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Krise in der Ostukraine Warum die Waffenruhe immer wieder gebrochen wird

Legende: Audio «Keine Seite hat ein Interesse am Ende des Krieges» abspielen. Laufzeit 7:01 Minuten.
7:01 min, aus SRF 4 News aktuell vom 21.02.2017.

SRF News: Warum hält keine Waffenruhe dauerhaft?

David Nauer: Es gibt einerseits militärische Gründe. Die ukrainische Armee und die Separatisten haben ihre Stellungen an vielen Orten in unmittelbarer Nähe zueinander. Da braucht es nur den kleinsten Zwischenfall und es wird wieder geschossen. Die OSZE versucht schon länger, einen Mindestabstand zu schaffen – allerdings ohne grossen Erfolg. Andererseits gibt es auch politische Gründe dafür, dass die Kämpfe immer wieder neu aufflammen. Keine der Seiten hat wirklich ein Interesse daran, dass der Krieg aufhört.

Welche Gruppe hat welches Interesse an einer Fortführung des Konflikts?

Mein Eindruck ist, dass niemand wirklich Interesse an einer Waffenruhe hat. Die Ukraine betrachtet diese sogenannten Volksrepubliken als von Russland besetzt. Das will die Ukraine nicht akzeptieren. Es gibt starke Kräfte in der Ukraine die sagen, ‹da müssen wir militärisch Druck machen›.

Die prorussischen Separatisten dagegen fürchten die Rache der Ukraine – falls sie die Kontrolle für die Gebiete an die Ukraine zurückgeben würden. Abgesehen davon leben die auch vom Krieg. Insofern als dass dieser Krieg in diesen Republiken auch ein guter Grund ist den Leuten zu zeigen, ‹uns geht es schlecht. Wir haben keine Wirtschaft, wir sind international nicht anerkannt, wir sind total abhängig von Lebensmittellieferungen aus Russland. Nichts funktioniert, aber das liegt am Krieg›.

Schliesslich kann auch Russland nur schwer oder eben gar nicht einen Kompromiss eingehen. Es will seinen Einfluss auf die Rebellengebiete erhalten. Diese Gebiete sind eine Art Pfand in der Hand des Kremls gegen die prowestliche Regierung in Kiew. Deswegen habe ich manchmal den Eindruck, die Russen sind gar nicht so unglücklich darüber, dass dieser Krieg immer ein bisschen weiter lodert.

Wie kann dieser Teufelskreis durchbrochen werden?

Es bräuchte einen Mechanismus, bei dem alle Seiten ihr Gesicht wahren können. Bei dem die Seiten Schritt für Schritt aufeinander zugehen können. Im Moment gibt es dieses Friedensabkommen von Minsk. Das funktioniert eben nicht, weil jede Seite sagt, ‹die andere Seite muss erstmal einen Schritt machen, sonst tun wir gar nichts.› Wie ein solcher Mechanismus aussehen könnte, weiss ich nicht und das weiss vermutlich niemand.

David Nauer

David Nauer

David Nauer ist Korrespondent von Radio SRF in Russland. Von 2006 bis 2009 hatte Nauer für den «Tages-Anzeiger» aus Moskau berichtet, anschliessend aus Berlin.

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13 Kommentare

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  • Kommentar von Kerzenmacher Boris (zombie1969)
    Auf beiden Seiten gibt es Truppen, daher hat ein Waffenstillstand keine Chance. Zudem geht es RUS immer besser. Ölpreise und Rubel steigen, während die EU immer tiefer in die Krise rutscht. RUS wird nun austesten, wie lange die EU noch bereit ist die ukrainischen Regierung zu finanzieren. Daher ist RUS nicht wirklich an Fortschritten interessiert. Und die EU, die hat an der Entstehung von diesem Schlamassel mitgearbeitet und damit sich selbst in eine existenzbedrohende Situation gebracht.
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  • Kommentar von Jean-Philippe Ducrey (Jean-Philippe Ducrey)
    Es stimmt nicht ganz, dass von Seiten der Separatisten ein "Interesse" an der Fortführung des Krieges besteht, im Gegenteil, ich würde da eher von Kriegsmüdigkeit sprechen. Doch die Rebellen sind irgendwie zwischen Stuhl und Bank geraten, Russland will nicht wirklich (was soll Russland mit all diesen Arbeitslosen?) und die von der EU geförderte, mit Faschisten durchsetzte, durch einen Putsch an die Macht gekommene, eigentlich illegale Regierung der Ukraine kennt kein Pardon mit den Rebellen.
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  • Kommentar von Christophe Bühler ((Bühli))
    Solange die Ukraine Vertragsbedingungen, wie Autonomie nicht einhält, solange in der Ukraine Neonazis marschieren, solange der Westen sich in der Ukraine entgegen seinen Versprechen einmischt, solange wird der Donbas nicht frei. Da friert eher die Hölle zu.
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