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International Venezuela trauert um seinen umstrittenen Führer

Als General ging Hugo Chávez in die Politik und sagte der Armut den Kampf an. Oftmals blieben dabei demokratische Prinzipien auf der Strecke. Seine Anhängerschaft kümmerte das wenig – und so trauern heute viele Venezolanerinnen und Venezolaner um ihr verstorbenes Idol.

An Ostern 2012 bat Hugo Chávez Gott darum, ihn noch nicht zu sich zu holen. Seitdem war die schwere Krebserkrankung des venezolanischen Präsidenten für niemanden mehr ein Geheimnis. Eine Ikone war Chávez für seine Anhänger schon zu Lebzeiten.

Nun macht ihn der Tod zum Märtyrer: Für seine Wähler hat ihn der Krebs nicht nur aus dem Leben gerissen. Die tödliche Krankheit hat Chávez auch daran gehindert, den 1999 begonnenen Umbau Venezuelas in einen Sozialstaat abzuschliessen.

In Wirklichkeit haben soziale und wirtschaftliche Nachhaltigkeit nie zum Konzept von Chávez gehört. So radikal er auftrat, so genau wusste Chávez, dass seine Anhänger vom kleinbürgerlichen Dasein träumen und nicht von einer sozialistischen Revolution.

Staatskasse für die Armen geplündert

Chávez' Drehbuch war das eines Populisten. Ihm ging es darum, die politische Kundschaft der Armen in konstanter Abhängigkeit vom Wohltäter an der Spitze des Staates zu halten. Dennoch gab es in der Beziehung zwischen Chávez und seinen Wählern auch eine andere Ebene: Er hatte Not und Elend auf die politische Agenda zurückgeholt. Die Armen fühlten sich von der Politik wieder als Menschen und Bürger wahrgenommen.

Ohne Chávez wird es der Chavismus schwer haben. Sein Nachfolger im Präsidentenamt muss damit fertig werden, dass der Comandante die Staatskasse für seine vierte Wiederwahl regelrecht geplündert hatte. Auf Kosten der Infrastruktur, die verrottet.

Mangels Unterhalt, Planung und Investitionen bricht die Stromversorgung oft mehrfach täglich zusammen. In den Läden sind viele Grundnahrungsmittel und Hygieneartikel nicht verfügbar. Die Kaufkraft der Löhne sinkt, weil Chávez die Währung verschiedentlich abwertete. Das heizt die Teuerung an. Trotzdem dürfte sich Chávez wahrscheinlicher Nachfolger Maduro schnell dem Vorwurf ausgesetzt sehen, unter Chávez sei alles besser gewesen.

Was mach Kuba ohne Chávez' Öl?

Venezuelas Öl-Reichtum erlaubte es Chávez, in seinen 14 Jahren als Präsident Venezuelas zum Übervater der lateinamerikanischen Anti-Imperialisten aufzurücken. Seine Freunde beschenkte er mit billigem Erdöl. So sicherte er sich Einfluss. Kuba zum Beispiel versorgte er täglich mit 100‘000 Fass des schwarzen Goldes.

Chávez wurde zum Hauptverbündeten und zur Lebensversicherung von Raúl und Fidel Castro. In Südamerika stiess Chávez in Bolivien bei Präsident Evo Morales und bei Ecuadors Rafael Correa auf Echo. Aber grosse Länder wie Brasilien und Mexiko mieden Chávez und sein Alba-Bündnis. 

Bizarrer Auftritt vor der UNO 2006

Mit der Rückendeckung aus Havanna trieb Chávez den Schlagabtausch mit den USA auf die Spitze. Den schrägsten Auftritt hatte Chávez 2006 vor der UNO, wo er den damaligen US-Präsidenten George W. Bush als «den Leibhaftigen» bezeichnete und sich theatralisch bekreuzigte. Als Vorredner habe Bush im Plenarsaal «eine Aura von Schwefelgestank» hinterlassen, sagte Chávez bei seinem Auftritt vor dem UNO-Plenum.

Vor Chávez hatte eine korrupte bürgerliche Elite das Land während Jahren ausgebeutet. Chavez versprach, alles besser zu machen. Doch heute ist das Land heruntergewirtschaftet und die Sozialpolitik mit dem Schöpflöffel hat kein einziges Problem wirklich gelöst. Chávez ist tot und eine politische Fiktion nähert sich dem Ende.

(snep;brut)

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Franz NANNI, Nelspruit SA
    Meine Trauer haelt sich in Grenzen! Was dieser Mann wirklich geleistet hat sieht man klar an diesem heruntergewirtschafteten Land. Er hat die Armen besser stellen wollen... hat er das wirklich? Es wird wie ein Hammer ueber diese Armen kommen wenn das was er falsch gemacht hat wirklich zum Tragen kommt. Er erinnert sehr an Nachbar Mugabe... Macht um JEDEN Preis.. Ruecksichtslos, unter dem Deckmaenteli des Sozialismus.
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    1. Antwort von Marco Lüscher, Kreuzlingen
      Ich kann Sie gut verstehen. Wer wie Sie in einem demokratisch derart hoch entwickelten Land (Südafrika) lebt, in dem, wie ja in den letzten Wochen und Monaten weltweit zu sehen war, Polizei und Justiz wahre Menschenfreunde sind, der darf ohne Gewissensbisse mit dem Finger auf andere Länder zeigen.
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  • Kommentar von Daniel Schütz, Liebefeld
    Nur keine Gelegenheit verpassen um auf Chaves oder Cuba herum zu hacken. Die Ideologie des Verfassers des Artikels wiederspiegelt sich stärker als das was in Venezuela während Chaves massiv verbessert wurde (Bildung, Krankenversorgung, ). Wenn in so genannten Demokratien die Infrastruktur verlottert, eine schlechet medizinische Versorgung und eine massive pro Kopf-Verschuldung besteht dann scheint das normal zu sein. Bei SRF habe ich schon etliche objektivere Beiträge zu Venezuela vernommen.
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    1. Antwort von Hans Ochsner, Panama
      Ich lebe in Panama. Etliche meiner Nachbarn sind aus Venezuela. Fragen Sie mal diese was sie von dem Artikel halten! Sie würden ihn 1:1 unterschreiben und noch etwas oben drauf legen!
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    2. Antwort von Harald Girschweiler, 9500 Wil SG
      Ein Artikel v. U. Achermann der gut die Situation beschreibt. Früher schrieb er teilw. ganz anders und es tut gut zu sehen, dass auch er einsieht, dass bei H. Chavez nicht alles zum Besten steht. Z.B. die Elektrizität-Versorgung ist desolat, vor 1999 war sie hervorragend. Die massive Abwertung des Bolivars nützt den leeren Staatskassen nur im Moment, öffnet der Hyperinflation Tür u. Tor. @) Daniel Schütz: Sie kennen Venezuela höchstwahrsch. nicht, ich habe 13 Jahre in Lateinamerika gelebt...
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