Verhärtete Fronten in Bahrain

Im arabischen Königreich Bahrain sind erneut grössere Proteste aufgeflammt, die in Zusammenstösse mit der Polizei ausgeartet sind. Ein Kenner des Landes sagt, Demonstrationen und kleinere Auseinandersetzungen kämen seit Monaten fast täglich vor.

Protestierende ziehen mit Fahnen und Plakaten durch eine Strasse Bahrains.

Bildlegende: Ein Demonstrationszug am 14. August 2013. Keystone

Nach Zusammenstössen zwischen der Polizei und Demonstranten sind in Bahrain am Mittwoch mehrere Protestierende festgenommen worden. Wie Augenzeugen berichteten, setzten die Sicherheitskräfte Tränengas ein, mehrere Menschen seien verletzt worden.

Die oppositionelle Wifak-Bewegung teilte mit, es habe mindestens 60 Demonstrationen im Land gegeben. Die Polizei war mit Panzerwagen auf den Strassen, errichtete Kontrollposten und feuerte Tränengas auf Menschenansammlungen.

Schiiten protestieren gegen Unterdrückung

Die mehrheitlich schiitische Opposition – die Schiiten bilden die Mehrheit in der Bevölkerung, haben aber kaum politische Macht – hatte zu den Protesten aufgerufen. Sie wollte damit zweieinhalb Jahre nach Beginn der Demonstrationen einen zweiten Anlauf nehmen. Das sunnitische Herrscherhaus seinerseits hatte schon im Vorfeld klar gemacht, dass Proteste im Keim erstickt würden. Es schickte denn auch die Polizei mit Panzerwagen auf die Strassen.


Bahrain-Kenner Törner: «Es gibt jeden Tag Proteste»

5:40 min, aus SRF 4 News aktuell vom 15.08.2013

Die Proteste und Zusammenstösse vom Mittwoch seien nichts Aussegewöhnliches, sagt der Journalist Marc Thörner. Er hat das Land vor wenigen Monaten besucht. In Bahrain komme es seit 2011 fast täglich zu Protesten, ohne dass man bei uns davon erfahre. Dies, weil das Regime die Informationspolitik nach eigenem Gutdünken steuert. So seien im Land kaum ausländische Journalisten zugelassen.

Verletzte werden verhaftet

«Da wird Tränengas eingesetzt – und zwar jeden Abend», sagt Thörner. Die Sicherheitskräfte würden rigoros durchgreifen und scheuten nicht davor zurück, Tränengas-Petarden aus nächster Nähe auf Protestierende abzufeuern. Auch würde mit Schrot-Munition auf Demonstranten geschossen. Beides führe immer wieder zu schweren Verletzungen. Und wer verwundet ein Spital aufsuche, müsse damit rechnen, gleich verhaftet zu werden.

Die verstärkte Repression seitens der Staatsmacht führe dazu, dass auch die Protestbewegung an Schärfe gewinne, konstatiert der Journalist. So sei es den Schiiten zu Beginn der Demonstrationen nur um die Beseitigung der Benachteiligungen gegangen, denen sie ausgesetzt sind. Inzwischen habe sich aber eine sogenannte Tamarod-Bewegung gebildet. Sie fordert nichts anderes als den Rücktritt der Regierung.