Warten auf den Durchbruch bei den Genfer Atomgesprächen

Nach jahrelangem Stillstand könnte es bei den Atomgesprächen mit dem Iran einen historischen Durchbruch geben. Mehrere westliche Aussenminister, allen voran John Kerry, reisten überraschend nach Genf, um an den Verhandlungen teilzunehmen.

EU-Aussenbeauftrage Catherine Ashton und Mohammed Dschawad Sarif

Bildlegende: EU-Aussenbeauftragte Catherine Asthon und der iranische Aussenminister Mohammed Dschawad Sarif. Reuters

US-Aussenminister John Kerry sowie Frankreichs Aussenminister reisten überraschend nach Genf.

Kerry selbst dämpfte nach seiner Ankunft aber Erwartungen, eine Einigung könne unmittelbar bevorstehen. «Wir hoffen, diese unterschiedlichen Ansichten zusammenzubringen. Niemand hier sollte verkennen, dass es noch eine deutliche Kluft gibt, die geschlossen werden muss», sagte Kerry.

Er traf am Abend in Genf zusammen mit der EU-Aussenbeauftragten Catherine Ashton den iranischen Aussenminister Mohammed Dschawad Sarif. Sarif hatte am Donnerstag gesagt, er halte eine Übereinkunft bei den Atomgesprächen für möglich.

Die Verhandlungen sind vorangekommen

«Wir haben eine delikate und auch sehr komplizierte Phase der Verhandlungen erreicht und müssen nun das schriftliche Abkommen vorbereiten», hiess es vom iranischen Vizeaussenminister Abbas Araghchi.

Verhandlungen in Genf

Bildlegende: Verhandlungen in Genf: Steht ein Durchbruch bevor? Reuters

Der britische Aussenminister William Hague, sein französischer Kollege Laurent Fabius und der amtierende deutsche Aussenminister Guido Westerwelle trafen ebenfalls in Genf ein. Ein Sprecher von Fabius in Paris sagte: «Die Verhandlungen sind vorangekommen. Vielleicht gibt es für die Minister die Chance, weitere Fortschritte zu erleichtern.»

Für Samstag kündigte sich kurzfristig auch der russische Aussenminister Sergej Lawrow an. Er wolle zu den offensichtlich verlängerten Verhandlungen nach Genf reisen. Russland hoffe auf ein Ergebnis, auf das die ganze Welt warte, sagte Vizeminister Sergej Rjabkow der Staatsagentur Ria Nowosti.

Vorübergehende Aussetzung des Atomprogramms

Auf dem Verhandlungstisch in Genf liegt eine Übergangslösung, wie es aus Delegationskreisen hiess. Demnach soll Teheran sein Atomprogramm für eine gewisse Zeit aussetzen. Im Gegenzug sollen einige der gegen das Land verhängten Wirtschaftssanktionen aufgeweicht oder auf ausländischen Bankkonten blockierte Gelder aus Öleinnahmen freigegeben werden.

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Einschätzungen von SRF-Korrespondent Erwin Schmied

1:38 min, aus Tagesschau vom 8.11.2013

In einem zweiten Schritt soll dann über ein umfassenderes Abkommen verhandelt werden. Dieses soll sicherstellen, dass der Iran nicht unter dem Deckmantel eines zivilen Atomprogramms an Atomwaffen arbeitet.

Die neue Regierung in Teheran will diese Sorge ausräumen. Sie fordert aber im Gegenzug die Anerkennung des Rechts auf ein ziviles Atomprogramm, einschliesslich der Urananreicherung auf bis zu fünf Prozent, sowie die Aufhebung von Wirtschaftssanktionen.

Israel warnt vor «monumentalem Fehler»

In Genf verhandelt seit Donnerstag die sogenannte 5+1-Gruppe mit dem Iran - bestehend aus den fünf UNO-Vetomächten China, Grossbritannien, Frankreich, Russland und den USA sowie Deutschland. Allein die Tatsache, dass die Aussenminister der beteiligten westlichen Länder zu den Verhandlungen anreisten, zeigt Diplomaten zufolge, dass eine Einigung wahrscheinlicher sein könnte als jemals zuvor.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu versuchte bei einem zweistündigen Treffen mit Kerry am Flughafen in Tel Aviv, eine Einigung noch zu verhindern. Der Iran bekomme den «Deal des Jahrhunderts», warnte Netanjahu.

Israel werde sich an keinerlei internationale Vereinbarungen gebunden fühlen und alles Nötige zu seinem eigenen Schutz unternehmen.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Ursprung des schwelenden Atomstreits

    Aus Tagesschau vom 8.11.2013

    Schon der Schah von Persien, Reza Pachlewi, lancierte in den 50ger Jahren ein Atomprogramm, das unter Revolutionsführer Chomeini nach der Revolution 1979 dann aber ausgesetzt wurde. Bis vor acht Jahren Mahmud Ahmadinedschad an die Macht kam und das Atomprogramm forcierte.

  • Iran: Hoffnung auf Durchbruch

    Aus Tagesschau vom 8.11.2013

    Jahrelang hatte der Westen mit dem Iran um dessen Atomprogramm gestritten. Die Verhandlungen blieben erfolglos. Doch nun scheint eine Lösung in Griffnähe. Die Aussenminister der USA (Bild: Kerry), Frankreich, Deutschland und Grossbritannien reisten in aller Hektik nach Genf. Israel ist empört. Einschätzungen von SRF-Korrespondent Erwin Schmid aus Genf. Einschätzungen von Nahost-Kenner Ulrich Tilgner.

  • US-Aussenminister John Kerry bei der Ankunft am 8. November 2013 in Genf. Seit langer Zeit liegt erstmals in Sachen Atom-Streit eine Kompross-Idee auf dem Tisch.

    Atomverhandlungen vor Durchbruch?

    Aus Echo der Zeit vom 8.11.2013

    Entgegen erster Meldungen gab es noch keine Einigung im Atom-Streit mit dem Iran. Doch die Unterhändler bewegen sich aufeinander zu. US-Aussenminister John Kerry war überraschend zu den 5+1-Gesprächen nach Genf gereist, was die Erwartungen prompt in die Höhe trieb.

    Ursula Hürzeler und Fredy Gsteiger