Von der Vorzeigedemokratie ins Bürgerkriegschaos

Fast 20 Jahre lang, noch bis 2012, galt Mali als ein Musterbeispiel für Demokratie auf dem afrikanischen Kontinent: Die Malier bestimmten ihre Regierungen in demokratischen Wahlen, die Machtwechsel verliefen friedlich. Vor allem der Norden aber war auch immer wieder Schauplatz blutiger Gefechte.

Karte von Mali mit den Rebellengebieten und den drei umkämpften Städten Diabaly, Gao und Kona.

Bildlegende: Die Rebellen beherrschen schon jetzt mehr als die Hälfte des Landes. Hervorgehoben sind die derzeit umkämpften Städte. SRF

Trotz der politisch einigermassen stabilen Verhältnisse: Vor allem im Norden Malis, wo traditionell viele Tuareg leben, gärt es seit langem. Wiederholt hatten sich die zwischen 300'000 und 400'000 Tuareg in der Vergangenheit gegen die Zentralregierung aufgelehnt und einen eigenen Staat verlangt. Die Sicherheitslage verschärfte sich mit dem Ende des Bürgerkrieges in Libyen 2011.

Kämpfer der Ansar Dine in Timbuktu im August 2012

Bildlegende: Auf diesem Bild vom August 2012 sind Kämpfer der Ansar Dine in Timbuktu zu sehen. Keystone

Der frühere libysche Machthaber Muammar al-Gaddafi hatte zuvor zahlreiche Tuareg für seine Streitkräfte rekrutiert. Nach Gaddafis Sturz kehrten viele zurück und schlossen sich den Aufständischen im Norden an.

Kurzes Bündnis

Nach einem Militärputsch gegen Präsident Amadou Toumani Touré am 22. März 2012 eroberte die Tuareg-Bewegung MNLA gemeinsam mit mehreren Islamistengruppen den Norden Malis.

Im April riefen sie dort die unabhängige Islamische Republik Azawad aus. In Timbuktu, wo Moscheen, Mausoleen und Friedhöfe zum Weltkulturerbe gehören, liessen die Islamisten mehrere historische Heiligtümer zerstören.

Tuareg und Islamistengruppen zerstritten

Nach ihrem Sieg überwarfen sich Tuareg mit den Islamistengruppen. Es gab blutige Gefechte. Die Regierung Malis hofft daher auf eine Einigung mit einem Teil der Rebellen und verhandelte mit den Tuareg und der Islamistengruppe Ansar Dine – bisher erfolglos – über eine politische Lösung. Am 11. Dezember zwang das Militär Regierungschef Cheick Modibo Diarra zum Rücktritt. Interimspräsident Dioncounda Traoré bestimmte Django Sissoko zum neuen Ministerpräsidenten.
 
Westlichen Geheimdiensten zufolge haben die Islamisten jetzt 6000 Kämpfer in Nordmali, darunter Tausende Dschihadisten aus Ägypten, dem Sudan und anderen Staaten. Dazu kämen bis zu 15'000 Bewaffnete ohne Ausbildung in Timbuktu und Gao.

Hunderttausende fliehen

Seit der Machtübernahme der Extremisten im Norden flohen Hunderttausende aus dem Gebiet und leben als Binnenvertriebene oder als Flüchtlinge in Nachbarstaaten wie Mauretanien, Niger und Burkina Faso. Dem UNO-Büro für Nothilfekoordinierung (Ocha) sind inzwischen 4,6 Millionen Menschen von Hunger und Mangelernährung bedroht.

Köpfe und Gruppen

Köpfe und Gruppen

Seit dem Militärputsch im vergangenen März rutscht Mali zunehmend ins Chaos. Ein Überblick über die wichtigsten Köpfe und Gruppen. Mehr.

Zahlen und Fakten

Die meisten Menschen in Mali sind bitterarm. Die Lebenserwartung der 16 Millionen Einwohner liegt bei rund 53 Jahren. Mehr als die Hälfte der Erwachsenen kann nicht lesen und schreiben. Mali ist etwa 30mal so gross wie die Schweiz, fast zwei Drittel davon sind Wüste.