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Verbrechen an den Rohingya «Die Täter wissen, dass sie davonkommen»

Legende: Audio Amnesty International fordert Verfahren gegen Myanmar-Militär abspielen. Laufzeit 03:37 Minuten.
03:37 min, aus Rendez-vous vom 27.06.2018.

«Seit Jahrzehnten begeht die burmesische Armee Menschenrechtsverbrechen – vor allem gegen ethnische Minderheiten», sagt Laura Haigh von Amnesty International. «Doch bestraft dafür wurde kaum jemand. Die Täter wissen, dass sie davonkommen, wenn sie morden und vergewaltigen.» Gut 700'000 Rohingya sind letzten Sommer aus Myanmar nach Bangladesch geflohen.

Geflüchtete im Meer beim Ausladen eines Schiffs
Legende: Amnesty International

Neun Monate hat die Menschenrechtsorganisation recherchiert. Über 400 Interviews mit Opfern, Augenzeugen, Diplomaten und Journalisten sind in die Auswertung mit eingeflossen. Nun fordert Amnesty in ihrem Bericht, die Täter wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit an der muslimischen Minderheit zur Rechenschaft zu ziehen.

«Die Soldaten schossen auf fliehende Dorfbewohner, zogen Frauen aus den Häusern und vergewaltigten sie, versammelten Männer und Knaben im Dorf und exekutierten sie, und brannten das ganze Dorf ab», erzählt Haigh.

Menschen im Flüchtlingscamp in Kutupalong, Bangladesch
Legende: Andrew Stanbridge / Amnesty International

Massgeblich verantwortlich für die Menschenrechtsverbrechen sind laut Amnesty-Bericht zwei Kampfeinheiten der burmesischen Armee, die bereits seit mehreren Jahren in den Minderheitengebieten von Kachin und Shan gewütet hätten. Die Gewalttaten sind längst bestens dokumentiert, die UNO spricht von einer ethnischen Säuberung. Dass sich die Täter vor dem Internationalen Strafgerichtshof ICC verantworten müssen, wie es Amnesty fordert, könnte schwierig werden.

Eine Frau sitzt vor ihrer Hütte und verdeckt ihr Gesicht
Legende: Andrew Stanbridge / Amnesty International

Die Beweislage sei zwar klar, erklärt Kingsley Abbodd, Anwalt und Rechtsberater der Nichtregierungsorganisation International Commission of Jurists. «Das Problem ist jedoch, dass Myanmar dem Internationalen Strafgerichtshof nicht beigreten ist und die Täter deshalb nicht belangt werden können.»

Frauen und Männer mit Kindern sitzen am Strassenrand
Legende: Andrew Stanbridge / Amnesty International

Es gäbe durch eine Resolution des UN-Sicherheitsrats zwar die Möglichkeit, die Täter vor den Internationalen Strafgerichtshof zu bringen. Allerdings würde China einen solchen Entschluss mit grösster Wahrscheinlichkeit blockieren. In einem ersten Schritt fordert Amnesty deshalb, einzelne Vertreter des Militärs in Myanmar gezielt zu sanktionieren.

Mann mit den Händen am Kopf
Legende: Andrew Stanbridge / Amnesty International

Solche Sanktionen gegen burmesische Generäle hat die EU bereits angekündigt. Im vergangenen Oktober hat sie den Besuch hochrangiger Militärs abgesagt – die Schweiz hingegen hatte die Delegation empfangen und zieht laut offiziellen Angaben auch weiterhin keine gezielten Sanktionen in Betracht. Für die vielen Opfer der vertriebenen Rohingya liegt Gerechtigkeit in weiter Ferne.

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11 Kommentare

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  • Kommentar von Steff Stemmer (Steff)
    Herr Häusermann, was denken Sie warum die Schweiz in den letzten Jahren recht hohe Bussen bezahlte, in ganz verschiedenen Bereichen/Branchen? Allen voran die Banken. Ich gehe davon aus, dass die büssenden Länder keine Lust mehr haben der Schweizerischen Rosinenpickerei zuzuschauen. Einerseits global vernetzt handeln, sich aber nicht an die Regeln halten und, wie im aktuellen Beispiel, keine Solidarität zeigen.
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  • Kommentar von Josephk Ernstk (Joseph ernst)
    Amnesty International fordert Verfahren gegen das Myanmar-Militär. Und wieder werden die wirklichen Urheber des Konflikts (General des Afghanischen Geheimdienstes und die Rohingya Salvation Army !) Laura Haigh's geschilderte Verbrechen wären dringend notwendig glaubhaft zu belegen ! Eine Berichterstattung die weder ehrlich noch glaubwürdig ist !
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    1. Antwort von Matteo Brändli (matteb)
      Nur so aus Interesse: wie kommt es, dass sie so gut zu den Rohingya informiert sind und wie können sie wissen, dass die internationale Berichterstattung zu den Menschenrechtsverletzungen an dieser muslimischen Minderheit im buddhistischen Myanmar falsch sind? Weil Muslime momentan überall auf der Welt so beliebt sind? Und auch wenn alle über den "General des Afghanischen Geheimdienstes" informiert sind: wer ist das und was hat er gemacht?
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  • Kommentar von Jürg Häusermann (Ebenda)
    Solange China Myanmar deckt, wird es schwierig, etwas zu unternehmen. Myanmar hat wenige Verbindungen zum Ausland. Boykottieren und ächten, wo immer möglich.
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    1. Antwort von Charles Dupond (Egalite)
      Warum sollte - wenn ueberhaupt - nur Israel von einer Vetoschutzmacht gegen Kregs-und gar auch Besetzungsverbrechen profitieren duerfen?....
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