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Flucht aus Marokko Viele haben keine Hoffnung mehr

Hunderte junge Marokkaner sind in den letzten Wochen nach Spanien gelangt. Sie stammen meist aus dem Rif-Gebiet.

Legende: Audio Beat Stauffer zur Lage in Marokko abspielen. Laufzeit 5:15 Minuten.
5:15 min, aus SRF 4 News aktuell vom 29.06.2017.

Die Migration von Marokko nach Europa hat in den vergangenen Wochen stark zugenommen. Allein letzte Woche sind mindestens 500 junge Männer in Andalusien (Südspanien) an Land gegangen. Die meisten von ihnen stammen aus dem Norden Marokkos. Im dortigen Rif-Gebiet um die Stadt Al-Hoceima sind seit Monaten Proteste gegen die Regierung im Gange. Offenbar haben viele der jungen Männer alle Hoffnung auf Besserung verloren und suchen nun ihr Glück in Europa.

Was hat die Proteste im Rif-Gebiet ausgelöst?
Im Oktober vergangenen Jahres starb in Al-Hoceima ein Fischhändler in einer Müllpresse, weil er verhindern wollte, dass die Behörden Fisch vernichteten, den sie bei ihm beschlagnahmt hatten. Der tödliche Zwischenfall war Auslöser der grössten Proteste seit den Reformen im Zuge des sogenannten Arabischen Frühlings 2011. Bis heute kommt es immer wieder zu Demonstrationen.

Was fordern die Protestierenden im Rif-Gebiet?
Die Demonstranten fühlen sich vom Staat vernachlässigt und demonstrieren gegen die Massenarbeitslosigkeit, die Korruption der Behörden und die schlechte Gesundheitsversorgung. Sie fordern auch Investitionen in die vernachlässigte Infrastruktur in der Rif-Region.

Welche Strategie verfolgt der marokkanische Staat?
Die Regierung zeigte sich zunächst bereit zu Verhandlungen, hat dann aber eine härtere Gangart eingeschlagen. Die Anführer der Proteste wurden verhaftet und zu Gefängnisstrafen verurteilt. Die Behörden setzen auf Repression und auf eine Zermürbungstaktik, damit die meist sehr jungen Demonstranten aufgeben. So werden teilweise auch die Angehörigen von Demonstranten verhaftet oder die Protestierenden als Kriminelle hingestellt. Die Taktik scheint nun zu greifen – viele haben die Hoffnung auf eine Besserung der Situation aufgegeben und suchen ihr Glück nun in Spanien.

Wie reagiert Spanien auf die neuste Flüchtlingswelle aus Marokko?
Einige der jungen Männer haben in Spanien einen Asylantrag gestellt. Allerdings ist es für Madrid schwierig, dem Gesuch zu entsprechen, da dies die Beziehungen zu Marokko stark belasten würde. Jene Marokkaner, die kein Asylgesuch stellen, könnten gemäss einem Rückübernahmeabkommen zwischen den beiden Ländern relativ einfach nach Marokko zurückgebracht werden. Doch auch dieser Weg dürfte nicht ohne Komplikationen beschritten werden können.

Marokko-Kenner Beat Stauffer über den Konflikt im Rif-Gebiet:

Die Situation im Rif-Gebiet ist derart verfahren, dass wohl nur ein Befreiungsschlag von König Mohammed VI. die Protestierenden dazu bringen könnte, aufzugeben. Er müsste sich an die Rif-Bevölkerung wenden, dabei Massnahmen ankündigen und sich gleichzeitig für Versäumnisse der Vergangenheit entschuldigen. Damit würde der König allerdings ein grosses Risiko eingehen: Denn falls dies nicht zu einem Abflauen der Proteste führen würde, wäre seine Autorität infrage gestellt. Wohl deshalb zögert Mohammed VI., zu den Unruhen im Rif-Gebiet Stellung zu beziehen.
Legende: Al Hoceima liegt im Norden Marokkos, im Rif-Gebiet srf

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5 Kommentare

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  • Kommentar von a. furrer (charmin)
    Europa ist doch nicht die Lebensversicherung aller Migranten. Wenn das so weiter geht, ist Europa bald auch arm . Was geschieht dann, wenn diese ganzen Migranten nicht das bekommen auf was sie hoffen? Dann werden sie es sich einfach nehmen. Sie haben ja nichts zu verlieren! Stopt endlich diese Schlepper und diese NGO's auf dem Mittelmeer und alle diese jungen Männer retour in ihr Heimatland. Nur dann....sehe ich noch eine Zukunft für unsere Kinder in Europa.
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  • Kommentar von Martin Meier (M.Meier)
    Es stellt sich die Grundsatzfrage warum sie ins christliche Europa wollen und nicht in die muslimischen Nachbarländer. Es wäre an der Zeit einmal darüber zu diskutieren!
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  • Kommentar von Martin Meier (M.Meier)
    Warum zieht es sie nicht in muslimische Länder? Hatte gemeint die Umma (Gemeinschaft) steht vor allem.
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