Wahlen: Grönland gewinnt auf jeden Fall

Grönland ist politisch und wirtschaftlich ein Zwerg. Doch nun soll die grösste Insel der Welt dank ihrer reichen Bodenschätze zulegen. Vor den Parlamentswahlen am Dienstag wird heftig diskutiert, wer von diesem Wachstum profitieren soll.

Im Meer vor dem Ort Kulusuk treibt ein Eisberg.

Bildlegende: Das Eis schmilzt, Grönland hofft angesichts seiner Bodenschätze auf eine rosige Zukunft. Reuters

Das grosse Wahlkampfthema auf Grönland klingt bizarr: Wie umgehen mit der Aussicht auf mehr Wohlstand und staatliche Unabhängigkeit dank des Klimawandels? Die Stimmberechtigten unter den 57'000 Bürgern der riesigen Polarinsel bestimmen am Dienstag ein neues Parlament in ihrer Hauptstadt Nuuk. Sie stellen dabei auch die Weichen für den Umgang mit Grönlands gigantischen Bodenschätzen, deren Ausbeutung wegen des Abschmelzens des Eises immer näher rückt.

Regierungschef Kuupik Kleist hat den Weg freigemacht für Tausende von Billigarbeitskräften aus China. Sie sollen in einem Erzbergwerk 175 Kilometer nördlich von Nuuk Gestein abbauen. «Die werden so weit ab von unseren eigenen Siedlungen leben müssen, dass Sie kaum mit ihnen in Berührung kommen können», beruhigte Kleist bange Frager.

Der Linkssozialist kam 2009 bei einer Protestwahl gegen die alte Politikergarde auf Grönland an die Spitze, die als korrupt verrufen war. Jetzt kann Kleist laut einer Umfrage mit einem ähnlich starken Ergebnis rechnen. Aber die sozialdemokratische Herausforderin Alequa Hammond von Grönlands traditionell führender Partei Siumut liegt nur hauchdünn dahinter.

Lieber die Dänen statt die Chinesen?

«Wir wollen uns doch nicht dem Erstbesten verkaufen, sondern Arbeitsbedingungen schaffen, die für alle akzeptabel sind», sagte Hammond im Wahlkampf und stellte sich damit den Plänen Kleists dezidiert entgegen. Sie beabsichtigt, das eben erst beschlossene Bergwerkgesetz zu revidieren. Auch will sie enger als die amtierende Regierung mit der früheren Kolonialmacht Dänemark zusammenarbeiten. 

Das hört Dänemark gern, denn es bezahlt dem teilautonomen Grönland immer noch eine halbe Milliarde Franken pro Jahr aus der Staatskasse. Das Geld ist nicht zuletzt eine Art Wiedergutmachung für die einstige Kolonialpolitik, welche die Grönländer zu Ausländern im eigenen Land machen wollte. 

Auch die EU ist in den Startlöchern

In Kopenhagen fordern nun bürgerliche Kreise mehr  Einfluss in der grönländischen Politik. Sie hoffen  indirekt auf Profite aus der bevorstehenden Rohstoffförderung. Die Rohstoffe sind begehrt: Neben China und Dänemark will auch die EU mitmischen. Brüssel hat mit Nuuk ein Abkommen unterschrieben, das auch der EU einen guten Zugang zu den Metallvorräten auf der über zwei Millionen Quadratkilometer grossen Insel ermöglicht.

Wegen der Klimaerwärmung sind die grossen Gletscher entlang der Küsten geschmolzen und haben grosse Landstriche freigelegt. Neuerdings können im hohen Norden ausserdem Frachtschiffe während des ganzen Jahres nach Grönland fahren – eine wichtige Voraussetzung für den Rohstoffexport.