Vergewaltigungen: Indischer Premier appelliert an Elternpflicht

Angesichts der teils tödlichen sexuellen Übergriffe im Land sieht der neue indische Premierminister Narendra Modi auch die Eltern in der Pflicht. In seiner ersten Rede zum Unabhängigkeitstag appellierte er an sie, ihren Teil beizutragen.

Indiens Premier mit rotem Turban nimmt am Nationalfeiertag teil.

Bildlegende: Indien begeht seinen Nationalfeiertag erstmals mit dem neuen Premierminister Narendra Modi. Keystone

Indien feiert seinen Nationalfeiertag. Die traditionelle Ansprache hielt dieses Jahr erstmals der neue Premierminister Narendra Modi. Dabei kam er auch auf die Fälle von Vergewaltigungen zu sprechen, die international immer wieder Entsetzen auslösen.

Er sei tief beschämt über die vielen Vergewaltigungen, die im ganzen Land immer wieder passierten, sagte Modi. Er forderte die Eltern auf, mehr Verantwortung für ihre Söhne zu übernehmen: «Der Vergewaltiger ist jemandes Sohn. Trauen Sie sich, Fragen zu stellen, behalten Sie sie im Blick», sagte Modi. Doch sollten sie auch ihre zehn bis zwölf Jahre alten Töchter fragen, wo diese hingingen und was sie täten.

2012 war eine Studentin nach einer Gruppenvergewaltigung in einem Bus in Neu Delhi gestorben. Seither sorgt die sexuelle Gewalt gegen Frauen in Indien immer wieder national und international für Schlagzeilen.

Modi spricht über soziale Probleme

Modi habe in seiner Rede auch die Diskriminierung von Mädchen in der indischen Gesellschaft angesprochen, sagt SRF-Korrespondentin Karin Wenger. «Indien hat eine verheerende Geschlechterungleichheit, auf 1000 Knaben kommen nur 918 Mädchen.» Viele Eltern trieben ihre Mädchen ab, weil sie Söhne als wertvoller erachteten. Modi habe auch an die Ärzte appelliert, damit diese aufhörten, solche Abtreibungen vorzunehmen.

Ganz allgemein habe Modi sehr konkrete soziale Probleme angesprochen und nicht wie seine Vorgänger auf den Erzfeind Pakistan eingedroschen oder von den glorreichen alten Zeiten geschwärmt, so Wenger. «Das scheint der Bevölkerung gefallen zu haben.»

Wenig konkrete Lösungsvorschläge

Modi habe in seiner Rede vor allem rhetorisch überzeugt, sagt die Korrespondentin. Allerdings machte er wenig konkrete Lösungsvorschläge. «Modi sieht zwar die Probleme und nennt sie beim Namen, hat aber selber diesbezüglich wenig an Erfolg und Erfahrung vorzuweisen», sagt sie mit Blick auf seine Tätigkeit als Regierungschef des Gliedstaats Gujarat.

Der Hindu-Nationalist Modi war erst im Frühjahr zum neuen Premierminister gewählt worden. Am 15. August begeht Indien das Ende der britischen Herrschaft im Jahre 1947.