Wahlen in Israel: Netanjahus Likud stärker als erwartet

Die Partei von Israels Premier Benjamin Netanjahu schneidet besser ab, als erwartet. Gemäss ersten Nachwahlbefragungen kommt die Likud auf 27 Sitze. Gleichauf ist das Zionistische Lager. Die Wahlbeteiligung lag bei 71,8 Prozent.

Video «Nachwahlbefragungen in Israel: Enger Wahlausgang» abspielen

Nachwahlbefragungen in Israel: Enger Wahlausgang

0:32 min, vom 17.3.2015

Gemäss ersten Nachwahlbefragungen zeichnet sich in Israel ein enger Wahlausgang ab. Das Mitte-Links-Bündnis Zionistisches Lager und die Likud-Partei von Premier Benjamin Netanjahu liegen mit 27 Sitzen gleichauf.

Jubelnde Menschen

Bildlegende: Freude bei Likud-Anhängern: Eine vierte Amtszeit von Benjamin Netanjahu scheint greifbar nahe. Keystone

Auf dritter Position landet erstmals in der Geschichte des Landes die Liste der arabischen Parteien. Sie kommen gemäss den Prognosen auf 13 Sitze. Darauf folgten die Zukunftspartei mit etwa zwölf Mandaten, die Mitte-Rechts-Partei Kulanu mit bis zu zehn Mandaten und die Siedlerpartei mit bis zu neun Mandaten. Die strengreligiöse Schas kam auf sieben, das Vereinigte Tora-Judentum auf bis zu sieben und die linksliberale Merez auf fünf Sitze. Die ultrarechte Partei Israel Beitenu von Avigdor Lieberman erhielt ebenfalls fünf Sitze.

Damit ist eine vierte Amtszeit des Likud-Vorsitzenden Benjamin Netanjahu wahrscheinlich. Er dürfte es angesichts der Übermacht rechter Parteien einfacher haben, eine Koalition zu bilden, als das Zionistischen Lager von Jitzchak Herzog. So schrieb Netanjahu denn auf Twitter auch bereits von einem «grossen Sieg».

Staatspräsident Rivlin fordert Einheitsregierung

Wenige Minuten nach Bekanntwerden der ersten Nachwahlbefragungen meldete sich Israels Präsident Reuven Rivlin zu Wort. Dieser sprach sich einmal mehr für die Bildung einer grossen Koalition Likud und Zionistischem Lager aus: «Ich bin überzeugt, dass nur eine Einheitsregierung den raschen Zerfall der israelischen Demokratie und baldige Neuwahlen verhindern kann», sagte er laut der Zeitung «Haaretz».

Allerdings hatte vor der Wahl sowohl Benjamin Netanjahu als auch Herzog vom Zionistischen Lager eine gemeinsame Regierung abgelehnt.

Lange Regierungsbildung zu erwarten

Bis die neue Regierung steht, dürfte es aber noch eine Weile dauern. Laut SRF-Korrespondent Pascal Weber kommt es darauf an, ob sich das gestärkte Mitte-Links-Lager von Herzog eine Koalition mit Netanjahu vorstellen kann. «Es gibt bereits Stimmen in Israel, die sagen, daraufhin sollte man hinarbeiten.»

Video «Israel-Wahl: Einschätzung von Pascal Weber (10vor10)» abspielen

Israel-Wahl: Einschätzung von Pascal Weber (10vor10)

2:03 min, vom 17.3.2015

So oder so, das Resultat ist ein Erfolg für Netanjahu. Es sei klar, «Netanjahu in letzter Minute quasi die grosse Lücke, die die Umfragen gezeigt hatten zu seinem grossen Herausforderer Jitzchak Herzog hat schliessen können», so Weber.

Dieser Kraftakt Netanjahus habe den jetzigen Premier allerdings einige seiner besten rechten gekostet. Was wiederum die Regierungsbildung erschweren dürfte.

Notwendig geworden waren die Neuwahlen, weil Netanjahus Mitte-Rechts-Koalition Ende vergangenen Jahres nach weniger als zwei Jahren im Amt auseinandergebrochen war. Zur Wahl der 120 Abgeordneten in der Knesset waren knapp sechs Millionen Israeli. Endgültige Ergebnisse werden am Mittwoch Morgen erwartet.

Sitzverteilung in der Knesset 2015 Angaben gemäss Hochrechnungen von 21 Uhr aufgrund von Nachwahlbefragungen. Verteilung der 120 Sitze. Channel 10

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Israels Premier Benjamin Netanyahu auf dem Mahane-Yehuda-Markt in Jerusalem. Dieser hat den Ruf, politischer Gradmesser für die Stimmung im rechten Lager Israels zu sein.

    Wahlen in Israel - Unterstützung für Premierminister Netanyahu

    Aus Echo der Zeit vom 16.3.2015

    Der isralische Oppositionsführer Itzhak Herzog will Premierminister Benjamin Netanyhau bei den Parlamentswahlen mit einem Mitte-Links-Bündnis in die Knie zwingen. Umfragen sagen für seine Zionistische Union zwar einen knappen Vorsprung voraus.

    Auf dem Mahane-Yehuda-Markt in Jerusalem aber halten die Leute weiter zu Netanyahu. Eine Reportage.

    Philipp Scholkmann

  • Die Altstadt von Jaffa an einem stürmischen Wintertag

    Israelische Araber als Königsmacher?

    Aus Echo der Zeit vom 14.3.2015

    Bei den Parlamentswahlen in Israel müssen Parteien erstmals mindestens 3,25 Prozent der Stimmen erreichen, um überhaupt den Sprung in die Knesset zu schaffen. Um nicht an dieser Hürde zu scheitern, schlossen sich palästinensische Kleinstparteien zu einer gemeinsamen Liste zusammen.

    Und diese könnte gemäss Umfragen nun sogar zum Königsmacher aufsteigen. Eine Reportage aus Jaffa.

    Philipp Scholkmann