Energiewende in Indien Vom Sorgenkind zum Hoffnungsträger

  • Laut einer neuen Studie könnte Indien bis ins Jahr 2050 vollständig auf Kohleenergie verzichten.
  • Das könnte ein Zeichen für den Fortbestand des Pariser Klimaabkommens setzen.
  • Indien gehört zu den Ländern mit dem weltweit grössten Ausstoss an Treibhausgasen.

In Sachen Klimapolitik galt Indien lange als Sorgenkind: Das Land bremste bei UNO-Klimaverträgen, die Luftverschmutzung in der Hauptstadt Delhi erreicht regelmässig Rekordwerte, wichtigste Energiequelle ist noch immer die emissionsreiche Kohle

Ein neuer Bericht macht jetzt aber Hoffnung: Erneuerbaren Energien sind in Indien inzwischen derart auf dem Vormarsch, dass das Land ab dem Jahr 2050 vollständig auf Kohlekraft verzichten könnte. Das wäre viel schneller, als dies Experten bis jetzt für möglich gehalten hätten.

Eine Einschätzung von Wissenschaftsredaktor Thomas Häusler.

Der indische Premierminister Narendra Modi spricht am Pariser Klimagipfel.

Bildlegende: Versprach erneuerbare Energie und fördert sie tatsächlich: der indische Premierminister Narendra Modi. Reuters

Wieso ist es wichtig, dass Indien auf Kohleenergie verzichten will?

Die indische Wirtschaft wächst. Das bedeutet, dass der Energieverbrauch des Landes zunimmt. Lange haben Experten befürchtet, dass Indien einen ähnlichen Weg einschlägt, wie ihn China zeitweise beschritten hat: stetig wachsender Energieverbrauch, der mit dreckigen Stromquellen gedeckt wird.

In den letzten Jahren hat China aber Fortschritte in Richtung Klimaschutz gemacht, und jetzt scheint auch Indien diese Entwicklung zu übernehmen – was schon alleine wegen der schieren Grösse Indiens grosse Auswirkungen haben wird.

Wichtig ist zudem die Signalwirkung, die von Indien ausgeht: US-Präsident Donald Trump überlegt, ob sein Land aus dem Pariser Klimaabkommen aussteigen soll. Wenn Indien jetzt in saubere Energie investiert, setzt das ein Zeichen dafür, dass das Abkommen trotzdem fortbestehen kann.

Lange galt Indien als Sorgenkind der Klimapolitik. Was hat sich geändert?

Seit Narendra Modi Indiens Premierminister ist, investiert das Land deutlich mehr in erneuerbare Energien. Zudem profitiert Indien vom technologischen Fortschritt: In den letzten Jahren ist saubere Energie weltweit deutlich günstiger geworden.

Ein Mann montiert ein Solarpanel auf ein Dach

Bildlegende: Erneuerbare Energie auf dem Vormarsch: Indien könnte ab 2050 alle Kohlekraftwerke abstellen. Keystone

Was kann man nun erwarten?

Der neue Bericht ist eine seriöse Prognose – aber halt nur eine Prognose. Ob Indien weiterhin in saubere Energie investieren wird, ist auch eine politische Frage, und hängt vor allem von der Finanzierung ab. Im Moment bestehen aber Chancen, dass das Land seinen Kohleverbrauch tatsächlich stark einschränken wird und bis 2050 ganz darauf verzichten kann.

Indischer Bericht

Verfasst hat den Bericht das Energy and Resources Institute aus Neu Delhi im Auftrag der indischen Regierung. Neben dem vollständigen Ausstieg ab 2050 stellt er auch einen möglichen Baustopp für neue Kohlekraftwerke ab 2026 in Aussicht.