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International Vom Bootsflüchtling zum ausgebeuteten Arbeiter

Viele der Afrikaner, die mit einer gefährlichen Reise über das Mittelmeer ihr Leben riskieren, landen in Italien. Früher oder später auf einem Feld als Hilfsarbeiter. Sie arbeiten da unter sklavenartigen Zuständen, ohne Rechte und Versicherungen.

Zwei afrikanische Immigranten lesen auf einer Plantage Orangen auf.
Legende: Harte Arbeit, wenig Lohn: afrikanische Immigranten in Italien. Keystone

Fast 30 Prozent aller Landarbeiter in Süditalien sind schwarz angestellt. Sie kommen aus Rumänien, Ex-Jugoslawien oder eben aus Afrika – viele von ihnen sind in Lampedusa gelandet. Wie der 30-jährige Joschua aus Ghana: «In Afrika gibt es keine Arbeit. Also entschied ich mich zur Flucht über Libyen und Lampedusa.» Italien gelte in Ghana als Eintrittspforte nach Europa. «Die Kontrollen sind hier weniger streng als in Spanien, dafür ist die Überfahrt lebensgefährlich», so der junge Afrikaner.

Seit zwei Jahren lebt Joschua in Italien. Die Sprache hat er kaum erlernt. Wann auch? Er führt das Leben eines Gehetzten. «Es ist nicht so, dass es immer Arbeit für mich gibt. Um welche zu finden, muss ich den Ernten immer nachreisen.»

Im Frühling gehe er in die Nähe Roms. Da seien die Artischocken dran. Dann gehe er in die Südtoskana, da seien die Erdbeeren reif. Im Sommer Auberginen und Zucchini in Kampanien, im Herbst die Trauben in der Südtoskana. Im November die Oliven in Apulien, im Dezember die Orangen und Mandarinen in Kalabrien. «Ich bin immer unterwegs.»

Wenn Joschua Arbeit findet, verdient er ungefähr 25 Euro pro Tag. Das muss reichen für sein karges Leben in baufälligen Hütten, und um noch ein bisschen nach Hause zu schicken. Und: «Von meinem Lohn muss ich noch fünf Euro an meinen Vorarbeiter abliefern», sagt Joschua. Vorarbeiter ist die Umschreibung für Mafioso. Meist sind diese Auspresser Landsleute, die ihrerseits dem örtlichen italienischen Mafiaboss einen Anteil abliefern müssen.

Keine Rechte und Versicherungen

Die schwarzarbeitenden Landarbeiter haben keine Rechte, sind nicht versichert und werden ausgebeutet. Die Situation ist nicht nur in Italien so dramatisch, ähnlich sieht es in Spanien und Griechenland aus. Viele Gemüse- und Früchteproduzenten klagen: «Wenn ich einen besseren Preis für die Orangen erhielte, dann ginge es vielleicht ohne Schwarzarbeit. Aber so: Unmöglich. Ich kann keine 50 Euro zahlen. So viel würde mich ein korrekt angestellter Landarbeiter am Tag kosten», sagt eine Orangenproduzentin aus Kalabrien.

Selbst linke Kenner der Materie geben zu, dass viele Bauern gar nicht anders können, als ihre Erntehelfer auszubeuten. Denn die Abnehmer von Gemüse und Früchten zahlen den Produzenten Mini-Preise. In den Geschäften Nordeuropas ist davon nicht viel zu spüren. Da steigen die Preise tendenziell – nicht aber die Löhne der Landarbeiter.

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14 Kommentare

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  • Kommentar von Rainer Fauser, Augsburg
    Das Angebot befriedigt die Nachfrage,auch beim Lohndumping,kein Wunder die hiesige Asylindustrie lockt Armut an u. produziert in der Folge billige Arbeitskräfte.Seit 60 Jahren wurden 1000Mia CHF in die Entwicklungshilfe gesteckt,mit der Folge,dass sich der Anteil Afrikas am Welthandel halbierte.Beides, Asyl u. Ewh. sind falsche Anreize,ohne eigene Anstrengung eben kein Wohlstand,sondern Elend,Abhängigkeit(auch von eigenen Diktatoren)u. Flucht in weiteres Elend. ->Grenzen zu u. Eigeninitiative!
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    1. Antwort von Franz NANNI, Nelspruit SA
      Gut, echt gut!
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    2. Antwort von Beppie Hermann, Bern
      Andere Perspektive uva:Die EU setzt arme,hochverschuldete Entwicklungsländer unter Druck,einem FHA zuzustimmen."Dank" hoher Kreditvergaben sagte man einem Übergangsabkommen zu mit dem Ergebnis,dass eine grosse Misswirtschaft entstand.Hoher (Billig)importanteil,wenig Export,Ruin vieler afr.Bauern,die nicht mithalten können.Nach wie vor korrupte Regierungen,die Riesenländereien an ausländ.Investoren v.a.aus dem Westen+China verscherbeln,so einh.Bauern enteignen,ihnen die Lebensgrundlage entziehen.
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  • Kommentar von Armin Hug, Kreuzlingen
    Nicht nur in Italien werden diese illegalen Immigranten ausgebeutet. Es liegt doch auf der Hand, dass die Attraktivität für diese Wirtschaftsflüchtlinge gesenkt werden muss und anstelle über europäische Verteilquoten, Jagd auf Schlepper zu diskutieren, müssten Arbeitgeber von illegal anwesenden drakonisch gestraft werden. Doch hier zeigt sich die unheilige Allianz zw. Links und Rechts: die Linken wollen diesen "armen" Menschen die Arbeit zugestehen und die Rechten die Arbeitgeber stützen.
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    1. Antwort von Ernst Jacob, Moeriken
      @Armin Hug; Sie sprechen von linker und rechter unheiliger Allianz, ich spreche von christlicher Ignoranz, sobald irgendwo ruchbar wird, 'man' wolle einige Immigranten 'zuteilen', gehen alle auf die Barrikaden, auch die, die am Sonntag morgen 'Luja' singen und für Gerechtigkeit beten. Die Ausreden sind auch immer die Gleichen, die Kinder, die Sittlichkeit, die Sicherheit, am Liebsten wäre es Allen doch, es gäbe gar keine, die kämen. Und wenn sie kommen, dann dürfen sie, aber keinesfalls zu uns..
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  • Kommentar von G. Keller, Bacong
    Ja, wer sagte, dass sie zu diesen Bedingungen ausreisen müssen? Ja, wer würde jemand zu einem guten Lohn anstellen der das Leben lang nicht die Energie aufbrachte sich zu bilden? Wo auch immer die Leute herkommen es gibt dort auch welche die einen anderen Weg eingeschlagen haben, es schafften sich zu bilden und somit auch in den für uns armen Ländern erfolgreich zu sein. Würde in den Europäischen Ländern keine Unterstütz fliesen, dann würden auch von dort Flüchtlinge in andere Länder reisen.
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    1. Antwort von Fadri Pitsch, 8004 Zürich
      @o.keller Bacong? meinen sie Balkon? Max Frisch Satz dass es sich nicht um Gastarbeiter handle sondern um MENSCHEN sollte wieder einmal zitiert werden.Ihre Ahnungslosigkeit wie es in diesen Länder aussieht,wird aus Ihrem primitiven Artikel klar. Primitiv heisst im Duden :Einfach. Sie beleidigen ganz viele Menschen so. Ein Vorschlag wie es besser werden könnte fehlt.Feste drauf hauen hat niemanden bis heute geholfen.
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    2. Antwort von A.Käser, Zürich
      @F.Pitsch/Warum erwähnen Sie bei Ihren Argumenten nie das"exzessive"Bevölkerungs-Wachstum dieser Länder?Diverseste Länder und ganze Kontinente(China 1Kind Familie)haben inzwischen gemerkt,dass ein zu starkes Bevölkerungswachstum in zu kurzer Zeit Armut fördert.War auch in Europa so.Damals war"Kinderreichtum"noch eher ein unabwendbarer Schicksalsschlag.Das dürfte vorbei sein.Wo bloss entstehen die"Auswüchse"dieser tolerierten"Menschenverachtung"?Etwa bei einer allgemeinen Verantwortungslosigkeit?
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    3. Antwort von Beppie Hermann, Bern
      Kinderkriegen darf nicht länger als Privatsache per se angesehen werden.In Ländern mit Altersvorsorge sollte ab 2.Kind die Kinderzulage gestrichen,in Armutsländern ohne Vorsorge, eine Monatsaltersrente direkt in die Hand der Frau garantiert werden.An Frauen,die sich an 2-Kindfamilie hielten.Dies bedingte umfängliche Aufklärung+Begleitung v.Mann+Frau, Finanzierung der Pillen+Kondome,Schuldenerlass,vorläufig nur einseitiges FHA+Rückgabe der Ländereien+Küstengebiete an enteignete Einheimische.
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