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International Was aus Menschen Terroristen macht

Die Psychiaterin Anne Speckhard von der Georgetown-Universität in Washington ist eine der wenigen Terrorismus-Expertinnen, die mit hunderten Tätern gesprochen hat. Sie ist interessiert an der Psychologie des Terrors. Sie weiss, was Menschen zu gefühllosen Wesen und zu Tötungsmaschinen macht.

Terrorismus.
Legende: Was macht aus Menschen Terroristen? Anne Speckhard erforscht die psycho-sozialen Ursachen. Keystone/Archiv

Anne Speckhard begegnete Terroristen und Terror-Deserteuren in Tschetschenien, in den Slums von Casablanca, im Irak, in Molenbeek und in der Türkei. Und sie findet, was viele empören dürfte: «Es ist falsch, für Terroristen nicht auch Verständnis zu haben. Selbstverständlich nicht für das, was sie zu tun. Sondern für die Menschen, die sie sind. Oder besser: einmal waren.» Niemand werde als Terrorist geboren, sondern später dazu gemacht, sagt die Psychiatrie-Professorin an der renommierten Georgetown University in Washington.

Es ist falsch, für Terroristen nicht auch Verständnis zu haben.
Autor: Anne SpeckhardPsychiaterin, Georgetown University, Washington

Speckhard nennt vier Zutaten zum mörderischen Cocktail: Der Gruppendruck, das Gefühl ausgegrenzt oder benachteiligt zu sein und eine hohe Verletzlichkeit. Und dann als Rahmen eine Ideologie. In Konfliktgebieten wie Syrien oder Jemen selber kämen ausserdem materielle Beweggründe hinzu. Für Menschen in Not seien die Saläre der Terrormiliz Islamischer Staat IS schlicht attraktiv.

Nicht entscheidend sei der Islam. Das erfuhr die Terrorpsychologin in ihren zahllosen Gesprächen: «Der Islam ist zurzeit zwar das ‹Angebot des Monats›. Aber andere Ideologien wie Kommunismus, Anarchismus und christlicher Fundamentalismus könnten grundsätzlich dasselbe bewirken. Nämlich in Menschen, die sich ungerecht behandelt fühlen, Hass schüren und ihnen einen utopischen Ausweg anbieten: Respekt, Sicherheit, Abenteuer und nicht zuletzt Sex.

Der Islam ist zurzeit zwar das ‹Angebot des Monats›. Aber andere Ideologien können dasselbe bewirken.
Autor: Anne SpeckhardPsychiaterin, Georgetown University, Washington

Dass der IS im Unterschied zu anderen Terrororganisationen gerade im Westen viele Frauen anlockt, erklärt Speckhard damit, dass der Erwartungsdruck auf Frauen heutzutage noch grösser sei als auf Männer: Karriere, Ehefrau, Familie, perfekt aussehen, keine Schwäche zeigen.

Rekrutierer suchen nach dem wunden Punkt

Für Terrororganisationen und deren Rekrutierer ist laut Speckhard entscheidend, bei jedem einzelnen Menschen den Knackpunkt zu finden. Dort anzusetzen, wo er verletzt und verletzlich ist.

Sie nennt ein Beispiel aus einem Internet-Café im Brüsseler Problemviertel Molenbeek. Dort sei ein junger Mann mit Bin-Laden-Videos aus Afghanistan «angefixt» worden. Der Dschihad im Hindukusch habe ihn zwar überhaupt nicht angesprochen. Doch als ihn der Verführer auf seine angebliche Unterdrückung, seine Arbeits- und Zukunftslosigkeit angesprochen habe, habe er Feuer gefangen.

Riesiges Potenzial an Enttäuschten

Was Speckhard mit all dem auch sagt: Das Rekrutierungspotenzial für Terrororganisationen ist immens. Es zählt nicht hunderte, sondern hunderttausende, ja Millionen Menschen. Überall hadern Massen von Menschen mit sich und der Welt, erleben Diskriminierung, sind perspektivlos und voller Wut.

Die Tatsache, dass es in Weissrussland weniger Terroristen gibt als in Belgien, hat laut Speckhard nichts damit zu tun, dass Weissrussen bessere Menschen sind. Es fehlten dort einfach die Rekrutierungsnetzwerke. Reichlich potenziellen Terrornachwuchs gebe es auch dort.

Wer keinem Terrornetzwerk ausgeliefert ist, wird auch nicht Terrorist.
Autor: Anne SpeckhardPsychiaterin, Georgetown University, Washington

Wer denn Terrorismus stoppen will, muss also dreierlei tun: Erstens für eine gerechtere, diskriminierungsfreiere Welt sorgen, um so das Nachwuchsreservoir zu verringern. «Das wird nie restlos gelingen. Realistischer ist das zweite Ziel, die Terrornetzwerke auszuhebeln, die Rekrutierung zu stoppen. Denn wer keinem Terrornetzwerk ausgeliefert ist, wird auch kein Terrorist», so Speckhard. Das heisse auch, die Finanzierung von Moscheen durch radikalislamische Staaten wie Saudi-Arabien zu verbieten und fremdsprachige, dubiose Imame loszuwerden.

«Gegenerzählung»

Drittens schliesslich müsse man der aggressiven, intensiven und gutgemachten Online-Propaganda des IS endlich etwas entgegenhalten, eine sogenannte «Gegenerzählung». Dazu sollen künftig auch die Videos ihrer eigenen Gespräche mit Terroristen und Terror-Deserteuren dienen. Sie sind, dramaturgisch aufbereitet, eine kraftvolle Alternative zur Werbung und Verführung der Dschihadisten.

Fredy Gsteiger

Portrait von Fredy Gsteiger

Der diplomatische Korrespondent ist stellvertretender Chefredaktor bei Radio SRF. Vor seiner Radiotätigkeit war er Auslandredaktor beim «St.Galler Tagblatt», Nahost-Redaktor und Paris-Korrespondent der «Zeit» und Chefredaktor der «Weltwoche».

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15 Kommentare

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  • Kommentar von Mario G. Berta (Mario)
    Der Hauptgrund, weshalb ein Mensch zum Terrorist wird, ist die Erfahrung von Gewalt, Demütigung, Zwang, Achtlosigkeit, Lieblosigkeit und Gefühlskälte in den Jahren seines Aufwachsens! Was wir deshalb, vor allem anderen, benötigen zur Vorbeugung von Gewalttaten aller Art ist unbedingter, ernsthafter Schutz aller Menschen, die noch Kinder heissen! Begegnen Eltern/Erzieher ihnen mit Achtung, Respekt, Liebe, Geduld und stören sie nicht in ihrer Eigenentwicklung, wird Frieden auf Erden möglich.
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  • Kommentar von P.A. Wiedmer (Scherler)
    Herr Steiger, Sie wissen bestimmt, dass von der Georgetown Uni viele der NWO-Vertreter stammen, Jesuiten, vom Vatikan gesteuert! Auch der Papst warf freie Christen (die seinen Machtapparat hinterfragen) in die Terrorecke!
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  • Kommentar von P.A. Wiedmer (Scherler)
    Wie bitte? Das ist Wüstensand in die Augen aller friedlichen Bürger geworfen! Dieser Artikel stinkt mächtig nach Manipulation! Wie kommt ein stellvertretender Chefredaktor bei Radio SRF dazu, solche Berichte unkritisch wiederzugeben in einem staatlich bezahlten Service Public Betrieb? Ist das unabhängiger Journalismus? Oder wird Uwe Ulfkotte persönliche Erfahrung über die Ami-Steuerung westlicher Medien bestätigt? Entschuldigung - hat Fredi Steiger auch ein Ehrenbürgerrecht der USA?
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