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International Vietnam: Toter bei anti-chinesischen Protesten

In Vietnam ist bei gewaltsamen Demonstrationen gegen China mindestens eine Person getötet worden. Randalierer hatten laut Medienberichten in der Nacht die grösste Stahlfabrik Vietnams gestürmt. Diese ist im Besitz eines Unternehmens aus Taiwan.

Legende: Video Vietnam und China streiten ums Öl abspielen. Laufzeit 1:08 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 15.05.2014.

Bei den Krawallen gegen chinesische Firmen in Vietnam ist mindestens eine Person ums Leben gekommen. 149 Menschen wurden bei der Erstürmung eines Stahlwerks in der Provinz Ha Tinh verletzt.

Dies teilte der Vize-Vorsitzende des dortigen Volkskomitees mit. Medienberichte über mehr als ein Dutzend Tote waren nach seinen Angaben nicht korrekt. Ein Arzt vor Ort hatte die Zahl der getöteten Personen auf 21 beziffert. Fünf der Toten seien vietnamesische Arbeiter, die anderen 16 seien vermutlich Chinesen.

Flucht der Chinesen

Medienberichten zufolge verliessen Hunderte von Chinesen fluchtartig Vietnam. Ein Sprecher der kambodschanischen Polizei sagte, mehr als 600 Chinesen hätten bei Bavet die Grenze überquert.

Auf dem Flughafen von Ho-Chi-Minh-Stadt drängten sich zahlreiche Chinesen, die einen der ersten Flüge nach China, Malaysia, Kambodscha, Taiwan oder Singapur erwischen wollten.

Karte
Legende: In der Provinz Ha Tinh wurde ein Stahlwerk gestürmt. In der Provinz Binh Duong über 100 Fabriken beschädigt. SRF

Firmen geplündert

Die Vietnamesen protestieren gegen Chinas neuen Vorstoss in umstrittenen Gebieten des Südchinesischen Meers. China hatte Anfang Mai eine Ölplattform vor den Paracel-Inseln vor der zentralvietnamesischen Küste errichtet, die auch von Vietnam beansprucht werden.

Aus Protest dagegen hatten am Mittwoch Tausende Vietnamesen ausländische Firmen gestürmt. In Industriezonen im Süden Vietnams habe die Menge Zugangstore niedergerissen, Fensterscheiben eingeworfen und Gebäude in Brand gesetzt, teilten die Behörden mit.

Firmen berichteten von Plünderungen. Der Zorn der Demonstranten in den Provinzen Binh Duong und Dong Nai richtete sich vor allem gegen taiwanische Firmen, die sie in chinesischem Besitz wähnten.

Neben dem aktuellen Seilziehen um Territorien zwischen China und Vietnam besteht aber auch noch ein langfristiger Konflikt. Dieser ist über 2000 Jahre alt. Vietnamesen beklagen sich noch heute über die schlimme Okkupation durch die Chinesen vor über 1000 Jahren. «Dieses Gefühl ist noch bis auf den heutigen Tag lebendig», sagt Peter Achten. Er ist Journalist und lebt in Peking.

Tausend Jahre alter Hass

Dieser grundlegende Hass der Vietnamesen gegen die Chinesen kombiniert mit den territorialen Querelen wird so immer weiter getragen. «Erstaunlich ist, dass die Vietnamesen normalerweise Demonstrationen und Proteste sehr streng kontrollieren», sagt Achten. Doch jetzt seien diese Proteste auch im Sinne der vietnamesischen Regierung. Sie würde die Proteste nicht aktiv unterstützen, aber wohl auch nichts dagegen unternehmen.

Und der Journalist in Peking ergänzt: «In den Medien und den sozialen Netzwerken wird Öl ins Feuer gegossen, übrigens auch von der Seite Chinas».

Doch auch wenn die Marine beider Länder im Meer vor Ort sind und mit Wasserwerfern aufeinander losgehen, wird es wohl kaum zu einer Eskalation führen. Beiden Ländern sei die Sicherheit wichtig, und die wäre bei einer Eskalation nicht mehr gewährleistet.

In weiteren Schritten müssten China und Vietnam nun verhandeln. China will dabei von Land zu Land verhandeln, wie es das Land bereits in den letzten 30 Jahren in verschiedenen Konflikten gemacht hat.

4 Kommentare

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  • Kommentar von B. Kerzenmacher, Frauenfeld
    Die Anrainerstaaten, beginnend mit Vietnam über Thailand, Malaysia, Indonesien und einschliesslich den Philippinen, hätten die letzten 10 Jahren in mindestens 50 neue Kriegsschiffe investieren müssen. Haben sie allerdings nicht getan und werden daher nun ihrer Ölquellen beraubt. Sehr bitter wird es für Vietnam und Malaysia ausfallen, da deren Wachstum zum Stillstand kommen wird.
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    1. Antwort von Juha Stump, Zürich
      Sie haben zwar Recht, aber ich zweifle daran, dass die von Ihnen genannten Länder das Geld für so viele Kriegsschiffe gehabt hätten. Was viele Politologen schon vor Jahren vorausgesagt haben, scheint auch im Fernen Osten einzutreffen: Die Chinesen werden genauso wie die Russen in Europa zur Führungsnation Nr. 1 aufsteigen, auch militärische und wirtschaftliche Gegenmassnahmen werden nicht viel nützen. Der "Höhepunkt" kommt noch: Vietnam und die USA werden wohl bald enge Verbündete.
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    2. Antwort von E. Waeden, Kt. Zürich
      @J. Stump: Nicht die Russen sind es! China & Amerika streben die Weltherrschaft an. Dafür war Obama in asiatischen Ländern wie Vietnam, Südkorea usw. erst kürzlich auf Werbetour. Russland ist für die Chinesen lediglich ein Spielball, genauso wie es die EU für Amerika ist. Bedauerlich, können & wollen Sie in Ihrer Russland-Phobie das einfach nicht einsehen.
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    3. Antwort von Juha Stump, Zürich
      @E. Waeden: Sie verwechseln etwas. Was Sie als Russland-Phobie bezeichnen, ist die blosse Feststellung der Tatsache, dass Russland in der Tat eine Weltmacht ist und das auch nach dem Zerfall der UdSSR immer war. Klartext: Ich mag die Russen, aber nicht die russische Grossmachtpolitik. Wer glaubt, diese bestehe nicht mehr, sollte bald aufwachen. In einem Punkt gebe ich Ihnen Recht: Russland strebt nicht nach der Weltherrschaft, dagegen China und die USA, genauer die US-Multis.
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