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International Vormarsch der Isis noch nicht gestoppt

Die Dschihadisten sind im Irak weiter auf dem Vormarsch. Die sunnitischen Kämpfer nahmen mehrere Ortschaften in der östlichen Provinz Dijala ein. Kurdische Kämpfer haben eine Gegenoffensive angekündigt, auch der Iran will den Vormarsch der Isis nicht hinnehmen.

Legende: Video «Extremisten rücken im Irak weiter vor» abspielen. Laufzeit 2:06 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 13.06.2014.

Im Irak sind radikal-islamische Aufständische weiter auf dem Vormarsch. In der Nacht eroberten sie nach Angaben aus Sicherheitskreisen zwei weitere Ortschaften sowie mehrere Dörfer in der östlichen Provinz Dijala. Die irakischen Sicherheitskräfte seien zuvor aus den Orten Saadija und Dschalula im Nordosten von Bagdad abgezogen.

Erste Opferzahlen

Nach Einschätzungen der UNO sind in den letzten Tagen mehrere hundert Zivilisten im Irak umgekommen. Es gibt Berichte von willkürlichen Hinrichtungen. Die Zahl der verletzten Personen dürfte bei etwa 1000 liegen. Das volle Ausmass der Opfer sei bisher nicht überschaubar.

Als die Aufständischen eintrafen, seien sie lediglich auf kurdische Kämpfer gestossen. Zu Gefechten kam es dabei nicht. Allerdings habe die irakische Armee von einem nahe gelegenen Ort aus das Feuer auf Saadija und Dschalula eröffnet. Dutzende Familien seien daraufhin geflohen. Nach Angaben von Ärzte ohne Grenzen sind inzwischen insgesamt rund eine Million Iraker auf der Flucht vor den Extremisten.

Aufruf zum Widerstand

Kämpfer der Gruppe Islamischer Staat im Irak und Syrien (Isis) hatten Anfang der Woche die nordirakische Millionenmetropole Mossul überrannt. Seitdem rücken die sunnitischen Kämpfer Richtung Bagdad vor, um die von Schiiten geführte Regierung zu stürzen.

Am Freitagsgebet hat Ayatollah Ali al-Sistanis in der schiitischen Hochburg Kerbala zum Widerstand gegen die sunnitische Isis aufgerufen. Das Oberhaupt der irakischen Schiiten will, dass die Bürger zu den Waffen greifen, um «ihr Land, ihr Volk und ihre heiligen Stätten zu verteidigen.»

Kurden planen Gegenoffensive

Kurdische Sicherheitskräfte wollen den Vormarsch der Dschihadisten stoppen. Sie bereiten eine Gegenoffensive in der Region um Dschalula vor. Erste Peschmerga-Soldaten seien bereits im Ostirak angekommen. Nach dem Abzug der irakischen Truppen aus der Stadt wollen die kurdischen Kämpfer das entstandene Machtvakuum füllen.

Legende: Video «Freiwillige melden sich in Kerbala zum Kampf gegen die Isis» abspielen. Laufzeit 0:46 Minuten.
Vom 13.06.2014.

Im Nordirak kontrollieren die Kurden eine eigene autonome Region. Sie haben sich die Situation zunutze gemacht und ihr Territorium ausgedehnt. So kontrollieren sie mittlerweile unter anderem die Ölstadt Kirkuk, die ausserhalb des Gebiets ihrer Enklave liegt.

Iran und China versprechen Hilfe

Mittlerweile haben sich auch andere Staaten in den Konflikt eingeschaltet. Aus Peking heisst es, man biete der irakischen Regierung jede erdenkliche Hilfe an. Auch der Nachbar Iran bezieht Stellung. «Der Iran will, dass der Irak als Ganzes erhalten bleibt – mit dem Schiiten al-Maliki an der Regierung», sagt ARD-Korrespondent Reinhard Baumgarten gegenüber SRF.

Irans Präsident Rohani versprach dem Nachbarland bereits uneingeschränkte Solidarität im Kampf gegen die Isis. Der Iran wolle die diplomatischen Möglichkeiten ausschöpfen und alles Mögliche gegen die Terrorgruppe unternehmen, so Rohani. Meldungen, wonach bereits iranische Truppen im Irak eingetroffen sein sollen, wurden bislang aber nicht bestätigt.

Der Iran sucht Verbündete gegen Isis

Wie die Nachrichtenagentur Fars berichtet, versucht der Iran auch auf internationaler Ebene gegen die Isis vorzugehen. Aussenminister Mohammed Dschawad Sarif habe bereits mit seinen Kollegen aus der Türkei, Katar und den Vereinigen Arabischen Emiraten sowie mit der UNO und der Organisation für Islamische Zusammenarbeit Kontakt aufgenommen. Er fordere gemeinsame Massnahmen gegen die Terroristen.

Laut ARD-Korrespondent Baumgarten ist es sogar denkbar, dass Teheran bereit ist, über die verworrene Lage im Irak mit Washington zu reden. «Es könnte durchaus zu einer Zusammenarbeit kommen, um diese Isis zu stoppen», so der Mann in Teheran.

Rohölmarkt reagiert heftig

Die unkontrollierbare Lage im Irak wirkt sich auch auf den Ölmarkt aus. Die Preise für ein Barrel sind angestiegen. Heute Morgen waren die Preise je nach Sorte um bis zu 50 Cent höher als noch am Donnerstagabend. Das Land zählt neben Saudi-Arabien zu den Staaten mit den grössten Ölvorräten der Welt.

6 Kommentare

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  • Kommentar von Werner Wyssmann, 4552 Derendingen
    Herr Otto Würz hat recht: "Die USA haben keine bedeutsamen Verträge mehr für den Öl-Abbau im Irak". Wie China involviert ist weiss ich nicht. Um Mossul herum hat jedoch die russische Lukoil den Zuschlag für die Schürfrechte erhalten. Die Isis sind nun daran, die Russen hinauszujagen, in wessen Interesse wohl....? - Deshalb wird es auch zu keinem US-Luftschlag gegen die Isis kommen. Möglich kann es auch sein, den Iran in die Aktionen hineinzuziehen.
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  • Kommentar von B. Kerzenmacher, Frauenfeld
    Sollten die Isis-Kämpfer an die Ölquellen gehen, dann haben sie bereits verloren. Die USA kennen kein Pardon, wenn einer an ihre Lebensgrundlage will. Daher kann bereits jetzt davon ausgehen werden, dass Isis bald Geschichte ist und der überlegenen Feuerkraft von oben (Drohnen und Airforce) nichts entgegenzusetzen hat. Und genau das ist der Grund, warum es gut ist, dass die USA weiterhin die Supermacht darstellen und nicht etwa China, Indien oder Russland.
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    1. Antwort von Eddy Dreier, Burgdorf
      Warum soll das gut sein? Russland braucht sich kein Erdöl zu erkämpfen. China hingegen zahlt gute Preise was zu einer Win-Win-Situation führt. Mit Indien kann in dieser Thematik schlecht gerechnet werden. Und nur die USA erzeugt hunderttausende Tote und sie sagen auch noch, das sei gut!? Verstösst sowas eigentlich nicht gegen die Netiquette?
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    2. Antwort von Otto Würz, Winterthur
      @B. Kerzenmacher: Sie sind schlecht informiert. Die USA haben keine bedeutsamen Verträge mehr für den Öl-Abbau im Irak. 2011 deckten sie nur noch rund 2,5 % ihres Ölbedarfs durch irakische Lieferungen. Es sind heute vor allem die Chinesen, die im Irak im Ölgeschäft mitmischen.
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  • Kommentar von Marianne Roe, Gwatt
    Der Westen sollte nun endlich aufhören über unnötige Einmischungen + Menschenrechtsverletzungen zu diskutieren, oder die Legalisierung von Drogen usw. Das sind reine Arbeitsbeschaffungen für westliche Staaten. Jetzt werden sie/wir mit echten Problemen zu kämpfen haben. Wer glaubt er werde sich mit Reden und Diskutieren (wie die Linke das heute macht) aus diesem Schlamassel heraushalten können, der täuscht sich gewaltig. Die Armeegegener sollen an die Front, denen haben wir einiges zu verdanken.
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    1. Antwort von Tom Beutler, Bern
      @Würz; Nun ich glaube sie sind schlecht informiert. Die Chinesen beziehen zwar den Grossteil des Öls; richtig. Aber die Firmen die das Öl fördern und es an die Chinesen weiterverkaufen sind ausschliesslich "Amerikanische Firmen". Die firmeneigenen Seiten dokumentieren das auch... www for the win...
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