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Vor umstrittener Abstimmung Die wichtigsten Antworten zur Katalonien-Frage

Was sind die Gründe für das katalanische Streben nach Unabhängigkeit? Warum sträubt sich die spanische Zentralregierung dagegen und wie aussagekräftig wäre eine Abstimmung über die Abspaltung von Spanien überhaupt? Die Antworten auf die wichtigsten Fragen im Überblick.

Demonstranten mit katalonischer Flagge.
Legende: Am 1. Oktober soll über die Unabhängigkeit Kataloniens abgestimmt werden; die Regierung in Madrid will das verhindern. Keystone

Woher rühren die katalanischen Bestrebungen nach Unabhängigkeit? Ursachen kann man schon im 18. Jahrhundert finden. Die «Diada», der «Nationalfeiertag» der Katalanen, erinnert jeweils am 11. September an das Jahr 1714, als die Katalanen im Spanischen Erbfolgekrieg unterlagen und ihre Privilegien verloren. Stärker geworden sind die nationalistischen Ideen im 19. Jahrhundert. Es handelte sich zunächst aber vor allem um einen kulturellen Kampf. Im 20. Jahrhundert reagierten die Katalanen mit ihrem Ruf nach Unabhängigkeit auf die Unterdrückung während der Diktaturen von Primo de Rivera und Franco.

Legende: Video Polizei beschlagnahmt neun Millionen Wahlzettel abspielen. Laufzeit 1:39 Minuten.
Aus Tagesschau vom 20.09.2017.

Seit wann ist die Unabhängigkeit ein derart wichtiger Teil der politischen Agenda Kataloniens wie im Moment? Die heutigen Bemühungen gehen auf den Sommer 2010 zurück. Damals publizierte das spanische Verfassungsgericht sein Urteil zum neuen katalanischen Autonomiestatut, gewissermassen der katalanischen Verfassung. Die Richter verboten den Katalanen, sich eine Nation zu nennen. Das war ein wesentlicher Grund für die Massendemonstration und verschaffte der Unabhängigkeitsbewegung grossen Zulauf.

Will die Bevölkerung die Unabhängigkeit überhaupt? Das kann nur aufgrund von Umfragen beurteilt werden: Danach schwankt die Zustimmung leicht zu einer potenziellen Unabhängigkeit. Gegenwärtig sind das Pro- und das Contra-Lager aber wohl fast gleich gross. Bei Wahlen oder bei der illegalen Abstimmung vor drei Jahren kamen die separatistischen Kräfte nie auf ein Volksmehr. Viel grösser ist der Anteil jener, die auf jeden Fall eine Abstimmung wollen: 70 Prozent. Nicht wenige jener, die für die Unabhängigkeit sind, erklären, wenn Madrid ein akzeptables Angebot mache, würden sie bei Spanien bleiben wollen.

Warum steht die spanische Zentralregierung der katalanischen Unabhängigkeit so ablehnend gegenüber? Regierungschef Mariano Rajoy ist ein eiserner Zentralist. Für ihn gibt es nur eine Nation, Spanien, alles andere akzeptiert er nicht. Bereits 2006, damals noch als Teil der Opposition, hat er die Verfassungsklage gegen das katalanische Autonomiestatut erhoben, nachdem es im Parlament angenommen worden war. Damit verbunden war in Teilen Spaniens eine eigentliche antikatalanische Kampagne. Man könnte sagen, es gibt zwei Arten von Nationalismus, die sich unversöhnlich gegenüber stehen: der zentralistische und der separatistische.

Die katalanischen Separatisten wollen am 1. Oktober über die Unabhängigkeit Kataloniens abstimmen. Wie aussagekräftig wäre eine solche Abstimmung? Sie hätte, wie es heute aussieht, keinen repräsentativen Charakter, weil die Gegner daran kaum teilnehmen, um diesem Prozess keine Legitimität zu verschaffen. Das war schon 2014 so, als die Katalanen erstmals eine solche (nicht bewilligte) Abstimmung durchführten.

Ist Katalonien wirklich der Motor der spanischen Wirtschaft, als den es oft bezeichnet wird? Spanien hat mehrere Wirtschaftsmotoren. Nimmt man die Wirtschaftsleistung pro Kopf als Massstab, sind die Hauptstadt Madrid und die zugehörige Region Nummer 1. Danach folgen das Baskenland, Navarra und auf Platz vier Katalonien. Diese vier liegen aber alle nah beieinander. Interessant ist, dass zwei Regionen dabei sind, die mit Unabhängigkeitsbestrebungen in Verbindung gebracht werden: Das Baskenland und Katalonien. Das hat einen Einfluss auf die nationale Debatte.

Katalonien

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11 Kommentare

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  • Kommentar von Edwin Drack (Ticino)
    Die Ablehnung politischer Lösungen durch Zentralspanien in der letzten Jahren ("Estatut", Steuerkompetenz wie Baskenland und Navarra) hat den Willen zur Unabhängigkeit stetig vergrössert. Wer für föderalistische Lösungen eintrat, verlor Wahlen. Das katalanische Parlament 2015 (53% für Unabhängigkeit/Referendum, 27% für Madrid, 20% Föderalisten/Referendum) beruft sich auf das Völkerrecht zur Selbstbestimmung. Friedlich und klar. Eine politische Lösung - ohne Militärpolizei - ist erforderlich.
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  • Kommentar von Alain Schlatter (Rubicon)
    Lasst sie doch einfach gehen, diese Trotzköpfe! Die sollen aber die Airports, die Spitäler, die Bahnen und Strassen an Madrid und Brüssel zurückzahlen. Und später das Geld nach Brüssel schicken.
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    1. Antwort von Albert Planta (Plal)
      Es könnte die Gefahr bestehen dass ganz Spanien auseinander bricht wie seinerzeit Jugoslawien. Selbstverständlich möchten dann die neuen Staaten unverzüglich in die EU .
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    2. Antwort von Daniele Röthenmund (Daniele Röthenmund)
      Sie wissen genau das das nicht geht Herr Schlatter, dann würde Spanien auseinanderfallen, den diese Ansprüche stellen auch andere.
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  • Kommentar von Stanic Drago (Putinversteher)
    Konflikt kann sehr schnell eskalieren. Genau wie damals in Ex Yugoslawien ist Gewinner diejenige welche provoziert. Rayol kann nichts tun was Gemüter beruhigt. Und jede Geste um erhaltung von Spanien wird wie schlimme Provokation angesehen. Auf andere Seite, jede Schweinerei von Separatisten wird wie Wünsch nach Demokratische Abstimmung gesehen. Es reichen paar Idioten auf beide Seite und es könnte zu blutige Ausseinandersetzungen kommen.
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