Warum Hillary Clinton in South Carolina die Nase vorn hat

Am Samstag entscheiden die Demokraten in South Carolina, wen sie zum Präsidentschaftskandidaten küren. Bei der schwarzen Bevölkerung scheinen die Meinungen gemacht zu sein, wie ein Augenschein in Charleston zeigt.

Kopfsteinpflaster, Häuser aus der britischen Kolonialzeit, Palmen, Kutschen mit Touristen und viele Kirchen. Charleston hat eine malerische Innenstadt. Und eine dunkle Vergangenheit.

«In diesem Gebäude wurden bis zum Ende des Bürgerkriegs Sklaven verkauft und gekauft», erzählt Christine Mitchell, die Besucher durch das «Old Slave Market»-Museum führt. Charleston war das Zentrum des Sklavenhandels. Dank ihm wurde die Stadt reich. Dieses dunkle Kapitel wirft bis heute seine Schatten.

Sie sei erst die dritte Generation in ihrer Familie, die frei geboren wurde, sagt Mitchell. Noch immer ist die Gleichheit unter den Rassen nicht hergestellt. Offener Rassismus ist zwar verboten. Aber viel geschieht im Verborgenen. In zahlreichen Lebensbereichen werden Afroamerikaner noch heute benachteiligt: Zum Beispiel verdienen sie weniger als Weisse, sind öfter arbeitslos und können sich keine gute Ausbildung leisten.

Hillary und der Vorteil Bill

Umso wichtiger ist es für die schwarze Bevölkerung von Charleston und von ganz South Carolina, wer künftig im Weissen Haus regiert. Die meisten Afroamerikaner sind Demokraten, und in South Carolina haben sie viel Macht. Tage vor der Vorwahl beschäftigt sie nur eine Frage: Bernie Sanders oder Hillary Clinton?

Hillary würde eine grossartige Präsidentin sein, ist Passant Anthony überzeugt. Vor allem wegen Bill Clinton, ihrem Mann. Hillary sei Dank ihm in der Welt herumgekommen und habe gesehen, was es brauche, um erfolgreich das Land zu führen. Immer wieder Bill Clinton, der Mann aus dem Süden, aus Arkansas, den viele in der afroamerikanischen Gesellschaft als ersten schwarzen Präsidenten betrachten.

Beverly flechtet Körbe im Stadtmarkt von Charleston. Für sie ist wichtig, dass Hillary mehr in die Ausbildung der Armen investieren will und ein Justizsystem verspricht, das Afroamerikaner nicht mehr benachteiligt. Hillary würde weiterführen, was Obama begonnen hat. Bernie Sanders sei zwar auch ganz nett, fügt sie an. Aber sie befürchte, er überstehe die harten Strapazen des Wahlkampfs gesundheitlich nicht.

Sanders' Ideen sind gut, aber...

Sanders trauen auch sonst erstaunlich viele Afroamerikaner nicht über den Weg, obwohl sie seine Ideen unterstützen: Gratis-Uni, Einheitskrankenkasse und höhere Steuern für die Reichen. Doch Bernie ist erst kürzlich der demokratischen Partei beigetreten – das macht ihn suspekt. Ausser bei den jüngeren Afroamerikanern: «Seine Ideen sind relevanter für unsere Altersgruppe als die von Hillary: sein Uni-Plan zum Beispiel, und er will viele Dinge gratis machen. Das ist ziemlich lässig», sagt die Studentin Kendall.

Der Generationenkonflikt sei bei den afroamerikanischen Wählern im Süden weniger ausgeprägt, relativiert H. Gibbs Knotts, Politologie-Professor am College of Charleston. Er prophezeit, dass Clinton im Süden deshalb auch die jungen schwarzen Wähler gewinnen kann. Ein Sieg Clintons am Samstag sei zudem richtungsweisend für weitere Vorwahlen, betont Professor Knotts: «Clinton hat die afroamerikanischen Wähler auf ihrer Seite, und sie sind sehr zahlreich. Besonders im Süden», sagt er.

Noch ist etwas Zeit bis zur Vorwahl. Beverly vom Stadt-Markt zitiert die Bibel: «Der Glaube wird an den Taten gemessen», sagt sie, deshalb will sie am Samstagmorgen als erstes ihre Stimme für Hillary Clinton abgeben.