Viele Staatsmänner an Peres' Abdankung – auch Abbas soll kommen

Die Flaggen auf Halbmast, ein bedrückter Netanjahu und Politprominenz aus aller Herren Länder. Peres' Beerdigung steht ganz im Zeichen staatenübergreifender Trauer. Dazu gehört auch ein politischer Weggefährte.

Der Platz vor dem israelischen Parlament füllt sich. Menschen drängen zu Peres' Sarg.

Bildlegende: Der Platz vor dem israelischen Parlament füllt sich. Menschen drängen zu Peres' Sarg. Reuters

Israel hat Abschied genommen von seinem Altpräsidenten Schimon Peres. Tausende Menschen kamen zu dem in eine blau-weisse Flagge gehüllten Sarg, der vor dem Parlament in Jerusalem aufgebahrt war.

Als Erster von Dutzenden Spitzenpolitikern aus aller Welt kam der ehemalige US-Präsident Bill Clinton nach Israel. Vor Peres' Sarg bekundete er seinem alten Weggefährten Respekt. Der israelische Altpräsident war am Mittwoch im Alter von 93 Jahren gestorben – zwei Wochen nach einem Schlaganfall.

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Netanjahu und Clinton nehmen Abschied von Peres

0:38 min, vom 29.9.2016

Netanjahu wirkte bedrückt

In einer kurzen Abschiedszeremonie legten Regierungschef Benjamin Netanjahu und Staatspräsident Reuven Rivlin Kränze vor dem Sarg nieder. Netanjahu wirkte sichtlich bedrückt und verharrte eine Weile in stillem Gedenken vor dem Sarg. Er hatte sich nach eigenen Angaben in den letzten Jahren Peres sehr angenähert und sich häufig mit ihm beraten.

Anschliessend wurde der Platz, auf dem die Flaggen auf halbmast gesenkt waren, für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Bis zum Abend können Bürger am Sarg vorbeigehen und Peres das letzte Geleit geben.

Schneider-Ammann unter den Trauergästen

Zu Peres' Beerdigung auf dem Herzl-Berg in Jerusalem am Freitag werden weitere führende Persönlichkeiten aus aller Welt erwartet. Deutschland entsendet Bundespräsident Joachim Gauck und Aussenminister Frank-Walter Steinmeier. Aus den USA kommen auch Präsident Barack Obama und Aussenminister John Kerry.

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Schimon Peres ist tot

0:19 min, aus 10vor10 vom 28.9.2016

Selbst der britische Prinz Charles, der kanadische Ministerpräsident Justin Trudeau, EU-Ratspräsident Donald Tusk und der österreichische Aussenminister Sebastian Kurz gehören zu den Trauergästen, ebenso der französische Präsident François Hollande und Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg. und Aus der Schweiz wird Bundespräsident Johann Schneider-Ammann anreisen.

Wie das israelische Fernsehen berichtet, hat die Familie von Peres Palästinenserpräsident Mahmud Abbas zum Begräbnis eingeladen – und dieser scheint die Einladung angenommen zu haben. Abbas habe bei der zuständigen Behörde eine Einreise nach Israel beantragt, teilte das israelische Verteidigungsministerium über Twitter mit.

«Er wird an der Beisetzung teilnehmen», sagte eine zuständige Sprecherin. Von palästinensischer Seite gab es hingegen noch keine Bestätigung.

Bill Clinton pflegte zu Peres eine historische Beziehung.

Bildlegende: Bill Clinton pflegte zu Peres eine historische Beziehung. Keystone

Ein Architekt der Friedensverträge

Shimon Peres wurde 1923 als Sohn eines Holzhändlers im damaligen Ostpolen geboren und wanderte 1934 nach Palästina ein. Er wurde auch als Vater des israelischen Atomprogramms bekannt. Peres war zweimal Israels Regierungschef und mehrmals Minister.

Peres gilt auch als einer der Architekten der Friedensverträge mit den Palästinensern. Er wurde dafür 1994 gemeinsam mit dem damaligen israelischen Regierungschef Izchak Rabin und PLO-Chef Jassir Arafat mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

Bei einer Zeremonie auf dem Rasen vor dem Weissen Haus (1993) hatten Abbas und Peres als Aussenminister die Verträge unterzeichnet. Im Beisein des damaligen US-Präsidenten Bill Clinton kam es zu einem historischen Handschlag zwischen Rabin und Arafat.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Ehemaliger israelischer Regierungschef Schimon Peres gestorben

    Aus Tagesschau vom 28.9.2016

    Schimon Peres, ehemaliger Regierungschef und Staatspräsident Israels, ist 93-jährig an den Folgen eines Schlaganfalls gestorben. Peres prägte die israelische Politik über ein halbes Jahrhundert lang. Peres galt international als Friedensstifter. Er war aber auch umstritten.