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International Video zeigt Minuten vor Todesschüssen in South Carolina

Es sind die wohl entscheidenden Minuten vor der Tat: Auf einem neuen Polizeivideo ist zu sehen, was sich vor den tödlichen Schüssen auf den Schwarzen Walter Scott abspielte. Zudem wurden weitere Details über die Vergangenheit des inzwischen entlassenen Polizisten bekannt.

Legende: Video Was sich vor den tödlichen Schüssen abspielte (unkommentiert) abspielen. Laufzeit 3:23 Minuten.
Vom 10.04.2015.

Ein neues Video zeigt, was sich in den Minuten vor den tödlichen Schüssen auf den schwarzen US-Bürger Walter Scott abspielte. Auf dem Material, das die Polizei von South Carolina veröffentlichte, ist zu sehen, wie Scott in eine Verkehrskontrolle geriet und wenig später flieht.

Die von einer im Polizeiwagen angebrachten Kamera aufgenommenen Bilder zeigen, wie der Beamte Michael Slager den 50-jährigen Scott wegen eines defekten Rücklichts anhält. Mit Scotts Führerschein und Fahrzeugpapieren kehrt der Polizist zu seinem Wagen zurück – vermutlich um eine Routinekontrolle vorzunehmen. Unterdessen versucht Scott, seinen Wagen zu verlassen, steigt aber auf Anweisung des Polizisten wieder ein. Wenige Sekunden später springt er aus dem Wagen und rennt davon, gefolgt von Slager. Beide verlassen das Blickfeld der Kamera.
Das nun veröffentlichte Video endet an dieser Stelle. Auf den Aufnahmen eines Passanten, die dieser zufällig mit seinem Handy machte, ist zu sehen, dass der 33 Jahre alte Beamte anschliessend achtmal auf den Flüchtenden Scott schoss. Fünf Kugeln trafen das Opfer in den Rücken.

Früherer Fall in neuem Licht

Der Polizist wurde aus dem Polizeidienst entlassen und wegen Mordes angeklagt. Er hatte sich auf Notwehr berufen. Inzwischen wurde bekannt, dass er sich bereits zuvor wegen übermässiger Gewalt gegen einen Schwarzen verantworten musste. Das geht aus einer Beschwerde in der Personalakte des mittlerweile entlassenen und wegen Mordes angeklagten Polizeibeamten hervor. Konsequenzen hatte der Vorfall aus dem September 2013 allerdings nicht: Der Polizist wurde von den Vorwürfen entlastet.

Damals war der Beamte demnach in North Charleston mit einem Kollegen zu einem Einbruch gerufen worden. Die Betroffene führte die Polizisten zum Haus des mutmasslichen Täters, wo ein wohl Unbeteiligter an der Tür erschien. Obwohl die ebenfalls anwesende Frau klarstellte, dass er nicht der gesuchte Einbrecher sei, sei es zu Handgreiflichkeiten gekommen, woraufhin der Beamte seinen Elektroschocker einsetzte.

Divergierende Schilderungen

So berichteten es eine Augenzeugin und der Betroffene, der später die Beschwerde einreichte. Der Polizeibeamte habe ihm grundlos einen Schock verpasst und ihn geschlagen und gezerrt. Der zweite Polizist sagte dagegen, sein Kollege habe den Taser einsetzen müssen, um die Situation unter Kontrolle zu bekommen. Der beschuldigte Beamte kam seiner Akte zufolge 2009 zur Polizei und hatte seiner Bewerbung zufolge sechs Jahre für die Küstenwache gearbeitet.

Leistungsbeurteilungen zeichnen das Bild eines guten Mitarbeiters, der die Anforderungen erfüllt. Er habe stets Sicherheitsvorschriften eingehalten und sich stets um die Sicherheit seiner Kollegen gesorgt. Er besass auch die Lizenz, einen Elektroschocker einzusetzen.

Proteste bislang friedlich

Anders als nach vergleichbaren Fällen von Polizeigewalt gegen Afroamerikaner kam es in North Charleston bisher zu keinen gewalttätigen Ausschreitungen. Die Proteste vor dem Rathaus der Stadt in South Carolina blieben nach Angaben lokaler Medien bisher friedlich.

10 Kommentare

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  • Kommentar von G.Beretta, Bern
    wo sind die "Verschwörungs"- Theoretiker die Behaupten dass alles ein Fake ist?
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  • Kommentar von Peter Joos, Beckenried
    Wieso kommt es immer wieder zu solchen tödlichen Aktionen? Das Argument "Rassismus" greift hier m. E. einfach zu kurz, sonst müssten sich in fast allen Ländern der Welt ähnliche Szenen abspielen. Vielleicht sollte die Ausbildung der US-Ordnungshüter verbessert und ihre Kompetenzen klarer geregelt werden. Warum flüchtet der Farbige, wäre eine weitere Frage. Ihn in der Rücken zu schiessen entspricht jedoch absolut nicht einem angemessenen professionellen Verhalten seitens des Polizisten.
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    1. Antwort von Andrea Müller, Zürich
      Wenn man davon ausgehen kann, dass man einfach so erschossen wird, dann ist davonrennen gar keine dumme Idee.
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  • Kommentar von Susanne Lüscher, Gossau
    Die Polizei und die Art und Weise wie solche Vorfälle in der Regel behandelt werden, ist ein Abbild der USA und deren Benehmens weltweit. Letztes Jahr erschoss die US-Polizei 1100 Menschen, dieses Jahr beläuft sich die Zahl bereits auf 312 Menschen! Wer es noch nicht weiss, die USA kann weltweit ihre Bürger auf Grund von Terrorverdacht verhaften und ohne Gewährung eines Anwalts oder eines Verfahren einsperren. Wobei der Begriff Terrorverdacht sehr weit ausgedehnt werden kann!
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