Vor 70 Jahren: das misslungene Hitler-Attentat

Am 20.Juli jährt sich die Operation Walküre zum siebzigsten Mal. Das von Claus Schenk Graf von Stauffenberg ausgeführte Attentat gilt als Innbegriff des deutschen Widerstands gegen das NS-Regime. Ein Rückblick zeigt die wichtigsten Ereignisse des folgenschweren Tages.

Die Gruppe um Claus Schenk Graf von Stauffenberg plante einen militärischen Umsturz mit dem Ziel, Hitler auszuschalten und die nationalsozialistische Herrschaft sowie den Krieg zu beenden. Im Gegenzug wollten die Verschwörer die militärische Befehlsgewalt und die Regierungsverantwortung übernehmen.

Dazu hatten sie sich eine Operation nach dem «Walküre»-Plan ausgedacht. Dieser war ursprünglich zur Unterdrückung eines möglichen Aufstandes gegen das NS-Regime geplant. Den Plan ausführen sollte das Ersatzheer – in Deutschland stationierte Wachtruppen sowie Kommando- und Verwaltungsbehörden. Mit seiner Hilfe wollte die Stauffenberg-Gruppe die Gewalt über verschiedene Behörden erlangen.

Chronologie des 20. Juli 1944

7.00
Uhr


Oberst
Graf von Stauffenberg fliegt mit seinem Adjutanten, Oberleutnant
Werner von Haeften, von Berlin ins Führerhauptquartier «Wolfschanze» bei
Rastenburg in Ostpreußen.

bis
12.00 Uhr


Dort angekommen, melden sich die beiden für die Lagebesprechung mit Adolf Hitler an.

bis 12.30 Uhr

Im
sogenannten Bendlerblock, dem Sitz des Oberkommandos des Heeres in Berlin, trifft sich
die Widerstandsgruppe. Sie besteht aus ranghohen Militärs. Unter anderem aus
Oberst Albrecht Ritter Mertz von Quirnheim und General der Infanterie
Friedrich Olbricht.

12.30
Uhr


Vor der
Lagebesprechung in der «Wolfschanze» ziehen sich Stauffenberg und von Haeften in ein Zimmer zurück. Dort präpariert
Stauffenberg seine ein Kilogramm schwere Bombe und verstaut sie in seiner
Aktentasche. Beim Scharfmachen vom zweiten Sprengsatz werden die beiden gestört. Stauffenberg begibt sich alleine und nur mit einer Bombe zur
Baracke, in der die Besprechung stattfindet. Er stellt seine Aktentasche in
der Nähe Hitlers am rechten Tischsockel ab. Unter dem Vorwand, telefonieren zu
müssen, verlässt er danach den Raum.

12.42
Uhr


Die Bombe explodiert. Vier der 24 Personen in der Lagebaracke
werden getötet, die übrigen verletzt. Hitler kommt mit leichteren Verletzungen
am Bein davon. Stauffenberg beobachtet die Explosion aus der
Entfernung und glaubt Hitler sei tot. Zusammen mit von Haeften fliegt er zurück nach Berlin.

bis
16.00 Uhr


Nach der Landung unterrichten sie ihre Mitstreiter im Bendlerblock telefonisch vom vermuteten Tod Hitlers. Olbricht und Mertz von Quirnheim werden aktiv und leiten die Alarmmassnahmen nach dem «Walküre»-Plan ein.

17.00
Uhr
Erst jetzt treffen Stauffenberg und von Haeften im Bendlerblock ein. Der ebenfalls
anwesende Chef des Ersatzheeres, General Fromm, weigert sich, die «Walküre»-Befehle
zu unterstützen. Daraufhin nehmen ihn die Verschwörer fest.

Im
Verlauf der kommenden Stunden alarmieren sie verschiedene Truppenteile im
In- und Ausland. Diese erhalten aus der «Wolfsschanze» allerdings auch gegenteilige Befehle
und die Meldung, dass Hitler lebt.

bis
19.00 Uhr


Die Alarmierung von Truppen, die ausserhalb Berlins
stationiert sind, kann erfolgreich durchgeführt werden. Benachrichtigt wird auch
Major Otto Ernst Remer, Kommandant des Wachbatallions «Grossdeutschland».
Dieser meldet sich via Hermann Goebbels bei Hitler und bekommt den Befehl, die
Verschwörung niederzuwerfen.

bis
22.50 Uhr


Eine
Gruppe Offiziere sammelt sich
vor dem Bendlerblock und holt zum «bewaffneten Gegenstoss»
gegen die Verschwörer aus. Dieser gelingt und führt zur Befreiung von
Generaloberst Fromm. Er lässt die Umstürzler verhaften und verkündet ein standgerichtliches Urteil wegen Hoch- und Landesverrats über Stauffenberg, von Haeften, Olbricht und Mertz von Quirnheim.

bis
00.30 Uhr


Die
vierte Kompanie des Wachbataillons «Großdeutschland» besetzt um circa
23.15 Uhr den Bendlerblock. Etwas später werden Oberst Claus Schenk Graf von
Stauffenberg, Oberleutnant Werner von Haeften, sowie ihre beiden Mitstreiter von einem Sonderkommando im Innenhof exekutiert.

Graf von Stauffenberg war die treibende Kraft hinter dem Attentat. Am 1. Juli 1944 stieg er zum Stabschef beim Befehlshaber des Ersatzheeres auf. Damit hatte er die Möglichkeit an Lagebesprechungen bei Hitler teilzunehmen, die vorbereitete Aktion «Walküre» auszulösen und damit das Attentat selbst auszuführen.

Hitler begrüsst zwei Militärangehörige. Einer davon ist Stauffenberg

Bildlegende: Am 15.Juli 1944 treffen Stauffenberg (ganz links) und Hitler bereits in der «Wolfschanze» aufeinander. Deutsches Bundesarchiv

Anfänglich war der Armeeoffizier kein Gegner des Nazi-Regimes. Er bejahte sogar die Grundideen des Nationalsozialismus. Bald jedoch kippte diese Zustimmung. 1941 schloss er sich dem aktiven Widerstand an. Er verurteilte die Massenmorde an Juden, die hohen Verluste der Wehrmacht in Russland und die brutale Behandlung der Zivilbevölkerung in den besetzten Gebieten.

Verfolgung der Verschwörer

Als Folge des Attentats wurde Stauffenbergs Frau festgenommen. Die vier Kinder wurden in einem Kinderheim festgehalten und erhielten den neuen Nachnamen «Meister». Bei Kriegsende fand die Familie wieder zusammen.

Bis zur Kapitulation Deutschlands wurden 200 an der Verschwörung beteiligte Personen hingerichtet. Unter ihnen waren 19 Generäle, 26 Obersten, zwei Botschafter, sieben Diplomaten, ein Minister, drei Staatssekretäre sowie der Chef der Reichskriminalpolizei.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Vor 70 Jahren: Das misslungene Hitler-Attentat

    Aus Tagesschau vom 12.7.2014

    Claus Graf Stauffenberg hat am 20. Juli 1944 als Oberst der Wehrmacht ein Attentat auf Hitler verübt. Der Diktator überlebte, Stauffenberg wurde hingerichtet. Die «Tagesschau» hat seinen jüngsten Sohn, Franz Ludwig Graf Stauffenberg, getroffen und mit ihm über seinen Vater und dessen Mitverschwörer gesprochen.