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Verschwörungstheorien Verschwörungstheorien – die grossen Geschwister der Fake News

Verschwörungstheorien bedienen die Lust am Unglaublichen. Doch wer glaubt diesen Quatsch und warum?

Legende: Video Roland Imhoff über Verschwörungstheorien abspielen. Laufzeit 00:34 Minuten.
Aus SRFglobal vom 05.07.2017.
Weltkarte mit Katzenumriss eingezeichnet
Legende: Katzen regieren die Welt Die Weltkarte illustriert eine der charmanteren Verschwörungstheorien - wohl auch von vielen nicht ernst gemeint... SRF

Nicht immer, aber meistens sind Verschwörungstheorien völlig absurd. Die «Geheime Weltregierung» ist ein Dauerbrenner unter den Verschwörungstheorien. Diese besteht angeblich aus Wirtschaftsbossen, Geheimdiensten, Politikern und Journalisten.

Im Zentrum stehen bei vielen Theorien die Rothschild-Bankiers und häufig spielt Antisemitismus eine wichtige Rolle. Verschwörungstheorien funktionieren häufig nach ähnlichen Grundprinzipien wie Fake News – sie sind sozusagen die extreme Blaupause für Fake News.

Katzen und Reptilien

Die Theorie, dass Katzen die Welt regieren, hat da vergleichsweise einen gewissen Charme und ist wohl bereits eine Ironisierung anderer ebenso kruder Verschwörungstheorien. «Cats rule the world» liefert bei Google immerhin 7 Millionen Ergebnisse.

Legende: Video John Key: «Ich bin kein Reptil» abspielen. Laufzeit 00:12 Minuten.
Aus SRFglobal vom 05.07.2017.

Den Gipfel der Absurdidät erreichten tierische Verschwörungstheorien in Neuseeland: «Ich bin kein Reptil», erklärte der damalige neuseeländische Premierminister John Key, der eine offizielle Bürger-Anfrage beantworten musste, ob er in Wahrheit nicht ein Reptiloide sei. Diese Theorie besagt, dass die Weltpolitik in Wahrheit von ausserirdischen Reptilien in Menschenform gesteuert werde, die uns alle unterwerfen wollen – Hillary Clinton gehöre dazu, Barack Obama und die Queen.

Was ist eine Verschwörungstheorie?

Viele Verschwörungstheorien sind nicht immer so einfach zu entlarven, wie die absurdesten Varianten und halten sich hartnäckig. Ein Körnchen Wahrheit ist meistens dabei, sei es ein verblüffendes Bild, eine irreale Aneinanderreihung tatsächlicher Fakten oder eine verschwörerische Erklärung für ein grosses, schwer verdauliches Ereignis wie etwa das Attentat auf John F. Kennedy.

Roland Imhoff, Sozial- und Rechtspsychologe an der Universität Mainz, beschäftigt sich seit langem mit Verschwörungstheorien: «Eine Verschwörungstheorie ist die Annahme, dass die offizielle Version eines Ereignisses oder einer Gegebenheit in der Welt nicht stimmt, sondern stattdessen eine Gruppe von mächtigen Individuen dieses Ereignis planvoll in die Welt gebracht hat, um andern zu schaden oder sich selbst zu nützen.» Je grösser und weltbewegender ein Ereignis ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass Verschwörungstheorien in Umlauf gebracht werden.

Warum glauben Menschen solche absurden Theorien?

An Verschwörungstheorien zu glauben, hat laut Imhoff verschiedene Motive, eines davon ist das Bedürfnis nach Kontrolle: «Eine Verschwörungstheorie kann bei schrecklichen, zufälligen oder bizarren Ereignissen wieder etwas Kontrolle zurückgeben. Man hat zumindest die Illusion von Kontrolle, wenn man einer Verschwörungstheorie glaubt und wenn man glaubt, dass einige Bösewichte am Werk waren, denen man das Handwerk legen kann. Wenn ich hingegen nur mit den Schultern zucken und sagen kann, das war halt ein Tsunami und die passieren halt, dann beraubt mich das jeder Einflussnahme auf die Welt und das ist aversiv und das mögen die Menschen nicht.»

Ein weiteres Motiv für Verschwörungsgläubige nennt der Wissenschaftler Distinktionsgewinn. Ein Verschwörungstheoretiker kann sich mit seiner Theorie über die graue Masse erheben: «Er ist sozusagen erleuchtet, durchschaut die Zusammenhänge in der Welt. In der psychologischen Literatur nennen wir das das Bedürfnis nach Einzigartigkeit.»

Wer glaubt diesen Quatsch?

Wer glaubt an Verschwörungstheorien? Laut Imhoff sind es häufig Menschen, die keine oder wenig Kontrolle über ihr Leben haben oder zumindest das Gefühl haben, sie hätten keine Kontrolle mehr. Die Wahl von Donald Trump führte bei vielen US-Amerikanern zu diesem Gefühl: «Es gibt in den USA eine aktuelle Umfrage, die zeigt, dass die Zustimmung zu Verschwörungstheorien unter demokratischen Anhängern seit der Amtsübernahme von Donald Trump massiv hochgegangen ist und die von Trump-Anhängern eher runter.» Das wäre ein Indiz, dass das Gefühl von Deprivation und Kontrollverlust eine wichtige Rolle spielt, meint Imhoff.

Dann neigen laut Imhoff auch Probanden, die den politischen Extremen – egal ob links oder rechts – zuzuordnen sind, eher dazu an Verschwörungstheorien zu glauben. Zurzeit wird gerade in einer Studie in 20 EU-Ländern untersucht, welche dieser Faktoren eine grössere Rolle spielen.

Die «gefährlichen Rauchmelder»

Roland Imhoff hat sogar selber eine Verschwörungstheorie für ein Experiment erfunden, um sicherzustellen, dass keiner der Probanden, die Theorie schon kannte. Seine absurde Theorie war, dass aus Rauchmeldern eine Art Ultraschallsignale gesendet würden, die Gastritis und Depressionen auslösen könnten, und dass der zuständige Verband und die Behörden diese Tatsache verschweigen würden, weil sie auch die grössten Hersteller von Rauchmeldern vertreten würden.

Legende: Video «Wir sind erschrocken.» abspielen. Laufzeit 00:50 Minuten.
Aus SRFglobal vom 05.07.2017.

«Wir waren überrascht, wie bereitwillig diese Theorie angenommen wurde.» Die Forscher unterliegen bei solchen heiklen Experimenten immer auch bestimmten ethischen Grundlagen. Eine davon ist: Die Forscher dürfen Menschen durch ihre Studien nicht dümmer machen als sie vorher waren. Deshalb klärten sie die Probanden nach dem Ende der Studie auf, dass diese Verschwörungstheorie frei erfunden war und nichts mit der realen Welt zu tun hatte.

Anschliessend wurden die Probanden noch einmal befragt. «Da waren wir erschrocken, dass ein Viertel der Befragten, auch nachdem wir ihnen gesagt hatten, das haben wir uns gerade eben ausgedacht, das ist absoluter Humbug, immer noch zumindest zum Teil davon überzeugt waren, dass nicht unsere initiale Verschwörungstheorie falsch war, sondern unsere Aufklärung.» Es reicht also schon, eine Verschwörungstheorie oder eine Fake News in die Welt zu setzen, irgendjemand glaubt sie immer.

Fake News und Wahrheit

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Was ist wahr? Wem kann man noch vertrauen? Ein Überblick über den SRF-Schwerpunkt Fake News und Wahrheit in Radio, TV und Online findet sich hier.

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26 Kommentare

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  • Kommentar von Friedrich Straubinger (Friedrich)
    Bis jetzt haben Verschwörungstheorien sehr viel Leid über den Menschen gebracht, denn oft genug waren sie den Grundstein für Verfolgung und Morde. Auch hat sich bis jetzt keine dieser Theorien in irgendeiner Form bestätigt. Offensichtlich braucht der Mensch immer ein Feindbild und sei es nur der Nachbar, der sich anders kleidet.
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  • Kommentar von Eduard Ender (Soso)
    Klar, man nehme die krassesten Verschwörungstheorien und Fake News, an die sowieso kein vernünftiger Mensch glaubt, um von den eigenen subtilen, aber nicht weniger gefährlichen Fake News abzulenken. Das Moto: "Wenn es von den 'Qualitätsmedien' stammt, dann stimmt es." Oder noch besser: "Nur was die Mainstream Medien berichten ist wahr". Diese Zeiten sind vorbei, doch viele Medienhäuser wollen das nicht Wahr haben.
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  • Kommentar von Beat Kessler (KLERUS)
    Ich habe das Gefühl das mit diesen Aktionen jede kritische Stimme mundtot gemacht werden soll. Solche Theorien sind Schwachsinnig. Mich stört aber an SRF, das man die Sprachregelung der NATO übernimmt und so tut, als seien eben diese Staaten das Bollwerk der freien Welt! Schon das Substantiv "Werte", geht mir so dermassen auf die Nerven, es brennt unter der Schädeldecke! Ich möchte das SRF die geostrategischen Interessen veröffentlicht, weil um um "Werte" geht es bestimmt nicht! MfG
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