Berlusconi: Augenarzt statt Gerichtsverhandlung

Am Tag nach seiner Verurteilung in einem anderen Verfahren erscheint Berlusconi nicht zum «Ruby»-Prozess. Der Grund: Er sei krank. Die Anklage mutmasst eine Verschleppungstaktik.

Berlusconi hält sich mit den Händen die Augen zu.

Bildlegende: Das könnte für Berlusconi noch ins Auge gehen: Augenarzt schützt nämlich vor Gerichtsverhandlung nicht. Keystone

Der frühere italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi ist wegen einer Augenentzündung ins Spital gebracht worden. Zum «Ruby»-Prozess wegen angeblichem Sex mit minderjährigen Prostituierten und Amtsmissbrauch erschien der 76jährige deshalb nicht. Nach Angaben seiner Ärzte braucht er mindestens eine Woche Ruhe und darf seine Augen nicht dem Licht aussetzen.

Das Verfahren vor dem Justizpalast in Mailand wurde auf den kommenden Montag vertagt. Das Gericht erkannte damit Berlusconis Attest an. Die Staatsanwaltschaft dagegen schien darin eine weitere Verzögerungstaktik Berlusconis zu sehen. Sie hat einen Kontrollbesuch verlangt, um zu sehen, wie krank er ist.

Ursprünglich war in Mailand der zweite Tag des Plädoyers der Anklage angesetzt. Berlusconi hatte jedoch schon vorher mitteilen lassen, er sei verhindert. Der ehemalige Ministerpräsident war am Donnerstag in einem Prozess um veröffentlichte vertrauliche Telefongespräche zu einer einjährigen Haftstrafe verurteilt worden.

Es war seine zweite Verurteilung in erster Instanz in einem Verfahren innerhalb weniger Monate. Neben einem Berufungsurteil steht im März der erstinstanzliche Richterspruch im «Ruby»-Verfahren an.