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International Waffenruhe in Kraft: Die letzte Chance für Jemen?

Bisher sind alle Ansätze, die Gewalt in Jemen zu beenden, gescheitert. Nach neun Monaten verheerender Kämpfe nehmen Armee und Huthi-Rebellen nun einen weiteren Anlauf zu einer Waffenruhe. Scheitert sie erneut, hätte das katastrophale Folgen, wie Hilfswerke warnen.

Ein Knabe, ein Mann und zwei Soldaten schauen in das Loch, das eine Bombe in ein Dach gerissen hat.
Legende: Seit dem Eingreifen der saudischen Allianz vor einem Jahr wurden in Jemen laut UNO täglich rund sechs Kinder getötet. Reuters

Nach Monaten der Gewalt ist im Bürgerkriegsland Jemen erneut eine Waffenruhe in Kraft getreten. Armee und Huthi-Rebellen sollen die Kämpfe im gesamten Land einstellen, wie das von der UNO vermittelte Abkommen vorsieht.

Beide Konfliktparteien erklärten in der Nacht zum Montag, sie wollten die Feuerpause einhalten. Sie behielten sich jedoch das Recht zur Vergeltung vor, sollte die jeweils andere Seite gegen das Abkommen verstossen.

Die letzte Chance?

In dem verarmten arabischen Land tobt ein Konflikt zwischen Anhängern des von Saudi-Arabien unterstützten Präsidenten Abd-Rabbu Mansur Hadi und mit Iran verbündeten Huthi-Rebellen. In einer Woche sollen Friedensverhandlungen in Kuwait beginnen. Bisherige Friedensgespräche – unter anderem in der Schweiz – verliefen erfolglos, eine Mitte Dezember in Kraft getretene Feuerpause scheiterte.

Internationale Hilfsorganisationen warnten am Sonntag vor einem Scheitern der neusten Waffenruhe. Sollte die Feuerpause wieder nicht stabil bleiben, hätte dies katastrophale Auswirkungen, teilten 16 Organisationen – darunter Oxfam, Save the Children und der norwegische Flüchtlingsrat – in einer gemeinsamen Erklärung mit. In Jemen seien schon jetzt über 82 Prozent der Bevölkerung – das sind mehr als 21 Millionen Menschen – auf Nothilfe angewiesen.

Kämpfe noch bis kurz vor Mitternacht

Noch vor Inkrafttreten der neuen Feuerpause bombardierte das Bündnis die von den Huthis gehaltene Hauptstadt Sanaa. Nach UNO-Angaben sind in Jemen vergangenes Jahr etwa 9000 Menschen ums Leben gekommen – mehr als 3000 davon Zivilisten.

Bürgerkrieg in Jemen: Die wichtigsten Akteure

Die Huthi-Rebellen
Der schiitische Volksstamm aus Nordjemen erhob sich gegen die Regierung, weil er ihr Benachteiligung, Korruption und Vetternwirtschaft vorwarf. 2014 überrannten die Huthis dei Einheiten von Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi. Sie zogen in die Hauptstadt Sanaa ein und eroberten zwischenzeitlich auch Teile der Südküste mit der Hafenstadt Aden. Verbündet sind die Aufständischen mit Truppen von Ex-Präsident Ali Abdullah Saleh. Iran wird vorgeworfen, die Huthis zu unterstützen, was Teheran bestreitet.
Abed Rabbo Mansur Hadi
Auf Druck der verbündeten Golfstaaten machte der ehemalige Machthaber Ali Abdullah Saleh seinen Stellvertreter Abed Rabbo Mansur Hadi 2012 zu seinem Nachfolger. Hadi, den eine Wahl ohne Gegenkandidaten im Amt bestätigte, erwies sich als schwach. Als die Huthis das Land eroberten, floh er nach Saudi-Arabien, von wo aus er bis heute regiert.
Die saudische Militärkoalition
Das sunnitische Militärbündnis unter Führung Riads fliegt – offiziell nach Hilfeersuchen Hadis – seit einem Jahr Angriffe in Jemen. Sie richten sich gegen Stellungen der Huthi-Rebellen, treffen aber auch immer wieder Zivilisten. In dem Bürgerkrieg sind im vergangenen Jahr laut UNO etwa 9000 Menschen ums Leben gekommen – mehr als 3000 davon Unbeteiligte. Teil der Allianz sind unter anderem die Vereinigten Arabischen Emirate, Kuwait, Bahrain und Katar.
Ali Abdullah Saleh
Der bei den arabischen Aufständen gestürzte Langzeitpräsident Ali Abdullah Saleh weiss immer noch Teile der jemenitischen Armee hinter sich. In den Jahrzehnten seiner korrupten Herrschaft hatte er immense Reichtümer angehäuft. Das verschaffte ihm Zahlungsfähigkeit und Einfluss auf lange Dauer. Saleh verbündete sich schliesslich mit den Huthis, deren Aufstände er als Präsident noch niedergeschlagen hatte, gegen seinen Nachfolger Hadi.
Terrororganisationen
Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel, der mächtigste Ableger des weltweit agierenden Terrornetzwerkes, sowie die Terrormiliz «Islamischer Staat» (IS) gelten als heimliche Gewinner im Machtpoker um Jemen. Sie gewannen zuletzt vor allem im Süden des Landes an Einfluss.

Meist ruhen die Waffen

In den ersten Stunden der Waffenruhe blieb es trotz vereinzelter Gefechte und Luftangriffe überwiegend ruhig. Kämpfe wurden vor allem aus der zentraljemenitischen Grossstadt Tais gemeldet. In der von den Huthis kontrollierten Hauptstadt Sanaa blieb es Berichten zufolge erst einmal ruhig.

4 Kommentare

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  • Kommentar von Christian Szabo (C. Szabo)
    Jemen ist geostrategisch wichtig als Schiffahrtsstraße. Das Schicksal der Bewohner interessiert praktisch niemand. Am liebsten hätten die Mächtigen ein Ghetto für die Massen. Jeder Versuch einheimischer Kräfte, die Kontrolle an der Küste zu übernehmen, wird brutal unterbunden. Die USA und andere lagern die Drecksarbeit zunehmend aus, damit sie sauber dastehen. Ausserdem ist es ein weiteres Versuchsfeld für neue Waffen. Viele Söldner sind Opfer wie Täter dieser menschenverachtenden Strategie.
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  • Kommentar von Bruno Vogt (b.vogt)
    Ich schliesse mich Ihnen klar an Hr Mitulla. Bürgerkrieg aber nur insofern als das sich dieser innerhalb (und knapp ausserhalb an der Grenze in Saudi-Arabien) abspielt. Ansonsten wie in Syrien ein Krieg, provoziert durch Einmischung fremder Kräfte, allen voran Saudi-Arabien mit seinen Söldnern. Dort kämpfen Lateinamerikaner und Afrikaner gegen einheimische und das KSA wirft in Europa produzierte Streubomben. Vor solch einem Hintergrund muss man sagen, verdient Europa das Chaos an seinen Grenzen!
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    1. Antwort von Nicolas Dudle (Nicolas Dudle)
      Nicht immer Ihrer Meinung haben Sie zu Ihrer Herleitung und insbesondere zu Ihrer Schlussfolgerung meine uneingeschränkte Unterstützung.
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  • Kommentar von m. mitulla (m.mitulla)
    "Bürgerkrieg" ist definitiv das falsche Wort für die Saudischen Bombardements auf das bitterarme Jemen - in dem eine Hungersnot droht oder bereits Tatsache ist. "Leider" befindet sich Jemen an einer Strategisch wichtigen Stelle - die grossen Öltanker dieser Welt müssen den Golf von Aden passieren - und diese Stelle will man selber kontrollieren..
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