Zum Inhalt springen

International Vorwärts in die Vergangenheit – Putin droht mit Atomraketen

Nur wenige Tage nach der Nato-Ankündigung, die Militärpräsenz in Osteuropa auszubauen, reagiert Russlands Präsident Putin. Im Gegenzug will er 40 neue Interkontinental-Atomraketen an der Westgrenze stationieren – für die Nato ungerechtfertigt. Kühlen Kopf behält einzig Bundeskanzlerin Merkel.

Russische Interkontinentalraketen RS-24 Yars/SS-27 an einer Militärparade.
Legende: Putins 40 neue Atomraketen (hier ältere Modelle) sollen die Nato von Osteuropa-Aktionen abhalten. Reuters / Archivbild

Steht uns ein neues Wettrüsten bevor? Nimmt man Wladimir Putins Rede vor Streitkräften im russischen Kubinka ernst, scheint Russlands Präsident dazu soeben den Startschuss abgefeuert zu haben. Noch in diesem Jahr will er sein Atomwaffen-Arsenal um 40 Interkontinental-Raketen aufstocken.

Provoziert die Nato neues Wettrüsten?

Diese neue Generation von Atomraketen könnten auch moderne Flugabwehrsysteme überwinden, sagte Putin an einer Militärmesse in Kubinka. Seine martialischen Töne kommen nicht ganz unerwartet. Am Montag hatte Russland wegen der geplanten Verstärkung der amerikanischen Militärpräsenz in Osteuropa mit erheblichen Konsequenzen gedroht.

Zuvor war bekannt geworden, dass die USA erwägen, schweres Militärgerät in mehrere Länder Osteuropas und des Baltikums zu verlegen. Der stellvertretende russische Verteidigungsminister Anatoli Antonow warf der Nato darum vor, Russland zu einem neuen Wettrüsten zu zwingen. Für die Nato ist dies nicht ersichtlich.

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg kritisierte am Abend vielmehr die Ankündigung Russlands. Die Pläne seien «ungerechtfertigt» und wirkten zudem «destabilisierend und gefährlich», sagte er in Brüssel nach einem Treffen mit EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker.

Polen und Litauen bestätigten derweil ganz offiziell, dass es mit der US-Regierung Gespräche über die Stationierung schwerer Waffen in ihren Ländern gibt. Polens Verteidigungsminister Tomasz Siemoniak erklärte, er erwarte eine US-Entscheidung in den kommenden Wochen.

Merkel pocht auf die Nato-Russland-Grundakte

Die osteuropäischen Staaten fühlen sich angesichts der Ukraine-Krise von Russland bedroht und wünschen sich zur Abschreckung eine wesentlich stärkere Nato-Präsenz. Und dies ist bereits Realität.

In der Tat hat die Nato die Zahl ihrer Manöver in Osteuropa in den vergangenen Monaten stark erhöht. Ausserdem bewegen sich inzwischen ständig westliche Truppen durch die Staaten an der Ostflanke Europas. Eine Entwicklung, die letztlich nicht nur Putin missfällt.

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hat nämlich deutlich gemacht, dass sie eine dauerhafte Stationierung von Nato-Kampftruppen in Osteuropa als Verstoss gegen die Nato-Russland-Grundakte von 1997 ablehnt.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

188 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Felix Buchmann, Bättwil
    "NATO, sprich USA, ist verantwortlich für die Kriegstreiberei und nicht Herr Putin. Das Schweizer Volk distanziert sich in aller Form von dieser Art Berichterstattung!" – Wenn ein Kommentar dieses Inhalts mit 176 "Likes" Beliebtheits-Champion wird, soll das wohl suggerieren, dass "das Schweizervolk" TATSÄCHLICH so denkt :-) Da dies nicht anzunehmen ist, drängt sich die Vermutung auf, dass hier kräftig manipuliert worden ist :-)
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Patrick Scheibli, Shanghai
      Herr Buchmann, nur wenn ein Souveraener Staat wie die Ukraine in die NATO moechte, hat das noch lange nichts mit Kriegstreiberei zu tun! Sagen sie mir den Voelkerrechtlichen Unterschied zwischen dem Einmarch der USA im Irak (2. Golfkrieg) und der Anektion der Krim durch Russland?
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Felix Buchmann, Bättwil
      Herr Scheibli, möglicherweise haben Sie da etwas falsch verstanden :-) Ich habe den Kopf geschüttelt, weil der von mir zitierte Beitrag 176 "Likes" erhalten hat :-)
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    3. Antwort von Werner Christmann, Stein am Rhein
      Nein, Felix Buchmann, es zeigt einzig, dass es noch Bürger gibt, die sich nicht von den westlichen MSM manipulieren lassen.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    4. Antwort von Felix Buchmann, Bättwil
      Aha, W.Christmann, das alte "Lied" von den "manipulierenden westlichen MSM" :-) Wissen Sie, ich kann vergleichen, und man muss schon völlig verblendet sein, um die Manipulation und Verhetzung des russischen Publikums durch die dortigen Staats- und Quasi-Monopolmedien nicht zu erkennen! Umso mehr schätze ich, was uns hier geboten wird. Die Mehrheit der Schweizerinnen und Schweizer ist NICHT verblendet und lässt sich nicht so schnell etwas aufschwatzen....
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Christophe Bühler, 8135 Langnau am Albis
    Hätte DE die RU in die EU geholt, anstatt für die USA den Lakaien zu machen, wäre obiger Kommentar sicher überflüssig. Da werde ich mir mal rein präventiv meinen Keller auffüllen. Frau Merkel und Ihrem Land ohne Friedensvertrag sei es gedankt.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von P. Manser, St.Gallen
    Wenn Russland in seinem Grenzgebiet Einfluss nimmt, weil eine andere Supermacht politisch und militärisch seit 20 jahren rumwurstelt ist Russland der Aggressor. Amerika würde in seinem Grenzgebiet sowas nie zulassen. Aber sie hatten ja nie Konflikte auf eigenem Boden. Dafür haben sie der ganzen Welt Freiheit und Demokratie gebracht. In wievielen Ländern wo der Ami war ist jetzt Demokratie? Ja OKAY Deutschland. Die, die bis heute noch keine eigene Verfassung und ein Besatzungstatut haben.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Felix Buchmann, Bättwil
      UND OB Deutschland eine eigene Verfassung hat! Auch einen Verfassungsgerichtshof in Karlsruhe, der streng darüber wacht, dass deren Bestimmungen eingehalten werden, und der nicht selten sogar die Bundesregierung zurückpfeift. Unglaublich, was man alles behaupten kann....
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Felix Buchmann, Bättwil
      P.S. Besatzungsstatut: Auch diese Behauptung ist schlicht falsch. Hier ein paar Fakten: Die in dem 1949 in Kraft gesetzten Statut enthaltenen besatzungsrechtlichen Befugnisse wurden mit den Pariser Verträgen von 1955 explizit und vollständig aufgehoben. 1991 verloren die letzten alliierten Vorbehaltsrechte ihre Wirkung (2+4-Vertrag), und seither ist das wiedervereinigte Deutschland ein vollständig souveräner Staat. Forscher wie Professor J.Foschepoth können alles ungehindert durchleuchten.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen