozent des Bruttoinlandprodukts, die Griechenland mittel- und längerfristig jährlich erzielen soll – mehr als jedes andere EU-Land. Gegen diese Pläne der EU stemmt sich der Internationale Währungsfonds. In einem Schreiben bezeichnete IWF-Chefin Christine Lagarde das 3,5-Prozent-Ziel als unrealistisch und kontraproduktiv. Vielmehr müssten rasch Schuldenerleichterungen auf den Tisch, was wiederum der Euro-Gruppe nicht passt.

«Gläubiger untergraben ihre eigenen Interessen»

«Die Gläubiger sind in ihren unterschiedlichen Positionen gefangen, während die Sozialwirtschaft in Griechenland verschwindet, die griechische Gesellschaft verkümmert, die humanitäre Krise sich verschlimmert», warnt Yanis Varoufakis eindringlich. Mit ihrem Verhalten würden die Gläubiger letztlich ihre eigenen Interessen untergraben.

Klar ist: Die neuen Sparmassnahmen werden erneut viele Griechinnen und Griechen treffen.

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6 Kommentare

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  • Kommentar von Jean-Philippe Ducrey (Jean-Philippe Ducrey)
    Das Problem Griechenland ist ja eigentlich ein Problem Frankreichs. Noch ist es so, dass ein Schuldenschnitt die Banken Frankreichs und damit den französischen Staat vor immense Probleme stellen würde. Das will man zu verhindern, indem man das Problem auf Kosten Griechenlands über die Zeit hinaus zu verschieben versucht. Die Französischen Banken sollen ihre faulen Kredite entschärfen können, um so später einen Schuldenschnitt verdauen zu können. Ob das gelingt ist jedoch fraglich.
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  • Kommentar von c jaschko (let there be peace on earth)
    Je schneller die Kapitalismus Seuche abgeschafft wird umso schneller wird die Menschheit wieder geheilt :-) Hätte man Deutschland mit den Schulden gequält wie sie es mit Europa machen gebe es Deutsche und Deutschland heute gar nicht mehr :-) Was ist der Grund für das bestehen der EU eigentlich? So damit Europäer qualvolle Zeiten anderer Europäer hilflos zusehen müssen :-) Die EU ist so FAKE wie Billig Waren auf den Basar Ständen Afrikas :-) Schön präsentiert aber trotzdem die FAKE Produktion :-)
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    1. Antwort von Christa Wüstner (Saleve2)
      Kapitalismusseuche abschaffen ok, aber was dann , Sozialismus?....Gäbe es Deutschland und die Deutschen heute nicht mehr.....das ist einfach nur Hass gegen ein Volk welches vieles falsch gemacht hat.
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  • Kommentar von Rolf Künzi (Unbestimmt)
    Varouvakis war aufmüpfig weil er die Dimension des Problemes und dessen Lösung verstanden hat. Wer hört etwas vom jetztigen Finanzminister? Niemand. Es scheint zwei Arten von Politiker zu geben, solche die den Staat/Volk melken und solche die fürs Volk denken. Sesselhocker und Lösungsorientierte.
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    1. Antwort von Christa Wüstner (Saleve2)
      Vielleicht ist das eine vorsichtige Vorbereitung, dass man Varouvakis wieder mit ins Boot holen will. Zuletzt las ich von ihm, dass er als Gastprofessor an verschiedenen amerik. Universitäten unterwegs ist. Nur dürfen wir auch nicht vergessen, dass damals seine Aussagen sehr widersprüchlich waren. Im Ausland zeigte er eine andere Meinung als in Griechenland. Aber eben, es ist so ein Ding mit der Wahrheit,
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