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May legt Brexit-Fahrplan vor «Vieles spricht für die harte Variante»

Wie weiter nach dem Brexit? Der Politologe Florian Hartleb sieht schwere Zeiten auf Grossbritannien zukommen.

Legende: Audio May stellt Brexit-Pläne vor abspielen. Laufzeit 4:15 Minuten.
4:15 min, aus SRF 4 News aktuell vom 17.01.2017.

SRF News: Welche Richtung wird die britische Regierung punkto Brexit einschlagen?

Florian Hartleb: Es zeichnet sich deutlich ab, dass der Brexit durchgezogen wird und zwar auf die harte Variante. So äussert Finanzminister Phillip Hammond schon deutlich, dass Grossbritannien ein neues Wirtschaftsmodell sucht für den Fall, dass es zu keiner Einigung mit der EU kommt.

Die Schweiz ist jetzt schon weitaus näher an der EU als Grossbritannien.

Wie könnte denn so ein neues Wirtschaftsmodell für Grossbritannien aussehen?

Es spricht einiges dafür, dass man dem Weg der Schweiz oder demjenigen Norwegens folgt. Aber hier spricht dagegen, dass die Schweiz als Mitglied des Schengen-Raums im Grunde jetzt schon weitaus näher an der EU ist als Grossbritannien. Es ist wahrscheinlicher, dass Grossbritannien hier einen ganz eigenen Weg verfolgt, der weiter weggeht vom Schweizer Modell.

Der Schuss kann nach hinten losgehen.

Grossbritanniens Wirtschaft ist stark abhängig vom Finanzsektor und dieser wiederum vom EU-Binnenmarkt. Droht nicht ein Bedeutungsverlust für die britische Wirtschaft und den britischen Finanzmarkt?

Für den Finanzmarkt auf jeden Fall. Es kann davon ausgegangen werden, dass London massiv unter Druck gerät. Der Finanzmarkt könnte sich stärker nach Frankfurt oder vielleicht nach Zürich orientieren. Und gerade bei den jungen Leuten in Grossbritannien zeichnet sich eine Perspektivlosigkeit ab. Viele Arbeitnehmer und auch viele Studierende verlassen bereits Grossbritannien. Auch viele Studierende. Es kann sein, dass es zu einem Bumerang-Effekt kommt und dass der Schuss nach hinten losgeht. Denn die jungen Leute haben grösstenteils für den Verbleib in der Europäischen Union gestimmt.

Einige Kommentatoren sagen, die EU könnte jetzt auseinanderbrechen. Sehen Sie das auch so?

Es ist nicht so dramatisch. Es stehen zwar in wenigen Monaten wichtige Wahlen an. Doch selbst die Rechtspopulisten wollen gar nicht raus aus der EU. Selbst der ungarische Premierminister Viktor Orbán hat einst bei der Brexit-Kampagne für den Verbleib Grossbritanniens geworben. Die Populisten sind sich sehr uneins und ich glaube nicht, dass die EU auseinanderbrechen wird.

Das Interview führte Christoph Kellenberger.

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Martin Meier (M.Meier)
    @SRF 10 vor 10 Redaktion: Herr Honegger meinte, ein harter Brexit würde wieder zu Grenzkontrollen führen. Das ist falsch, denn UK war noch nie Teil von Schengen, sprich die Grenzkontrollen wurden nie abgeschafft!
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  • Kommentar von Hans Wettstein (Hans W)
    Der Bundesrat hat in den letzten 20 Jahren den EU Beitritt faktisch am Volk vorbei vollzogen...bis auf die Währung vielleicht. Grossbritannien mag ein paar strenge Jahre vor sich haben (wie die EU übrigens auch), hat aber dank Freiheit auch Perspektiven und Hoffnung; etwas was den EU Staaten (inkl CH) vorenthalten bleibt.
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    1. Antwort von Joel Busch (Joel)
      Am Volk vorbei, wenn man die verschiedenen Abstimmungen für Schengen und die bilateralen Verträge ignoriert vielleicht... Darf ich diesen Link empfehlen? https://de.wikipedia.org/wiki/Bilaterale_Vertr%C3%A4ge_zwischen_der_Schweiz_und_der_Europ%C3%A4ischen_Union#Liste_der_Schweizer_Volksabstimmungen_.C3.BCber_die_Beziehungen_mit_der_Europ.C3.A4ischen_Union Zehn Mal durfte das Volk seit 1972 entscheiden wie es zum europäischen Projekt steht.
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    2. Antwort von Reto Camenisch (Horatio)
      H.W. Stimmt überhaupt nicht! Ich war x-mal an der Urne um unser Verhältnis zur EG (Europäische Gemeinschaft) und, später zur EU zu klären.
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