Verwirrung in Zypern: Bankenöffnung wieder verschoben

Zypern bekommt seine Hilfsmilliarden. Doch die Banken sollen jetzt bis Donnerstag geschlossen bleiben. Denn die Angst vor einem Sturm auf die Geldhäuser ist gross.

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SRF-Sonderkorrespondent Florian Inhauser, Nikosia

1:50 min, aus Tagesschau vom 25.3.2013

Verwirrung in Nikosia: Die zyprischen Banken werden ohne Ausnahme nun doch erst am Donnerstag wieder öffnen. Dies gab am späten Montagabend der zyprische Finanzminister Michalis Sarris bekannt.

Zuvor hatte die Zentralbank erklärt, dass am Dienstag alle kleinen Kooperativbanken, die kleine zyprische Hellenic Bank sowie alle ausländischen Banken aufmachen würden. Die beiden angeschlagenen grossen Banken, Bank of Cyprus und Laiki Bank, sollten von vornherein erst am Donnerstag wieder öffnen.

Kleine Banken legen sich quer

Zur Begründung für die kurzfristige Änderung verwies das Finanzministerium auf die «ebenmässige Funktion des gesamten zyprischen Bankensystems». Wie die Nachrichtenagentur dpa aus Kreisen des Ministeriums erfuhr, hängt die Änderung damit zusammen, dass die kleinen Banken heftig gegen ihre Öffnung getrennt von den grossen protestiert hätten. Sie hätten einen Ansturm der Kunden befürchtet. Die Banken auf Zypern sind bereits seit dem 16. März geschlossen.

Nach der dramatischen Rettung Zyperns vor dem Staatsbankrott wollte die Regierung ohnehin einen Ansturm auf die Banken verhindern. Präsident Nikos Anastasiades kündigte nach seiner Rückkehr auf die Insel im Fernsehen vorübergehend Einschränkungen des Kapitalverkehrs an. «Ich versichere Ihnen, dies wird nicht lange dauern», sagte er zu seinem Volk.

Grosse Angst vor Ansturm

Erwartet wird, dass Kunden künftig nur bestimmte Höchstbeträge pro Tag und Monat abheben dürfen. Mit den Einschränkungen soll verhindert werden, dass alle Sparer ihr ganzes Geld abziehen.

Junge Zyprer in Nikosia. (reuters)

Bildlegende: Erleichterung und Unsicherheit zugleich: Junge Zyprer in Nikosia. Reuters

SRF-Sonderkorrespondent Florian Inhauser hatte zuvor in seiner Analyse für die  «Tagesschau» erklärt, eine schrittweise Öffnung könnte ein Versuch sein, um herauszufinden, ob es tatsächlich zu einem Sturm auf die Banken komme. Die Angst davor sei nämlich sehr gross. Die Anleger hätten ihr Vertrauen in die Banken völlig verloren.

«Sonderfall» Zypern belastet Märkte

Die Märkte atmeten am Tag der Entscheidung kurz auf. Dann sorgte allerdings Jeroen Dijsselbloem, der Chef der Eurogruppe, mit einer Aussage wieder für ein Abrutschen: Die Bankenrettung in Zypern sei kein Modell für andere Länder – betonte er am Abend. «Zypern ist ein besonderer Fall mit aussergewöhnlichen Herausforderungen.»