Vom Strickpulli in den Anzug – die Grünen Deutschlands feiern

Quasi handstreichartig waren vor 30 Jahren 27 Abgeordnete der Grünen in den Bundestag eingezogen. Ihre Botschaft: Umweltschutz, Anti-Atom und Weltfrieden. Aus der damaligen Protestbewegung in Latzhosen und Turnschuhen ist eine Regierungspartei geworden.

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Von der Chaostruppe zur etablierten Partei

2:25 min, aus Tagesschau am Mittag vom 13.3.2013

Der 6. März 1983 gilt als Wendepunkt der deutschen Politik. Die Grünen erreichten  bei der Bundestagswahl 5,6 Prozent der Stimmen und zogen daraufhin in den Bundestag ein.

Die 27 Parlamentarier, in Strickpullis, Latzhosen und Bärten, waren damals ein Fremdkörper im Bonner Bundestag. Nur eine weibliche Abgeordnete erschien mit Anzug und Krawatte. Nicht nur die Kleiderordnung wurde ignoriert, auch der politische Stil war anders als bei den etablierten Parteien. 

Die Fraktionssitzungen fanden teils öffentlich und mitunter auch mal auf der grünen Wiese statt. Im Fokus der Jungpolitiker die Themen Umweltschutz und Weltfrieden, gepaart mit dem Drang nach öffentlicher Wahrnehmung. «Wenn Sie mich 1983, als wir in Bonn anfingen, gefragt hätten, ob wir regieren können, hätte ich gesagt: Sie haben einen Knall», sagt Marieluise Beck, die einzige Abgeordnete, die von der ersten Stunde an dabei war, in einem Interview.

Von der Protest- zur Regierungspartei

Erst 1991 beschloss ein Parteitag in Neumünster begleitet von Tumulten, Trillerpfeifen und Tränen schlankere Parteigremien und weniger Fundamentalopposition.

1998 dann der erste richtige Triumph – die Grünen stellen zusammen mit der SPD die Bundesregierung. Aus der anfänglichen Protestbewegung ist eine ernsthafte politische Partei geworden.

Heute liegen die Grünen bei komfortablen 15 Prozent. Mit Winfried Kretschmann in Baden-Württemberg stellt die Partei erstmals auch einen Ministerpräsidenten. Doch damit nicht genug: Die Rebellen von einst wollen an die Macht  – ihr Ziel die Bundestagswahl im Herbst 2013.