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International «Viele wussten nicht, worüber sie abgestimmt haben»

Unabhängigkeit, Autonomie oder wirtschaftliche Zusammenarbeit? Dem Referendum in der Ostukraine soll eine überwältigende Mehrheit zugestimmt haben. Doch es gab Orte, an denen gar nicht gestimmt werden konnte, sagt Russland-Korrespondent Martin Franzen.

SRF: Entsprechen die bekannt gegebenen Zahlen dem wahren Willen der Bevölkerung?

Christoph Franzen: Das wissen wir auch nach dem gestrigen Referendum nicht. Die Resultate sind nämlich stark anzuzweifeln. Es gibt Regionen, Städte und Dörfer, in denen gar nicht gestimmt werden konnte. Es waren auch keine internationalen Beobachter vor Ort, die den Urnengang hätten einschätzen können. Doch das Hauptproblem war, dass die Menschen gar nicht gewusst haben, um was es bei diesem Referendum geht. Das zeigte sich klar bei Befragungen, die ich selber gemacht habe. Einige meinten, es ginge um die Unabhängigkeit von der Ukraine, für andere ging es um mehr Autonomie. Wieder andere meinten, es gehe um eine wirtschaftliche Zusammenarbeit.

Einer der Separatistenführer hat erklärt, die ukrainischen Soldaten würden nun als fremde Besatzungsmacht eingestuft. Wie geht es weiter?

Die Anführer, die pro-russischen Separatisten, die sagen natürlich nun, dass sie die Herren sind in Donezk und nicht mehr wie früher die politische Elite. Nun stellt sich die Frage, ob die Kampfhandlungen weitergehen. Ich glaube, früher oder später muss auch Kiew einen Schritt machen und sich auch mit den pro-russischen Separatisten an einen Tisch setzen. Die anti-terroristischen Operationen auf dem militärischen Terrain haben wenig Erfolg gehabt.

Russlands Präsident Putin wartet noch zu mit einer Reaktion, er wolle zunächst das definitive Abstimmungs-Ergebnis analysieren. Welche Haltung ist vom russischen Präsidenten zu erwarten?

Er wird die Abstimmung als eine Art Willensäusserung der Bevölkerung hier akzeptieren. Die andere Frage ist, ob er das auch als legitime Abstimmung betrachten wird und dazu seinen Segen geben wird.

Christof Franzen

Christof Franzen

Der Journalist arbeitet seit 2003 für SRF, seit 2007 als Korrespondent in Moskau.

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12 Kommentare

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  • Kommentar von O. Toneatti, Bern
    Viele wussten nicht............Deshalb gehen an gewöhnlichen Abstimmungen in der "Demokratie" Schweiz 70%, also mehr als zwei Drittel der Stimmberechtigten, NICHT zur Urne. Wir haben also keinen Grund, über andere Nationen zu lächeln.
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    1. Antwort von R. Schönbächler, Hombrechtikon
      Das ist auch gut so, besser eine tiefe Stimmbeteiligung, als dass jeder einfach nach Bauchgefühl abstimmt, obwohl man sich mit dem Thema überhaupt nicht auseinandergesetzt hat bzw. das Thema einem gar nicht betrifft. Z.B. die Gripen-Beschaffung, wie soll ein Laie beurteilen können, ob die Luftwaffe solch ein neues System braucht oder nicht?
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  • Kommentar von p.keller, kirchberg
    "Viele wussten nicht, worüber sie abgestimmt haben" - das gibt es auch bei uns.
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  • Kommentar von Pance Antevski, Weggis
    Egal wie die Abstimmung Herr Franzen interpretiert, ist es unbestritten, dass die Leute in Ostukraine der sogennanten Regierung in Kiew nichts vertrauen. Übrigens Herr Franzen, auf den Abstimmungsblatt stand klar was die Abstimmungsvorlage war...und dort war vor allem das Wort "wirtschaftliche Zusammenarbeit" keinesfalls erwähnt. So wie ich weiss, gibt es übrigens in Ostukraine kaum Illiteraten. Und wenn man lesen kann,sollte man ihn nicht bevormunden .
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    1. Antwort von Hans Haller, Kölliken
      Pance Antevski, Weggis - Es stellt sich für alle Beteiligten die Frage, wem man noch überhaupt noch vertrauen kann und darf. Da gibt es zu viele Scharfmacher hüben wie drüben, die effektiv die "Sache" recht wirksam beherrschen und lenken können.
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