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Waldbrände in Portugal Wetterumschwung bringt Entspannung

Legende: Audio Thomas Fischer von der NZZ: «Es ist vieles schiefgelaufen» abspielen. Laufzeit 04:40 Minuten.
04:40 min, aus Rendez-vous vom 17.10.2017.
  • Unterstützt vom Wetterumschwung haben Feuerwehrleute die Waldbrände auf der iberischen Halbinsel inzwischen eingedämmt.
  • Mit einer dreitägigen Staatstrauer gedenkt Portugal der 36 Menschen, die in den Flammen ums Leben gekommen sind.
  • Experten haben die Brände des letzten Sommers untersucht. Sie kommen zum Schluss: Es hätte nicht so viele Tote geben müssen.

Portugals Regierungschef António Luís Santos da Costa bekundete den Familien der Opfer der jüngsten Waldbrände seine Anteilnahme. Am Sonntag hatte der portugiesische Zivilschutz landesweit noch über 500 Bränden gezählt. Ein Rekord – und für diese Jahreszeit auch sehr ungewöhnlich, sagt NZZ-Korrespondent Thomas Fischer: «Im Oktober ist die Waldbrandsaison eigentlich vorbei.»

Erst im Juni waren bei Bränden in der Mitte des Landes mindestens 64 Menschen ums Leben gekommen. Die meisten starben in ihren Autos auf der Flucht vor dem Feuer. Als Reaktion auf diese Tragödie wurde eine unabhängige Kommission aus Fachleuten eingesetzt. Diese hat vor ein paar Tagen ihren Abschlussbericht vorgestellt und legt darin den Finger auf eine ganze Reihe von Schwachstellen.

Behörden haben zu spät gewarnt

«Es ist sehr viel schiefgelaufen», lautet auch Fischers Bilanz. Bereits die vorbeugenden Massnahmen seien im letzten Sommer nicht ausreichend gewesen: «Viele der Todesopfer wären vermeidbar gewesen, wäre rechtzeitig gewarnt worden. Menschen hätten ihre Dörfer früher verlassen können.»

Hinzu komme: Von den Flugzeugen und Helikoptern, die im Sommer noch zur Bekämpfung der Waldbrände eingesetzt wurden, standen jetzt, bei den neuen Bränden im Oktober, mehr als die Hälfte nicht mehr zur Verfügung. «Die entsprechenden Verträge waren einfach abgelaufen. Zu dieser Zeit hat niemand mehr mit einer solchen Katastrophe gerechnet», erklärt Fischer das Problem.

Neben der langen, extremen Trockenheit sind vermutlich auch Brandstiftungen für viele der Brände verantwortlich. In der nordwestspanischen Provinz Galicien gehen die Behörden von 132 Fällen aus. «Das sind 132 Angriffe», klagte eine Sprecherin der Regionalregierung im spanischen Radio.

Keine Nachsicht für Brandstifter

Die spanische Landwirtschaftsministerin Isabel García Tejerina verteidigte die Einsatzleitungen in den von Waldbränden betroffenen Provinzen gegen Kritik: «Wir sind darauf vorbereitet, Brände zu löschen – aber wir sind nicht auf Brandstifter vorbereitet.» Von den Waldbränden der vergangenen Tage seien 95 Prozent auf menschliche Einwirkung zurückzuführen, und die Hälfte sei mit Absicht gelegt worden. Für diese Brandstifter dürfe es keine Nachsicht geben.

Immerhin gibt der Wetterdienst inzwischen Entwarnung: Eine Regenfront und sinkende Temperaturen würden dabei helfen, die restlichen Brände unter Kontrolle zu bringen und die Waldbrandgefahr zu verringern, hiess es.

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