War der ausgetauschte US-Soldat ein Deserteur?

Am Wochenende war der US-Soldat Bowe Bergdahl nach fünf Jahren Gefangenschaft freigelassen worden. Im Gegenzug liessen die USA fünf Taliban aus Guantanamo frei. Dieser Handel gerät nun in die Kritik. Soldaten der gleichen Einheit glauben, dass Bergdahl die Armee verlassen wollte.


Tauschte die USA fünf Taliban gegen einen Deserteur?

5:19 min, aus SRF 4 News aktuell vom 03.06.2014

Ein Deserteur soll er gewesen sein, der aus der Gefangenschaft der Taliban ausgetauschte Bowe Bergdahl, sagen ehemaligen Kameraden aus Afghanistan gemäss US-Medien. Er habe bei der Ablösung der Nachtwache seine kugelsichere Weste, seinen Helm, seinen Rucksack und sein Waffe aufeinandergestapelt zurückgelassen. Einzig den Kompass habe man nicht gefunden.

Nachdem Bergdahl beim Anwesenheitsappell am nächsten Morgen nicht auftauchte, schnappten US-Funktionäre Funksprüche zwischen Taliban auf, wie Geheimdienstquellen belegen. Die Funksprüche besagten laut Agenturmeldungen, dass «ein amerikanischer Soldat mit einer Kamera jemanden sucht, der englisch spricht».

Dorfbewohner sahen Unbewaffneten

Eine andere Quelle aus der Provinz, wo Bergdahl gefangen genommen wurde, sagte ebenfalls, dass Dorfbewohner damals einen unbewaffneten Mann gesehen hätten. Er sei vom Militärstützpunkt her auf sie zugekommen. Sie hätten die Taliban darüber informiert.

Das Verschwinden des Soldaten Bergdahl löste eine grossangelegte Suchaktion aus. Sie dauerte Wochen und setzte die amerikanischen Truppen Taliban-Attacken aus. Mehrere andere US-Soldaten sind dabei ums Leben gekommen.

Prozess wegen Desertion?

Der Journalist Arndt Peltner hat die Diskussion um die Freilassung Bergdahls in den USA verfolgt. Im Moment sei Bergdahl noch in einem Militärspital in Deutschland, sagt er. Doch er werde nach seiner Rückkehr in die USA intensiv befragt werden. «In den USA warten bereits Spezialisten der Armee.» Es gehe darum, was er im Talibanlager gesehen und gehört habe. Auch die Frage, was zu seinem Verschwinden geführt habe, werde sicherlich thematisiert. Ob es zu einem Prozess gegen Bergdahl komme, werde wohl nach der Befragung entschieden.

Das US-Verteidigungsministerium habe schon längere Zeit gewusst, wo Bergdahl gefangen gehalten werde. «Man wollte keine weiteren Soldaten für eine Befreiungsaktion riskieren, denn es stand im Raum, dass er ein Deserteur war.» Deshalb habe man auf eine diplomatische Lösung gesetzt, und diese habe nun Erfolg gebracht, sagt Peltner.