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International Waffenruhe in der Ukraine: OSZE-Vertreterin zuversichtlich

Der Waffenstillstand zwischen der ukrainischen Armee und pro-russischen Separatisten hält weitgehend an. Dieser war am Freitag vereinbart worden – vermittelt von einer Schweizerin, der Botschafterin Heidi Tagliavini. Sie zeigt sich zuversichtlich, dass die Waffenruhe Bestand haben wird.

Legende: Video «Feuerpause in der Ukraine: OSZE-Vertreterin zuversichtlich» abspielen. Laufzeit 1:37 Minuten.
Aus Tagesschau vom 06.09.2014.

Die Schweizer Diplomatin Heidi Tagliavini war massgeblich daran beteiligt, dass die Waffenruhe in der Ostukraine zustande kam. Einen Tag nach der Vereinbarung von Minsk zeigt sich Tagliavini zuversichtlich.

Die Ideen des Friedensplans würden sowohl vom ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko als auch vom russischen Präsidenten Wladimir Putin unterstützt. «In einem gewissen Sinn sind die beiden Präsidenten eine Art Garanten für den Waffenstillstand», sagte sie der «Tagesschau».

Zuversichtlich sei sie auch wegen der konstruktive Atmosphäre während der Gespräche. «Wir waren doch mehrere Stunden gemeinsam in Verhandlungen. Es wurde deutlich, dass wir wirklich konstruktiv und konkret miteinander sprechen konnten.»

Dass die Waffenruhe am Freitag zustande kam, liege auch daran, dass mit den zunehmenden militärischen Feindseligkeiten und der zunehmende Zahl an Opfern der Druck sehr gross wurde, sagte Tagliavini in der Sendung «Echo der Zeit».

Konkreter Plan nötig

Der Waffenstillstand muss nun von der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) kontrolliert werden. Dem hatten die beiden Konfliktparteien in Minsk zugestimmt. Dabei sei es sehr wichtig, dass man einen Waffenstillstand nicht einfach nur erkläre, sondern einen ganz genauen Plan habe. «Was geschieht wenn sich ein Zwischenfall ereignet, wie spricht man miteinander. Das Wichtigste ist, dass man dann nicht wieder beginnt zu schiessen, sondern einen Mechanismus hat, der klärt, was geschehen ist und dann die Sache untersucht.»

Militärische Zwischenfälle liessen sich aber nie ganz ausschliessen. Es gebe viele Möglichkeiten, dass der Waffenstillstand von einzelnen Kommandanten nicht eingehalten werde.

Fast 2600 Tote

Vertreter Kiews, Moskaus, der Separatisten und der OSZE waren am Freitag in der weissrussischen Hauptstadt Minsk zusammengekommen, um den seit fünf Monaten andauernden Kämpfen mit fast 2600 Toten ein Ende zu setzen.

Die Konfliktparteien vereinbarten dort unter anderem eine Waffenruhe, einen Truppenabzug und den Austausch aller Gefangenen. Die Waffenruhe trat am Freitag offiziell um 18 Uhr Ortszeit (17 Uhr MESZ) in Kraft.

Waffenruhe hält

Der Waffenstillstand zwischen der ukrainischen Armee und pro-russischen Separatisten hat am Samstag weitgehend gehalten. Vereinzelte Schüsse und die grosse Skepsis der Bevölkerung zeigen aber, wie gross das Misstrauen und wie verhärtet die Fronten sind. Lesen Sie hier mehr.

13 Kommentare

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  • Kommentar von B. Kerzenmacher, Frauenfeld
    Mit Ausnahme des Baltikums ist die ehemalige Sowjetunion nun einmal Russlands Vorgarten, genau wie Nord- und Mittelamerika der Vorgarten der USA sind. Die USA verhalten sich diesbezüglich schlicht wie eine normale Grossmacht, und genau das tut Russland im Moment auch. Was Putin hier durchzieht ist die russische Variante der Monroe-Doktrin. Das mag man mögen oder nicht, es ist aber harte Realpolitik.
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    1. Antwort von Juha Stump, Zürich
      Das stimmt nicht ganz. Auch das Baltikum und Finnland gehören zum russischen Vorgarten, aber auf ganz unterschiedliche Weise. Noch heute gibt es in RU nationalistische Kreise, die das Baltikum am liebsten heute als morgen wieder "heimholen" würden, aber sie haben ein Faustpfand in Form der starken russ. Minderheiten in Lettland und Estland. So makaber das auch klingt, mit Finnland besteht immer noch eine Art militärischer Beistandspakt, falls RU einmal "angegriffen" würde.
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  • Kommentar von E. Waeden, Kt. Zürich
    Und bei Botschafterin Tagliavini werden aus den angeblichen Terroristen plötzlich Menschen, mit denen man konstruktive Gespräche führen kann. Diese Chance haben leider alle anderen Beteiligten aus dem Westen an diesem Konflikt vertan. Hätte man es getan & sie bei diesen vielen Gesprächen, welche immer nur ÜBER sie, statt mit ihnen bisher statt gefunden haben, hätte dieser Konflikt schon längst beigelegt & viele Menschenleben gerettet werden können.
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    1. Antwort von Juha Stump, Zürich
      Schon vergessen - wohl bewusst -, wo die ersten Kämpfe stattgefunden haben? Richtig, in Slawjansk bzw. Slowjansk, wo ein Emporkömmling aus der Unterwelt plötzlich ein "Bürgermeister" wurde, und seither haben die "Freiheitskämpfer" nichts dafür getan, um sich ein menschliches Antlitz zu geben. Mit solchen Leuten würde auch ich nicht gern "verhandeln" - verhandeln worüber? DAS müssen wir eurem "lieben" Putin lassen: Ohne sein Einwirken wären sie immer noch die gleichen Holzköpfe.
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  • Kommentar von M.Krebser, BE
    Andrej Lyssenko, der Sprecher des Sicherheitsrates der Kiewer Junta erklärt im ukrainischen Fernsehen warum dem Waffenstillstand zugestimmt wurde: 1. Es handelt sich nur um eine Waffenruhe und um keine Beendigung des Krieges. 2. Wir können ausspähen, wie viele ausländische Kräfte sich auf unserem Gebiet befinden. (gemeint ist Neurussland). 3. Die Kräfte können sich zusammenziehen. 4. Es soll wohl eine Art Endkampf sein, damit nicht mehr so viele tote Soldaten gezählt werden müssen
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