Zum Inhalt springen
Inhalt

International Waffengewalt: Obama will Käufern und Verkäufern an den Kragen

US-Präsident Barack Obama hat in einer emotionalen Rede schärfere Regeln beim Umgang mit Schusswaffen angekündigt. Er will vor allem die behördliche Durchleuchtung der Käufer und Verkäufer von Waffen ausweiten und bestehende Schlupflöcher schliessen.

Legende: Video Heftige Reaktionen auf Obamas Waffengesetz abspielen. Laufzeit 00:47 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 06.01.2016.

Das ist Obamas Massnahmenpaket:

  • Bessere Überprüfung von Schusswaffenkäufern.
  • Das FBI soll die Datenbank für diese Überprüfung den Angaben zufolge «wirksamer und effizienter» machen. Sie erhält dafür 230 neue Mitarbeiter.
  • Die Waffenkontrollbehörde ATF soll 200 neue Ermittler erhalten.
  • Möglichkeiten für die Verfolgung illegaler Waffenverkäufe im Internet werden ausgeweitet.
  • 500 Millionen Dollar für die Behandlung von psychischen Erkrankungen.
  • Vorschlag: den Abzug an Gewehren und Pistolen durch Fingerabdruck-Sensoren schützen.

Mehrmals wischte sich Obama im Weissen Haus in Washington Tränen aus dem Gesicht, als er an das Schicksal von Opfern der Kriminalität mit Schusswaffen in seinem Land erinnerte. Der Missbrauch von Schusswaffen kostet in den USA jährlich rund 30'000 Menschen das Leben.

Die USA seien das einzige entwickelte Land, das in einer derartigen Häufigkeit mit «dieser Art von massenhafter Gewalt» konfrontiert sei. Die «ständigen Ausreden für das Nichtstun» seien nicht mehr haltbar, sagte Obama.

Der Präsident betonte, dass er das in der Verfassung verankerte Recht auf Waffenbesitz nicht grundsätzlich in Frage stelle. Allerdings gehe es darum, «vernünftige» Lösungen für die Waffengewalt zu finden. Im Notfall kann der US-Präsident dies in einigen Fällen per präsidialem Dekret an der Mehrheit des republikanisch geprägten Kongresses vorbei.

Bessere Überprüfung von Käufern

Kern von Obamas Plan ist eine bessere Überprüfung von Schusswaffenkäufern. Bislang galten Ausnahmen etwa bei Waffenmessen oder bei Verkäufen über das Internet. Nach Angaben des Weissen Hauses sollen die neuen Regeln sicherstellen, dass «jeder, der im Geschäft des Waffenverkaufs tätig ist, eine Lizenz besitzt und Hintergrund-Checks bei seinen Kunden durchführt».

Legende: Video Die Liste der Attentate - «zu viele!» abspielen. Laufzeit 00:32 Minuten.
Aus News-Clip vom 05.01.2016.

Obama will zudem Schritte unternehmen, die Kindern den Umgang mit Waffen erschweren. Allein im Jahr 2013 seien 500 Menschen durch Unfälle mit Schusswaffen ums Leben gekommen, 30 davon waren noch keine fünf Jahre alt. Er schlug vor, den Abzug an Gewehren und Pistolen durch Fingerabdruck-Sensoren zu schützen.

Die Bundespolizei FBI soll die Datenbank für diese Überprüfung den Angaben zufolge «wirksamer und effizienter» machen und dafür mehr als 230 neue Mitarbeiter einstellen.

Auch die Waffenkontrollbehörde ATF soll finanzielle Mittel 200 neue Ermittler erhalten, um die Gesetze stärker durchzusetzen. Ausserdem würden die Möglichkeiten der Behörde für die Verfolgung illegaler Waffenverkäufe im Internet ausgeweitet.

Wenn ein Kind kein Glas Aspirin aufschrauben kann – dann sollten wir auch sicherstellen, dass es keinen Abzug einer Waffe betätigen kann.
Autor: Barack ObamaUS-Präsident

Weiterhin plant Obama, zusätzlich 500 Millionen Dollar für die Behandlung von psychischen Erkrankungen auszugeben. Psychisch kranke Menschen sollen zudem im Überprüfungssystem besser erfasst werden. Die wissenschaftliche Forschung für eine sicherere Waffentechnologie soll stärker gefördert werden, beispielsweise bei der Entwicklung von Fingerabdruck-Scannern für Pistolen und Gewehre.

Blockade durch Republikaner

Schätzungen zufolge befinden sich in den USA mehr als 300 Millionen Schusswaffen in Privathaushalten. Der von den konservativen Republikanern dominierte US-Kongress blockiert eine Änderung von Gesetzen und verhindert damit ein härteres Durchgreifen im Kampf gegen den Missbrauch von Schusswaffen.

Die US-Waffenlobby National Rifle Association (NRA) hat die Pläne von Präsident Barack Obama für ein strengeres Waffenrecht scharf kritisiert. Die Organisation werde «nicht zulassen, dass rechtschaffene Waffenbesitzer schikaniert und eingeschüchtert werden».

Waffenlobby: «Herablassende Belehrungen»

Zum Auftritt des Präsidenten merkte der NRA-Sprecher an: «Die amerikanische Bevölkerung braucht nicht noch mehr emotionale, herablassende Belehrungen bar von Fakten.» Der Präsident liefere «politische Rhetorik» statt «echter Lösungen für die drängenden Probleme unserer Nation».
In den vergangenen Wochen seit einer Ankündigung der Pläne des US-Präsidenten stieg die Zahl der Waffenverkäufe in den USA nach einem Bericht der Zeitung «New York Times» sogar rasant.

Gefragte Waffenfirmen-Aktien

Vor der geplanten Verschärfung der US-Waffenvorschriften haben Anleger bei Aktien der Hersteller von Pistolen und Gewehren kräftig zugegriffen. Zudem erhöhte Nordamerikas grösster Hersteller von Handfeuerwaffen, Smith & Wesson, angesichts starker Nachfrage seine Gewinn- und Umsatzprognose.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

36 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Samuel Saurer (Sämi)
    An alle Verbots-Fans hier: Habt ihr euch mal ernsthaft mit dem dortigen Waffengesetz auseinandergesetzt, welches von Staat zu Staat durchaus verschieden ist? Habt ihr ernsthaft das Gefühl, dass die Millionen der legalen Waffenbesitzer für den tagtäglichen Mord und Totaschlag verantwortlich sind? Oder dass Vollautomaten ganz einfach für jedermann zu besorgen sind? Teils sind die Gesetze in gewissen Staaten noch absurder und sogar strenger als hier in der "bürokratischen und friedlichen" Schweiz!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Alek Kostić (Alek Kostić)
      Was spielt das für eine Rolle? Jeder US-Bürger kann in in den Bundesstaaten einkaufen gehen, wo die Gesetze am lockersten sind. Deshalb braucht es ein Gesetz auf landesweiter Ebene. Mit einer Registrierung (davon ist hier die Rede, nicht von einem Verbot) könnte man dies genauer im Auge behalten. Wenn man ein Auto registrieren kann, dann sollte dies mit einer Waffe auch möglich sein.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Lucas Frank (Lucas)
      @Kostic: Eben nicht, man kann ja nicht kontrollieren, ob man nach den checks kriminell oder psychisch krank wird, darum gibt es jährlich dutzende Familiendramas mit Schusswaffen in der Schweiz. Bei so vielen Waffen, wird sowieso der Schwarzmarkt boomen, und die Terroristen von Paris haben die Gesetze auch nicht eingehalten.Man sah es, als die USA landesweit Kauf und Besitz von Sturmgewehren verboten hat, es gab einen riesigen Schwarzmarkt und jeder Kriminelle hatte eines. Und da ist noch Mexiko.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Bernhard Bizer (Avidya)
    Um nochmals klarzustellen. Die NRA behauptet, Obama hätte keine Lösungen parat. Haben die Vertreter der Waffenlobby hin- oder weggehört oder einfach nichts verstanden? Welche Lösung würde denn Herr Cox von der NRA anbieten ausser natürlich der, noch mehr Schusswaffen unters Volk zu giessen? Denn mehr Waffen bedeutet ja mehr Sicherheit. Schliessen sich Waffengewalt und christlich/spirituelle Werte nicht automatisch aus?
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Rolf Künzi (Unbestimmt)
    Starker Auftritt. Doch wie machtlos selbst der mächtigste Mann der Welt ist wenn es um Waffen und letztlich um Geld- und Wirtschaftsfragen geht, zeigen seine Tränen. Paris weint um den Wahnsinn des Terors und verkauft immer noch wie Weltmeister Waffen an Saudi-Arabien die sämtliche Länder ringsum beliefert und zusammen bommt. Nur Japan hat sich nach dem 2 Weltkrieg nicht an diesem Wettrüsten beteiligt.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen