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Vergifteter Ex-Spion «Russland stellt sich als Opfer einer Verschwörung dar»

Die britische Premierministerin Theresa May sagte am Montag, höchstwahrscheinlich sei Russland für den Giftanschlag auf den russischen Ex-Spion Sergej Skripal und seine Tochter verantwortlich. Die beiden seien durch einen Nervenkampfstoff vergiftet worden, der in der ehemaligen Sowjetunion hergestellt wurde. Die russische Reaktion darauf überrascht SRF-Russland-Korrespondenten David Nauer nicht. Das sei die übliche Reaktion Russlands, sagt er.

David Nauer

David Nauer

Russland-Korrespondent, SRF

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David Nauer ist Korrespondent von Radio SRF in Russland. Von 2006 bis 2009 hatte Nauer für den «Tages-Anzeiger» aus Moskau berichtet, anschliessend aus Berlin.

SRF News: Macht es sich die russische Führung nicht etwas zu leicht, wenn sie die Vorwürfe ins Lächerliche zieht?

David Nauer: Doch, das scheint mir schon so. Es ist auch auffallend, dass diese Verteidigungsstrategie nicht das erste Mal angewendet wird. Die Vorwürfe werden als antirussische Hysterie abgetan. Russland streitet kategorisch jedes Fehlverhalten ab.

So hat sich Moskau auch schon im Dopingskandal verteidigt und bei der Geschichte um die Einmischung um die amerikanischen Wahlen. Russland stellt sich als Opfer einer Verschwörung dar.

Die Sprecherin des Aussenministeriums hat sich regelrecht lustig gemacht über die britische Premierministerin.

Gibt es in der russischen Öffentlichkeit Stimmen, welche diese offizielle Darstellung hinterfragen?

Ja, das gibt es. In der kritischen Öffentlichkeit wird schon diskutiert, ob die russische Regierung oder der Geheimdienst zu einem solchen Giftanschlag in der Lage wäre. Es gibt durchaus Stimmen, die sagen, «doch, das ist denen zuzutrauen». Aber solche Meinungen kann man in Russland vielleicht in Internetforen lesen, aber sicher nicht im staatlichen Fernsehen vertreten.

Premierministerin May hat Russland aufgefordert, sich bis heute Abend zu erklären. Wird Russland dieser Aufforderung Folge leisten?

Das ist schwer zu sagen, aber die russischen Reaktionen von gestern Abend waren ja recht ablehnend. Die Sprecherin des Aussenministeriums hat sich regelrecht lustig gemacht über die britische Premierministerin. Ich kann mir deshalb nicht recht vorstellen, dass die russische Regierung nun die Hand zur Zusammenarbeit reicht.

Als Sanktion gegen Russland wird zum Beispiel ein Boykott der Männerfussball-WM in Russland diskutiert. Das würde Moskau schon treffen.

Die britische Regierung will schon morgen Sanktionen beschliessen, falls Russland keine glaubwürdige Erklärung abgibt. Lässt das Russland kalt?

Es kommt sehr drauf an, wie die Sanktionen gegen Russland aussehen. Wenn nun einzelne russische Bürger keine Visa mehr bekommen, dann beeindruckt das Moskau nicht besonders.

Wenn die Briten aber gröberes Geschütz auffahren, könnte das Russland durchaus weh tun. Diskutiert wird ja zum Beispiel ein Boykott der Männerfussball-WM in Russland oder massive Finanzsanktionen gegen russische Banken. Das sind Massnahmen, die Moskau schon treffen würden.

Das Gespräch führte Hans Ineichen.

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57 Kommentare

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  • Kommentar von Olaf Schulenburg (freier Schweizer)
    Das ist wie bei allen Populisten: Die eigene „Bravheit“ kundtun, die Schlechtigkeit der Anderen zelebrieren und sich dann lustig über die Anderen machen. Dieses Vorgehen gehört zum 1 x 1 aller Populisten, notabene weltweit.
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  • Kommentar von Frank Henchler (Fränki)
    Mit den Russen kann man nicht sachlich über irgendetwas diskutieren. Wenn May eine Erklärung von Russland zu dem Fall erwartet, ist das ihr gutes Recht und unter den Umständen auch nachvollziehbar. Solange Russland kein offensichtliches Interesse hat, die Dinge aufzulösen, wird für den aussen stehenden Betrachter eigentlich eins klar. Das Verhalten ist einer selbst ernannten Weltmacht nicht würdig und machen sie zunehmend unglaubwürdiger.
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    1. Antwort von Stanic Drago (Putinversteher)
      Muss Russland für jede Töte Katze in London auch Erklärung abgeben? Wenn May es ernst meinte, sollte Sie Russen einladen, ihnen Untersuchungs Ergebnisse auf Tisch legen und dann von ihnen Stellung Name verlangen. Aber es ist viel besser über Boulevardpresse Drohungen Richtung Moskau schicken. Nicht vergessen, dass selbst Britten geben zu, dass es sich um Vermutungen handelt. Ich befürchte, dass wahre Täter ist uninteressant bis man Russen beschuldigen kann.
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  • Kommentar von Stanic Drago (Putinversteher)
    Bei einen Boykott vom WM in Russland, sollte FIFA und UEFA sofort reagieren und alle Fussbal Verbände welche politische Einmischung von seite regierung zulassen, von allen Wettbewerbe ausschlissen. So steht es in Regelmenten von FIFA und UEFA. Das wäre super. Hätte mich über Finale von Champions League Partizan Belgrad- Spartak Moskau gefreut.
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    1. Antwort von Frank Henchler (Fränki)
      Dumm nur, dass so ein Spiel keinen Menschen interessiert.
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    2. Antwort von Stanic Drago (Putinversteher)
      Mich wäre es interessieren.
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