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Truppenaufmarsch an der Grenze Vermittlung in Gambia gescheitert

Kurz vor dem offiziellen Ende der Amtszeit von Gambias abgewähltem Präsidenten Yahya Jammeh ist ein letzter Vermittlungsversuch des mauretanischen Präsidenten im westafrikanischen Land gescheitert.

Legende: Video Kriegsgefahr in Gambia – Tausende fliehen abspielen. Laufzeit 01:33 Minuten.
Aus Tagesschau vom 18.01.2017.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein letzter Vermittlungsversuch des mauretanischen Präsidenten wurde offenbar am späten Mittwochabend abgebrochen.
  • In dem westafrikanischen Gambia könnte ein Militäreinsatz unmittelbar bevorstehen: Nigeria, Senegal und Ghana haben Truppen an die Grenze verlegt.
  • Die afrikanischen Länder machen so Druck auf Gambias abgewählten Präsidenten Jammeh, dessen Amtszeit heute endete. Er will das jedoch nicht akzeptieren.
  • Jammehs demokratisch gewählter Nachfolger Barrow sollte am Donnerstag vereidigt werden.
  • Immer mehr Gambier verlassen aus Angst vor einer Militärintervention das Land.

Kurz vor dem offiziellen Ende der Amtszeit von Gambias abgewähltem Präsidenten Yahya Jammeh ist ein letzter Vermittlungsversuch des mauretanischen Präsidenten im westafrikanischen Land gescheitert.

Karte von Gambia in Westafrika.
Legende: Gambia in Westafrika mit der Hauptstadt Banjul. SRF

Trotz eines möglicherweise bevorstehenden Militäreinsatzes gelang es Mohammed Ould Abdel Aziz bis zum späten Mittwochabend nicht, Jammeh zum Abtreten zu bewegen, wie aus Banjul verlautete. Eine offizielle Bestätigung dafür gab es zunächst nicht.

Neue Gespräche im Senegal

Aziz will nun offenbar in Gesprächen mit dem senegalesischen Präsidenten Macky Sall eine politische Lösung für die Krise im westafrikanischen Gambia suchen. Aziz sei dazu in den Senegal geflogen, hiess es am Donnerstag aus Kreisen des senegalesischen Präsidentenamtes.

Senegal, Nigeria und Ghana haben bereits hunderte Soldaten in Richtung der gambischen Grenze verlegt. Nigerias Luftwaffe brachte nach eigenen Angaben neben 200 Soldaten auch Kampfflugzeuge und Helikopter in den Senegal. Ghana schickte ebenfalls 200 Soldaten.

Schwer bewaffnete Soldaten

Der Senegal hat nach Angaben von Augenzeugen bereits Hunderte schwer bewaffnete Soldaten an die gambische Grenze verlegt. Die Einheiten sind Teil der Eingreiftruppe der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft (Ecowas).

Die gambischen Streitkräfte verfügen nur über etwa 800 bis 1000 Soldaten. Viele von ihnen sollen nicht mehr bereit sein, für Jammeh zu kämpfen. Es zirkulierten bereits Aufrufe, den Truppen der Ecowas keinen Widerstand zu leisten. Der bei der Wahl vom Dezember siegreiche Oppositionskandidat Adama Barrow wollte noch am Donnerstag seinen Amtseid leisten. Jammeh regiert das Land seit einem Putsch 1994. Er akzeptiert das Ergebnis der Wahl vom Dezember nicht. Die Afrikanische Union und Ecowas haben angekündigt, ab Donnerstag nur noch Barrow als den Präsidenten Gambias anzuerkennen.

2000 Touristen werden weggebracht

Legende: Video Patrik Wülser: «Der Konflikt scheint zu eskalieren» abspielen. Laufzeit 03:03 Minuten.
Aus Tagesschau vom 18.01.2017.

Mit den Truppenverschiebungen soll der Druck auf Gambias abgewählten Präsidenten Yahya Jammeh erhöht werden, der seit 22 Jahren an der Macht ist. Obwohl seine Amtszeit eigentlich heute enden sollte, weigert er sich standhaft, zurückzutreten.

Ganz im Gegenteil: Jammeh hatte am Dienstag gar noch den Ausnahmezustand verhängt, um so an der Macht zu bleiben. Wahlsieger Adama Barrow, der in den Senegal geflohen ist, sollte am Donnerstag seinen Amtseid ableisten.

Unterdessen haben europäische Reiseveranstalter mit der Rückführung von rund 2000 Touristen aus Gambia begonnen. Der britische Anbieter Thomas Cook teilte mit, rund 1000 Urlauber schnellstmöglich mit Sonderflügen ausser Landes zu bringen. Die niederländischen Reiseveranstalter Tui und Corendon erklärten, dass sie ebenfalls rund 1000 Touristen ausfliegen würden.

Jammehs Rückhalt schwindet

Langzeitpräsident Jammeh verliert unterdessen weiter an Rückhalt. Kulturminister Benjamin Roberts erklärte am Dienstag seinen Rücktritt – damit war er der sechste gambische Minister innerhalb von weniger als 48 Stunden, der sich von Jammeh abwandte. Zuvor hatten bereits der Handels-, Aussen-, Finanz-, Umwelt- und Sportminister ihre Rücktritte verkündet.

EDA rät von Reisen ab

Das Aussendepartement in Bern rät ausdrücklich davon ab, nach Gambia zu reisen. Eine militärische Intervention und somit ein bewaffneter Konflikt könnten nicht ausgeschlossen werden. Bei Unruhen sei es zudem möglich, dass Flüge vorübergehend eingestellt und die Grenzübergänge geschlossen werden.

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Jean-Philippe Ducrey (Jean-Philippe Ducrey)
    Kurze Ergänzung: Die Eingreiftruppe der ECOWAS nennt sich ECOMOG (ECOWAS Monitoring Group) und wird zum grossen Teil von Nigeria gestellt und geführt. Bislang griff die ECOMOG bei drei Konflikten (Liberia 1990-2003, Sierra Leone 1997-2002, Guinea-Bissau 1998/99) eher nur bedingt friedensfördernd ein. Die Unruhen in Gambia fügen sich nahtlos in die Geschehnisse und Konflikte in der Region seit 1989 ein und dürften ohne UNO-Mandat und britische Truppen kaum zu bändigen sein.
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  • Kommentar von Franz NANNI (Aetti)
    Es haben alle afrikanschen Praesidenten Angst, abzutreten.. denn nachher werden sie in den verlaengerten Ruecken getreten, weil jeder sich am Volk bereichert hat, korrupt war und eben das Gesetz fuerchten muss,,, so der Mugabe der Zuma etc und eben Jammeh..
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    1. Antwort von Jean-Philippe Ducrey (Jean-Philippe Ducrey)
      @Nanni: Netter Kommentar, vielleicht sogar richtig, aber wenig hilfreich in der Lösungsfindung. Gerade in Afrika sollte die UNO eine viel wichtigere Rolle spielen, die die nachhaltige politische und wirtschaftliche Stabilität einer gesamten Region garantiert. Und wenn man dabei eine gewisse vorübergehende "Entmündigung" der Staaten in Kauf nehmen muss.
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  • Kommentar von Erwin Marthaler (erma)
    Zum Thema Nachbaarstaat: Nigeria ist in etwa so weit von Gambia entfernt wie Russland oder Marokko von der Schweiz.
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