Verdächtige gestehen Gruppenvergewaltigung in Indien

Das Verbrechen gegen zwei indische Mädchen scheint aufgeklärt. Drei der fünf festgenommenen Männer haben zugegeben, die 14- und 16-Jährigen missbraucht und getötet zu haben. Nach weiteren Mittätern wird gesucht.

Zwei Polizisten führen zwei mit einem Seil aneinandergebundene Männer ab.

Bildlegende: Diese beiden Männer haben die Verbrechen an den zwei Mädchen gestanden. Reuters

Nach dem Tod zweier Mädchen bei einer Gruppenvergewaltigung in Indien sind drei Verdächtige geständig. Sie müssten sich wegen Vergewaltigung und Mord verantworten, sagte ein Polizeibeamter.

Die drei Cousins hielten aber noch Details zurück und hätten angedeutet, dass es weitere Beteiligte gegeben habe. Nach zwei weiteren Männern, für welche die geständigen Männer Beschreibungen abgegeben hätten, werde gefahndet.

Die 14 und 16 Jahre alten Cousinen waren am Dienstag im nordindischen Badaun missbraucht worden. Sie hatten dem Sender NTDV zufolge am Abend ihr Haus, in dem es keine Toilette gibt, verlassen, um sich zu erleichtern. Dabei wurden sie von der Gruppe entführt. Familienangehörige fanden die Mädchen später erhängt in einem Baum.

Polizisten ignorierten Opferfamilien

Bei zwei der fünf festgenommenen Männer handelte es sich um Polizisten. Sie hatten nicht reagiert, als die Familien das Verschwinden der Mädchen melden wollten.

Die Familien der Opfer sind Dalit, sogenannte «Unberührbare», die in Indien am untersten gesellschaftlichen Ende stehen. Der Leichenfund hatte starken Protest in der Gemeinde ausgelöst. Erst danach nahmen die Behörden Ermittlungen auf.

«  Warum werde ich zu meiner Kaste befragt, wenn ich zur Polizei gehe? Bin ich kein Bürger Indiens? »

Vater eines Opfers

Nun sollen die Ermittlungen zum Fall wahrscheinlich an bundesweite Behörden übergeben werden, da die Angehörigen der örtlichen Polizei nicht vertrauen. Nach Angaben des Vaters eines Opfers hatten die Beamten sich geweigert, eine Vermisstenanzeige aufzusetzen, als er am Dienstagabend das Verschwinden der Mädchen meldete. Stattdessen sei er nach seiner Kaste gefragt worden.

«Warum werde ich zu meiner Kaste befragt, wenn ich zur Polizei gehe? Bin ich kein Bürger Indiens?», sagte er laut dem Abgeordneten Dharmendra Yadav, der ihn am Sonntag besuchte, wie der Sender NTDV berichtete.

Regionalpolitiker und Frauenrechtsgruppen beklagen eine wachsende Gesetzlosigkeit in Uttar Pradesh. Beispiele dafür kommen fast täglich hinzu. Im Distrikt Azamgarh wurde am Freitag ein 17-jähriges Mädchen von einer Gruppe vergewaltigt. Im Distrikt Basti wurde nach NDTV-Angaben nach einem Streit ein Teenager in Brand gesteckt. Das Opfer überlebte mit schwersten Verbrennungen, acht Verdächtige wurden verhaftet.

Vater lehnt Entschädigung ab

Vater lehnt Entschädigung ab

7560 Franken wollte die indische Regierung dem Vater eines Opfers als Wiedergutmachung bezahlen, doch der Mann lehnte ab. Er fordert Gerechtigkeit. Hier mehr.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Vergewaltigung in Indien – Polizei in der Kritik

    Aus Tagesschau vom 31.5.2014

    Die Gruppen-Vergewaltigung und der Tod zweier Mädchen in Nordindien hat inzwischen fünf Verhaftungen nach sich gezogen. Die Wut über die Polizei und die Zweifel an deren Arbeit bleiben aber.