Vatikanbank zeigt ehemalige Manager an

Die Vatikanbank IOR hat zwei ehemalige Führungsfiguren und einen Rechtsanwalt angezeigt. Diese sollen bei Immobilientransaktionen Millionen unterschlagen haben. Die «Selbstanzeige» des Geldinstituts sei ein Versuch, sich reinzuwaschen, sagt SRF-Korrespondent Massimo Agostinis.

Die opulente, in Goldtönen gehaltene runde Schalterhalle der Vatikanbank mit Marmorboden

Bildlegende: Es ist nicht alles Gold, was glänzt: Die Vatikanbank steht seit Jahren wegen diversen Skandalen in den Schlagzeilen. Keystone

Die Bemühungen der Vatikanbank IOR um mehr Transparenz zeigen Resultate. Das Geldhaus erklärte am Samstag, zwei ehemalige Manager des IOR und einen Rechtsanwalt angezeigt zu haben. Ihre Konten wurden auf Befehl der vatikanischen Justizbehörden gesperrt.

Die Ermittlungen kreisen um den Vorwurf der Geldunterschlagung ihm Zusammenhang mit Immobilientransaktionen in den Jahren zwischen 2001 und 2008, teilte Vatikan-Sprecher, Pater Federico Lombardi, mit. Die Unterschlagung wurde bei internen Kontrollen Anfang 2013 entdeckt.

Vom «Aufräumer» zum Täter?

Bei den beiden Ex-Managern soll es sich um den frühen Präsidenten der Bank, Angelo Caloia, und den ehemaligen Generaldirektor Lelio Scaletti handeln. Dies berichtete die Tageszeitung «Corriere della Sera» am Samstag in ihrer Online-Ausgabe. Via Strohmänner sollen sie Liegenschaften des Vatikans zu sehr günstigen Preisen an sich selber verkauft und viel teurer weiterverkauft haben, erklärt SRF-Korrespondent Massimo Agostinis. Den Gewinn hätten sie eingesteckt – laut Medienberichten über 60 Millionen Euro.

Dass der Ex-Präsident vom «Aufräumer» zum mutmasslichen Täter wurde, sei nicht erstaunlich, sagt Agostinis. «Wer so hoch aufsteigt, schuldet sehr vielen Leuten einen Gefallen.» Möglicherweise hätten Caloias Unterstützer von ihm etwas eingefordert, als er an der Spitze der Vatikanbank war.

Skandalreiche Vergangenheit

Die IOR-Bank verwaltet rund sieben Milliarden Euro, verteilt auf 19'000 Konten. Im Prinzip dürfen nur kirchliche Organisationen, Hilfswerke oder Bistümer ihr Geld beim IOR hinterlegen. Doch gerade dagegen wurde in der Vergangenheit häufig verstossen. Mafias, Geheimdienste oder obskure Geschäftemacher haben die Bank gerade wegen ihrer laschen Kontrollen immer wieder missbraucht.

Porträt von  IOR-Chef Jean-Baptiste de Franssu

Bildlegende: Ein weiterer «Aufräumer»: IOR-Chef Jean-Baptiste de Franssu soll die Umstrukturierung des Geldhauses fortsetzen. Keystone

Der ehemalige Papst Benedikt XVI hatte eine Politik der Transparenz eingeläutet – nun machte der Vatikan unter der Führung von Papst Franziskus erstmals einen Fall selber publik. «Man will wieder eine saubere Bank», sagt Korrespondent Agostinis. In den letzten Jahren sei daher Personal ausgewechselt und die IOR einer neuen Aufsichtsbehörde unterstellt worden. Diese leitet der Schweizer René Brülhart.

Vatikanbank begrüsst Anzeigen

«Wir sind froh, dass die vatikanischen Behörden mit Strenge vorgehen», betonte der Präsident des Istituto per le Opere di Religione IOR, Jean-Baptiste de Franssu. Der seit Juli amtierende Franzose will nach etlichen Skandalen und dubiosen Geldgeschäften in der Vergangenheit die Umstrukturierung des Bankhauses fortsetzten.

Künftig soll die Bank ihre Finanzdienstleistungen ausschliesslich für die Kirche anbieten. 1600 Konten wurden zuletzt geschlossen, weil die Inhaber kein Recht hatten, Kundenbeziehungen bei dem «Institut für die religiösen Werke» zu unterhalten.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • René Brülhart, Chef der Aufsichtsstelle der Vatikanbank IOR.

    Die Vatikanbank im Fokus von René Brülhart

    Aus Echo der Zeit vom 3.12.2013

    Monsignor Nunzio Scarano, ehemaliger Chefbuchhalter der vatikanischen Vermögensverwaltung, steht vor Gericht, weil er versuchte, 20 Millionen Euro nach Italien zu schmuggeln. Das bringt auch die Vatikanbank IOR wieder in die Schlagzeilen.

    Gespräch mit René Brülhart, Chef der Aufsichtsstelle der Vatikanbank.

    Massimo Agostinis

  • Die dunklen Geschäfte der Vatikan-Bank - der Papst geht in die...

    Aus Echo der Zeit vom 30.12.2010

    Das Oberhaupt der katholischen Kirche beschäftigt sich zum Jahresende mit sehr weltlichen Dingen. Papst Benedikt XVI. reagiert auf Geldwäscherei-Vorwürfe gegen die Vatikan-Bank und will das Finanzsystem des Kirchenstaates strenger regulieren.

    Er hat unter anderem eine Behörde zur Kontrolle von Finanzgeschäften gegründet und Richtlinien gegen Geldwäsche erlassen.

    Illegale Finanzgeschäfte im Kirchenstaat: darüber reden wir gleich mit einem Wirtschaftsjournalisten in Rom. Zunächst die Fakten im Beitrag von ARD-Mann Tilmann Kleinjung.

    Simone Fatzer

  • Die skandalumwitterte Vatikanbank

    Aus Echo der Zeit vom 28.7.2010

    Immer wieder, wenn es um schmutzige Geschäfte geht, taucht die Vatikanbank IOR auf. Wie ist möglich, dass diese Bank, die eigentlich religiöse Einrichtungen finanzieren sollte, derart in Skandale verwickelt ist?

    Der italienische Journalist Gian Luigi Nuzzi hat vor kurzem das Buch «Vatikan AG» publiziert, das erste kritische Buch über das IOR, das vom Vatikan nicht auf den Index gesetzt wurde, obwohl es viel Brisantes enthält.

    Massimo Agostinis