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International Von Weh und Wundern im Erdbebengebiet

Vom Beben gebeutelt, muss Nepal erneut gegen die Natur ankämpfen. Regenfälle erschweren die Hilfe, Erdrutsche verunmöglichen die Landung von Helikoptern. Und weil das saubere Wasser fehlt, könnten sich bald auch Epidemien breit machen. Doch es gibt auch Gutes zu berichten.

Legende: Video Freud und Leid nach dem Beben abspielen. Laufzeit 1:30 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 30.04.2015.

Fünf Tage nach dem schweren Erdbeben in Nepal ist die Zahl der Toten auf über 5500 gestiegen. Die Behörden in Nepal registrieren aktuell 5489 Verstorbene. In den Nachbarländern Indien und China sollen mindestens 100 Menschen ihr Leben gelassen haben. Fast 11'000 Menschen sollen im Zuge des Bebens verletzt worden sein.

Inmitten des Leids auch Momente des Glücks

Doch inmitten des Leids sind auch Momente des Glücks zu verzeichnen. So ist in der Hauptstadt Kathmandu aus den Überresten eines Hauses ein 18-Jähriger mit Namen Pemba Tamang lebend gerettet worden. Und nicht lange zuvor war bereits die Bergung eines elfjährigen Mädchens gelungen.

Überleben unter Trümmern

Laut Tankred Stöbe, Präsident der NGO «Ärzte ohne Grenzen», gibt es «keine
starre Regel», wie lange ein Mensch unter Trümmern überleben kann. Nimmt er
aber «drei Tage lang kein Wasser zu sich», dann «sinken die
Überlebenschancen rapide». Insofern können die Regengüsse, welche den
Rettern die Arbeit erschweren, für die Verschütteten ein Segen sein.
Denn dringt Wasser in die zerstörten Häuser ein, können es die unter
Gestein und Geröll begrabenen Menschen im Idealfall trinken und derart
wertvolle Zeit gewinnen.

90 Prozent aller Soldaten, 33'000 Polizisten und tausende Helfer aus dem In- und Ausland bemühen sich aktuell, weitere Überlebende zu bergen und den Verletzten und Kranken beizustehen. Doch das Engagement wird – vornehmlich durch infrastrukturelle Probleme – immer wieder behindert. Und was die Hilfe in den bergigen Krisenregionen betrifft, kommen zu den bisherigen Schwierigkeiten nun auch noch Witterungsprobleme hinzu:

Hilfsorganisationen warnen vor Seuchen

Schwere Regenfälle erschweren die Arbeit der Rettungskräfte. Und weil die Helfer gar Erdrutsche befürchten, haben sie in den besonders schwer betroffenen Gebieten begonnen, Hilfsgüter aus der Luft abzuwerfen.

In den Zentren der Obdachlosen warnen die Hilfsorganisationen indessen vor dem Ausbruch von Seuchen. In einigen Lagern nähmen Durchfallerkrankungen zu. Es fehlten Toiletten und sauberes Trinkwasser.

Menschen mit Schutzsmaske unter Schirm.
Legende: Der Regen löst Erdrutsche aus und macht die provisorischen Unterkünfte unhygienisch. Keystone

USA haben Beistand versprochen

Angesichts der misslichen Lage wird Nepal und den anderen betroffenen Ländern breite Unterstützung zuteil. Sie ist schon angelaufen oder wird, verstärkt, auch in Aussicht gestellt.

So hat laut Angaben des Weissen Hauses Präsident Barack Obama mit Nepals Ministerpräsident Sushil Koirala telefoniert – und bei dieser Gelegenheit versprochen, «alles in der Macht stehende» zu tun, um den Betroffenen des Bebens beizustehen.

Schweiz stockt Hilfsteam auf

Auch die Schweiz reicht Hand – und dies in praktischer und finanzieller Hinsicht. Sie stockt ihr Hilfsteam auf insgesamt 30 Einsatzkräfte auf. Wie Manuel Bessler, Chef des Korps für Humanitäre Hilfe (SKH) auf Anfrage erklärte, sollen heute Donnerstag acht weitere Spezialisten aus der Schweiz eintreffen, darunter zwei Mediziner.

Und für Freitag ist der Abflug einer Schweizer Maschine mit 40 Tonnen Hilfsgütern geplant, die vor allem Schutzplachen, 30 grossen Zelte, Generatoren zur Stromerzeugung und Kanister zum Wassertransport in diverse Krisengebiete transportiert.

Indessen hat der Kanton Bern und die Stadt Bern Spenden für Nothilfe in Nepal in der Höhe von 100'000 respektive 50'000 Franken in Aussicht gestellt.

Regierung in der Kritik

Während die Hilfe aus dem Ausland erste Früchte trägt, steht die nepalesische Regierung immer stärker in der Kritik. Das bitterarme Land Nepal hat nun das Ausland gebeten, mit Hubschraubern auszuhelfen.

Tastsächlich sind im Land derzeit nur rund 20 Helikopter für die Rettungsflüge verfügbar. Hubschrauber aus China sollen demnächst etwas Entlastung bringen.

Mount Everest bleibt offen

Doch die Regierung steht nicht nur wegen angeblicher Versäumnisse in der Katastrophenhilfe im Fokus, sondern auch im Hinblick auf den Bergsteigtourismus am Himalaya. Trotz des schlimmen Erdbebens und der Lawinen, die das Beben ausgelöst hat, will sie den Mount Everest für Berggänger nicht schliessen.

«So ist das Abenteuer», sagte Gyanendra Shrestha vom Tourismusministerium, «es ist voller Unwägbarkeiten.» Jeder sei selbst für seine Sicherheit zuständig, führte sie aus, die Regierung könne Katastrophen nicht verhindern.

Spendenaufruf

Logo und Schriftzug der Glückskette

Die Glückskette ruft zu Spenden für die Erdbebenopfer in Nepal auf: Postkonto 10-15000-6 oder auf www.glueckskette.ch mit dem Vermerk «Nepal» oder mittels der Swiss-Solidarity-App.

6 Kommentare

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  • Kommentar von Christa Wüstner, Reinach
    Der Mount Everest bleibt offen. Unverständlich. Und absolut kein Verständis, wer jetzt als Bergsteiger in dieses Land geht. Es ist natürlich finanziell eine grosse Einnahmequelle für Nepal..aber jetzt keine Entschuldigung. Und die Antwort, jeder Bersteiger ist ja selbst verantwortlich. Ja wie denn, wenn etwas passiert, ist er auf dieHilfe der anderen angewiesen. Und ausserdem gibt es noch Warnungen für weitere Erdbeben.
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    1. Antwort von Hans Glauser, Herlisberg
      Was ist daran so Schlimm? Die Bergsteiger zahlen grosse Summen, die letztendlich wieder der Bevölkerung zugute kommt.
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    2. Antwort von Christa Wüstnet, Reinach
      Schlimm daran finde ich vieles. Aber nur ein Beispiel: es landen Flugzeuge mit Touristen , und der Flugplatz ist völlig überlastet mit Maschinen für Hilfsgüter. Die Bergsteiger sollten für eine gewisse Zeit das Flugfeld freihalten. Auch aus Anstand den vielen Opfern gegenüber.
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    3. Antwort von David Gfeller, Dürrenroth
      Ich verstehe ihren Unmut. Aber setzen sie sich mal in die Lage der Einheimischen. Die haben gar nichts mehr. Was macht man dann? Man öffnet die einzige Geldquelle die man hat. Beim Tsunami war das gleiche Bild. Badende Urlauber neben, Trümmer und Chaos. Irgendwie makaber. Aber es half einigen Familien zum Überleben. Der Umgang mit den Tod in Nepal ist sowieso anders als bei uns. Man müsste die Nepali fragen, ob sie das in Ordnung finden.
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    4. Antwort von Christa Wüstner, Reinach
      Natürlich brauchen sie die Geldmittel, aber sollte nicht erst einmal kurze Zeit gewartet werden, bis der kleine Flughafen die ganzen Maschinen mit Hilfsgütern bewältigen kann. Wenn zusätzlich noch Touristenmaschinen landen wollen. Ich war selbst in Kathmandu und kenne den Flughafen. Deshalb stelle ich mir das sehr, sehr schwierig vor.
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    5. Antwort von Christa Wüstner, Reinach
      Und wenn sie schon in ihren Ländern in den Startlöchern gestanden haben, können sie auch mit einem Trecking von Delhi aus nach Kathmandu. Dauert eben ein paar Tage länger und ist etwas unbequem...Aber die Ärzte ohne Grenzen haben ihren Einsatz auch von Delhi aus gestartet.
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